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Gottes Antworten
Auf alle negativen Dinge, die wir zu uns selbst sagen, hat Gott eine positive Antwort. Du sagst: „Es ist unmöglich.“ - Gott sagt: „Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt.“ (Lk.18,27) Du sagst: „Ich bin zu müde.“ - Gott sagt: „Ich will Dir Ruhe geben.“ (Mt.11,28-30) Du sagst: „Niemand mag mich.“ - Gott sagt: „Ich habe Dich lieb.“ (Joh.3,16; 13,34) Du sagst: „Ich kann nicht mehr.“ - Gott sagt: „Meine Gnade genügt Dir.“ (2.Ko.12,9; Ps.91,15). Du sagst: „Ich komme hier nicht mehr raus.“ - Gott sagt: „Ich werde Deine Schritte leiten.“ (Spr.3,5 f) Du sagst: „Ich kann das nicht.“ - Gott sagt: „Du kannst alles.“ (Ph.4,13) Du sagst: „Ich bin dazu nicht fähig.“ - Gott sagt: „Du bist sehr wohl dazu befähigt.“ (2.Ko.9,8) Du sagst: „Es ist die Sache nicht wert.“ - Gott sagt: „Es ist es doch wert.“ (Röm.8,28) Du sagst: „Ich kann nur selbst nicht vergeben.“ - Gott sagt: „Ich vergebe Dir.“ (l.Joh.l:9; Röm.8:l) Du sagst: „Ich kriege es nicht geregelt.“ - Gott sagt: „Ich werde mich um alle Deine Bedürfnisse kümmern.“ (Ph.4,19) Du sagst: „Ich habe Angst. - Gott sagt: „Ich habe Dir nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben.“ (2.Tim. 1,7) Du sagst: „Ich fühle mich besorgt und frustriert.“ - Gott sagt: „Wirf alle Deine Sorgen auf mich.“ (l. Petr. 5,7) Du sagst: „Ich habe nicht genug Glauben.“ Gott sagt: „Ich habe jedem sein Maß an Glauben gegeben.“ (Röm.12,3) Du sagst: „Ich verstehe nicht genug.“ - Gott sagt: „Ich werde Dir Weisheit geben.“ (l. Kor.1,30) Du sagst: „Ich fühle mich allein.“ - Gott sagt: „Ich werde Dich niemals versäumen noch verlassen“ (Hb. 13,5) |
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Die drei grünen Zweige
Ein Märchen der Gebrüder Grimm Es war einmal ein Einsiedler, der lebte in einem Walde am Fuße eines Berges und brachte seine Zeit in Gebet und guten Werken zu, und jeden Abend trug er noch zur Ehre Gottes ein paar Eimer Wasser den Berg hinauf. Manches Tier wurde damit getränkt und manche Pflanze damit erquickt, denn auf den Anhöhen weht beständig ein harter Wind, der die Luft und die Erde austrocknet, und die wilden Vögel, die vor den Menschen scheuen, kreisen dann hoch und suchen mit ihren scharfen Augen nach einem Trunk. Und weil der Einsiedler so fromm war, so ging ein Engel Gottes, seinen Augen sichtbar, mit ihm hinauf, zählte seine Schritte und brachte ihm, wenn die Arbeit vollendet war, sein Essen, so wie jener Prophet auf Gottes Geheiß von den Raben gespeiset ward. Als der Einsiedler in seiner Frömmigkeit schon zu einem hohen Alter gekommen war, da trug es sich zu, dass er einmal von weitem sah, wie man einen armen Sünder zum Galgen führte. Er sprach so vor sich hin: „Jetzt widerfährt diesem sein Recht.“ Abends, als er das Wasser den Berg hinauftrug, erschien der Engel nicht, der ihn sonst begleitete, und brachte ihm auch nicht seine Speise. Da erschrak er, prüfte sein Herz und bedachte, womit er wohl könnte gesündigt haben, weil Gott also zürne, aber er wusste es nicht. Da aß und trank er nicht, warf sich nieder auf die Erde und betete Tag und Nacht. Und als er einmal in dem Walde so recht bitterlich weinte, hörte er ein Vöglein, das sang so schön und herrlich; da ward er noch betrübter und sprach: „Wie singst du so fröhlich! Dir zürnt der Herr nicht: ach, wenn du mir sagen könntest, womit ich Ihn beleidigt habe, damit ich Buße täte und mein Herz auch wieder fröhlich würde!“ Da fing das Vöglein an zu sprechen und sagte: „Du hast unrecht getan, weil du einen armen Sünder verdammt hast, der zum Galgen geführt wurde, darum zürnt dir der Herr; Er allein hält Gericht. Doch wenn du Buße tun und deine Sünde bereuen willst, so wird Er dir verzeihen.“ Da stand der Engel neben ihm und hatte einen trockenen Ast in der Hand und sprach: „Diesen trockenen Ast sollst du so lange tragen, bis drei grüne Zweige aus ihm hervorsprießen, aber nachts, wenn du schlafen willst, sollst du ihn unter dein Haupt legen. Dein Brot sollst du dir an den Türen erbitten und in demselben Hause nicht länger als eine Nacht verweilen. Das ist die Buße, die dir der Herr auflegt. Da nahm der Einsiedler das Stück Holz und ging in die Welt zurück, die er so lange nicht gesehen hatte. Er aß und trank nichts, als was man ihm an den Türen reichte; manche Bitte aber ward nicht gehört, und manche Türe blieb ihm verschlossen, also dass er oft ganze Tage lang keinen Krumen Brot bekam. Einmal war er vom Morgen bis Abend von Türe zu Türe gegangen, niemand hatte ihm etwas gegeben, niemand wollte ihn die Nacht beherbergen, da ging er hinaus in einen Wald und fand endlich eine angebaute Höhle, und eine alte Frau saß darin. Da sprach er: „Gute Frau, behaltet mich diese Nacht in Euerm Hause.“ Aber sie antwortete: „Nein, ich darf nicht, wenn ich auch wollte. Ich habe drei Söhne, die sind bös und wild, wenn sie von ihrem Raubzug heimkommen und finden Euch, so würden sie uns beide umbringen.“ Da sprach der Einsiedler: „Lasst mich nur bleiben, sie werden Euch und mir nichts tun,“ und die Frau war mitleidig und ließ sich bewegen. Da legte sich der Mann unter die Treppe und das Stück Holz unter seinen Kopf. Wie die Alte das sah, fragte sie nach der Ursache, da erzählte er ihr, dass er es zur Buße mit sich herumtrage und nachts zu einem Kissen brauche. Er habe den Herrn beleidigt, denn als er einen armen Sünder auf dem Gang nach dem Gericht gesehen, habe er gesagt, diesem widerfahre sein Recht. Da fing die Frau an zu weinen und rief: „Ach, wenn der Herr ein einziges Wort also bestraft, wie wird es meinen Söhnen ergehen, wenn sie vor Ihm im Gericht erscheinen.“ Um Mitternacht kamen die Räuber heim, lärmten und tobten. Sie zündeten ein Feuer an, und als das die Höhle erleuchtete und sie einen Mann unter der Treppe liegen sahen, gerieten sie in Zorn und schrien ihre Mutter an: „Wer ist der Mann? Haben wir‘s nicht verboten, irgendjemand aufzunehmen?“ Da sprach die Mutter: „Lasst ihn, es ist ein armer Sünder, der seine Schuld büßt.“ Die Räuber fragten: „Was hat er getan, Alter?“ riefen sie, „erzähl uns deine Sünden.“ Der Alte erhob sich und sagte ihnen, wie er mit einem einzigen Wort schon so gesündigt habe, dass Gott ihm zürne, und er für diese Schuld jetzt büße. Den Räubern ward von seiner Erzählung das Herz so gewaltig gerührt, dass sie über ihr bisheriges Leben erschraken, in sich gingen und mit herzlicher Reue ihre Buße begannen. Der Einsiedler, nachdem er die drei Sünder bekehrt hatte, legte sich wieder zum Schlafe unter die Treppe. Am Morgen aber fand man ihn tot, und aus dem trocknen Holz, auf welchem sein Haupt lag, waren drei grüne Zweige hoch emporgewachsen. Also hatte ihn der Herr wieder in Gnaden zu sich aufgenommen. |
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Auf der Suche nach dem Glück
Ein junger Mann, der sich immer fleißig und redlich bemüht hatte, es im Leben zu etwas zu bringen, kam zu der Erkenntnis, er habe einfach zu wenig Glück - und so beschloss er, den lieben Gott aufzusuchen und ihn zu bitten, diesen Zustand zu ändern. Auf seine Erkundigungen hin erfuhr er, dass der liebe Gott in einem großen, dunklen Wald wohnt. Also machte er sich auf den Weg dorthin. Als er an den Rand des Waldes kam, rief ihn ein Wolf an. „Wohin des Wegs, junger Mann ?“ „Ich gehe zu Gott, damit er einen Glückspilz aus mir macht“, antwortete der junge Mann. Daraufhin bat ihn der Wolf: „Wenn du ihn triffst, frag ihn doch, warum ich immer so schrecklichen Hunger habe.“ Der junge Mann versprach dies und ging weiter. Ein Stück weiter des Wegs traf er ein junges Mädchen. Es saß zu Tode betrübt an einem Fluss. Als der junge Mann an ihr vorüberging, fragte sie ihn: „Wohin gehst du, junger Mann?“ „Ich gehe zu Gott, damit er einen Glückspilz aus mir macht“, antwortete dieser. „Ach, wenn du ihn siehst, frag ihn doch bitte, warum ich immer so traurig bin“, bat ihn das Mädchen. „Ich werde ihn fragen“, versprach der junge Mann und ging weiter. Nachdem er weiter flussaufwärts gegangen war, hörte er einen Baum, der am Wasser stand, rufen: „Junger Mann, wohin gehst du ?“ „Zu Gott. Er soll einen Glückspilz aus mir machen“, antwortete der junge Mann. „Ach bitte, wenn du ihn siehst, frag ihn doch, warum ich immer so durstig bin, obwohl ich hier am Wasser stehe“, bat ihn der Baum. „Mach ich“, sagte der junge Mann und zog weiter. Und wirklich, in der Mitte des Waldes traf er den lieben Gott. „Lieber Gott“, sagte er, „ich bin gekommen, damit du einen Glückspilz aus mir machst. Bisher hab ich das ganze Leben immer nur Pech gehabt. Findest du nicht auch, dass dies ungerecht ist, und ich zur Abwechslung mal etwas Glück haben sollte?“ Der liebe Gott sagte nur: „Okay“. Der junge Mann konnte seine Freude kaum im Zaum halten und wollte sich schon aufmachen, um von nun an ein glückliches Leben zu führen, da fielen ihm aber noch die Fragen der drei ein, die er auf dem Weg zu Gott getroffen hatte. Er trug sie dem lieben Gott vor, und der beantwortete sie. Nun aber hielt ihn nichts mehr. Er eilte zurück, um nichts von seinem Leben zu versäumen. In seiner Aufregung lief er glatt an dem Baum vorbei, aber der rief ihn zurück: „Was ist mit meiner Frage, junger Mann?“ „Ach ja“, rief dieser über die Schulter nach hinten, „Gott meinte, du kriegst nicht genügend Wasser, weil zwischen deinen Wurzeln und dem Wasser ein großer Schatz vergraben liegt. Aber sei mir nicht böse, denn ich bin jetzt ein Glückspilz und hab‘s eilig.“ So rannte er weiter, bis er zu dem Mädchen kam - das rief ihn an: „Junger Mann, hast du Gott meine Frage gestellt?“ Er blieb gar nicht erst stehen, sondern rief ihr im Laufen zu: „Ja, das hab‘ ich. Gott sagte, der Grund für dein Unglück ist, dass du einsam bist. Er meinte auch, dass ein gutaussehender junger Mann hier vorbeikommen würde. Ihr könntet euch ineinander verlieben und glücklich sein, euer ganzes Leben lang. Aber ich muss jetzt weiter, denn ich habe ab sofort Glück.“ Als er schon ein wenig außer Atem an den Waldrand kam, rief ihn der Wolf an: „Junger Mann, hast du Gott meine Frage gestellt?“ „Oh ja, das habe ich“, rief dieser. „Gott sagte, du bist so hungrig, weil du nicht genug zu fressen hast. Wenn aber der Narr weit genug gekommen ist, um dir das auszurichten, kannst du ihn zum Mittagessen haben.“ |
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Gnade
Wenn ein Stück rohes Eisen, das noch ungebraucht in der Schmiede herumliegt, reden könnte, so würde es sagen: „Ich bin schwarz, ich bin kalt, ich bin hart!“ Das alles ist vollkommen wahr. Aber nun lege dieses selbe Stück Eisen in das Feuer der Esse und warte nur ein wenig, bis das Feuer seine Macht an ihm bewiesen hat. Jetzt würde es verwundert sagen müssen: „Die Schwärze, die Kälte, die Härte ist weg! Ich bin völlig verändert. Nun bin ich rot statt schwarz, nun bin ich glühend statt kalt, nun bin ich biegsam statt hart, nun bin ich brauchbar geworden für meine Bestimmung!“ Würde sich das Eisen selber rühmen? Nein, es würde sich des Feuers rühmen, durch das es so vollkommen umgewandelt wurde. - So ist auch der Mensch von Natur schwarz, kalt und hart. Aber wenn der Herr ihn mit seinen göttlichen Einwirkungen berührt, wenn Jesu Blut ihn reinigt, wenn er von Gottes Liebe erfüllt wird, so verschwindet das, was er von Natur war. Jedoch die Ehre der Verwandlung kommt nicht dem Menschen, sondern dem Herrn zu. (Stanley Jones) |
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Anleitung zum Unglücklichsein
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, aber keinen Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt er, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Aber was nur? Ich habe ihm doch nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ausschlagen? Leute wie der Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Morgen“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie doch Ihren Hammer, Sie Rüpel!“ (Paul Watzlawick) |
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Verwundung - oder die Nägel im Zaun
Es war einmal ein Junge mit schwierigem Charakter. Sein Vater gab ihm einen Beutel gefüllt mit Nägeln und bat ihn, jedes Mal einen Nagel in den Gartenzaun zu schlagen, wenn er seine Geduld verloren habe oder mit jemandem in Streit geraten sei. Am ersten Tag schlug der Junge 37 Nägel in den Gartenzaun. In den folgenden Wochen lernte der Junge, sich zu beherrschen und die Zahl der Nägel, die er in den Zaun zu schlagen hatte, wurde immer weniger. Der Junge merkte mit der Zeit, dass es einfacher war sich zu beherrschen, als Nägel in den Zaun zu hämmern. Schließlich kam der erste Tag, an dem der Junge keinen Nagel in den Gartenzaun schlagen musste. Er ging zu seinem Vater und erzählte ihm, dass er heute keinen Nagel in den Gartenzaun geschlagen habe. Der Vater freute sich über diese Nachricht und trug dem Jungen auf, er solle von nun an jedem Tag, an dem er sein Temperament erfolgreich unter Kontrolle halten könne, wieder einen Nagel aus dem Zaun herausziehen. Viele Tage vergingen, bis der Junge seinem Vater erzählen konnte, dass er alle Nägel aus dem Zaun gezogen habe. Der Vater ging daraufhin mit seinem Sohn zum Zaun und erklärte ihm: „Mein Sohn, du hast dich in letzter Zeit gut benommen. Aber schau nur, wie viele Löcher, du im Zaun hinterlassen hast. Er wird nie mehr derselbe Zaun sein wie vorher. Jedes Mal wenn du Streit mit jemandem hast oder ihn gar beleidigst, bleiben Wunden zurück - wie diese Löcher im Zaun. Es ist, als stächest du jemanden mit einem Messer. Wenn du es wieder herausziehst, bleibt jedes Mal eine Wunde, die nie wieder völlig verheilen wird. Und ganz egal, wie oft du dich auch entschuldigst, die Wunde wird als Narbe immer bleiben. Eine Wunde, die du mit Worten erzeugst tut genauso weh, wie eine körperliche Wunde. |
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Zielstrebig
Ein ehrgeiziger Mann kam zum Meister und klagte, dass alle seine guten Ideen und all seine Bemühungen am Ende doch fruchtlos geblieben sind. Der Meister fragte ihn: „Was heißt: am Ende? Ist es nicht nur das Ende deiner Geduld, das dich am Erfolg deines Bemühens hindert? Ich will dir darum die Geschichte von der Schnecke erzählen: An einem grauen und regnerischen Frühlingstag kam eine Schnecke auf den Gedanken, dass es statt des Frühgemüses noch etwas anderes geben müsse, das ihr schmecken würde. So machte sie sich auf den Weg und kroch den Kirschbaum hinauf. Die Spatzen konnten sich vor Lachen über ihr Bemühen kaum auf den Zweigen halten. Einer von den frechen Vögeln hatte wohl Mitleid mit ihr, flog auf sie zu und fragte: „Was willst du denn hier? Siehst du denn nicht, dass der Baum noch gar keine Früchte trägt?“ „Naja“, erwiderte die Schnecke, „selbstverständlich weiß ich, dass der Kirschbaum jetzt noch keine Früchte trägt - aber bis ich oben bin, wird er welche haben!“ Und beharrlich kroch sie weiter.“ |
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Wenn wir beobachtet würden
„Ihn selbst“, berichteten der Kundschafter vom anderen Stern, als er von der Erde zurückkam, „ihn selbst habe ich nie zu Gesicht bekommen, aber er muß wohl mit Abstand ihr Bester sein. Immer nämlich, wenn Helfen schwierig oder auch nur unbequem wurde, riefen sie nach ihm, er solle es machen.“ Und weißt du auch, wie dieser schiere Übermensch heißt?“ wollte man wissen. Der Kundschafter lachte: „Wenn man ihn so oft genannt hört, vergißt man nicht so schnell: Mit Vornamen heißt er ‚Jemand‘, mit dem Nachnamen ‚Anders‘.“ |
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Die Geschichte vom Steinmetz
Eines Tages überlegte ich mir wieder einmal, was es wohl sei, das mir fehle, um endlich glücklich zu sein. Geld, Erfolg, ein anderer Wohnort, ein Prinz,…?? Da stand plötzlich ein alter Chinese neben mir und sagte beiläufig: „Sie erinnern mich an den Steinmetz!“ Ich starrte ihn überrascht an und fragte: „Welchen Steinmetz?“ Daraufhin sagte der alte Chinese: „In meinem Land gibt es eine Geschichte, die von einem unglücklichen Steinmetz handelt, der wünschte, ein anderer zu sein, mit einer anderen Position im Leben. Eines Tages kam er am Haus eines reichen Kaufmannes vorbei, sah dessen großen Besitz und bemerkte, wie sehr der Kaufmann geachtet wurde. Der Steinmetz beneidete den reichen Kaufmann und wünschte sich, so zu leben wie dieser. Dann müsste er nicht länger ein einfacher Steinmetz sein. Zu seiner Verwunderung wurde ihm sein Wunsch gewährt. Plötzlich war er der Kaufmann und besaß mehr Macht und Luxus, als er jemals zu träumen gewagt hätte. Aber er wurde auch von den Armen beneidet und verachtet und hatte mehr Feinde, als er jemals für möglich gehalten hatte. Dann sah er einen hohen Beamten, der von Dienern getragen und von Soldaten eskortiert wurde und vor dem sich alle verneigten. Er war der mächtigste und geachtetste Mann im ganzen Reich. Und der ehemalige Steinmetz und jetzige Kaufmann wünschte sich, wie jener hohe Beamte zu sein, Diener zu haben und Soldaten, die ihn bewachten, und mächtiger zu sein als alle anderen. Auch dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Er verwandelte sich in den hohen Beamten, den mächtigsten Mann im ganzen Reich, vor dem alle sich verneigten. Aber der Beamte war auch der am meisten gefürchtete und gehasste Mann des Reiches, nur deshalb brauchte er so viele Soldaten. Die Sonne sandte stechende Strahlen zur Erde. Die Hitze war dem hohen Beamten sehr unangenehm, machte ihn mürrisch und verdrießlich. Er schaute zur Sonne empor und sagte bei sich: „Wie mächtig sie ist. Ich wünschte, ich könnte die Sonne sein.“ Es dauerte nicht lange, da war er die Sonne, die auf die Erde schien. Doch dann schob sich eine große, dunkle Wolke vor ihn und versperrte seinen Strahlen den Weg. „Wie mächtig die Wolke ist“, dachte er „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie die Wolke.“ Und so wurde er zur Wolke, die den Sonnenstrahlen den Weg versperrte und auf die Dörfer regnete. Doch ein starker Wind kam auf und blies die Wolke fort. „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie der Wind“, dachte er, und als er es aussprach, verwandelte er sich in den Wind. Doch der Wind konnte zwar Bäume entwurzeln und ganze Dörfer verheeren, aber er konnte nichts gegen einen Stein ausrichten. Der große Stein rührte sich nicht von der Stelle, er widerstand der geballten Macht des Windes. „Wie mächtig dieser Stein ist“, dachte der Wind. „Oh, wie gern wäre ich so mächtig wie er.“ Und er verwandelte sich in den großen Stein, der der geballten Kraft des Windes widerstanden hatte. Jetzt war er endlich glücklich, die große Macht auf Erden. Aber plötzlich hörte er ein Geräusch: klick, klick, klick. Ein Hammer trieb einen Meißel in den Stein und brach ihn Stück für Stück entzwei. „Was könnte mächtiger sein als ich?“ fragte sich der Stein. Und da, am Fuße des großen Steines, stand…ein Steinmetz.“ Der alte Chinese schloss mit den Worten: „Viele Menschen suchen ihr Leben lang nach Glück und finden es nicht, weil sie an der falschen Stelle suchen. Man sieht keinen Sonnenuntergang, wenn man nach Osten schaut, und man findet das Glück nicht, wenn man es in seiner Umgebung sucht. Die Geschichte des Steinmetzes lehrt uns, dass man das Glück nur findet, wenn man nicht sein Leben, sondern sich selbst ändert.“ |
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Die Geschichte vom Echo
Vater und Sohn sind in den Bergen unterwegs. Plötzlich fällt der Sohn hin, schlägt sich das Knie auf und schreit: „Aaahhh!!“ Zu seiner Überraschung hört er eine Stimme irgendwo in den Bergen, die schreit auch: ‚Aaahhh!!’ Neugierig ruft er: ‚Wer bist du?’, und erhält zur Antwort: ‚Wer bist du?’ Dann schreit er in die Berge: ‚Ich bewundere dich!’ Die Stimme antwortet: ‚Ich bewundere dich!’ Verärgert schreit der Junge: ‚Du Depp!’, und erhält zur Antwort: ‚Du Depp!’ Er sieht zum Vater hinüber und fragt: ‚Was ist das?’ Der Vater lächelt: ‚Geduld, mein Junge.’ Und nun ruft der Mann: ‚Du bist der Größte!’ Die Stimme antwortet: ‚Du bist der Größte!’ Der Junge ist überrascht, versteht aber immer noch nicht. Da erklärt der Vater: ‚Die Menschen nennen es Echo, aber in Wirklichkeit ist es das Leben. Es gibt dir alles zurück, was du sagst oder tust. Unser Leben ist der Spiegel unseres Handelns. Wenn du dir mehr Liebe in der Welt wünschst, dann sorge für mehr Liebe in deinem Herzen. Wenn du mehr Kompetenz in deinem Team willst, dann lerne selbst weiter. Das gilt für alles, für jeden Bereich des Lebens. Das Leben gibt dir alles zurück, was du ihm gegeben hast. Dein Leben ist kein Zufall. Es ist ein Spiegelbild.“ |
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Die netten Zettel - Du bist mir wichtig!
Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, Sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den Einzelnen aufgeschrieben hatten. Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. „Wirklich?“, hörte man flüstern .. „Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!“ und „Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen“, waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen. Einige Jahre später war einer der Schüler verunglückt und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Männer, die den Sarg trugen, zu ihr: „Waren Sie Marks Mathe Lehrerin?“ Sie nickte: „Ja“. Dann sagte er: „Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.“ Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. „Wir wollen Ihnen etwas zeigen“, sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. „Das wurde gefunden, als Mark verunglückt ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen.“ Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. „Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben“ ,sagte Marks Mutter. „Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt.“ Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: „Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch“. Chucks Frau sagte: „Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben.“ „Ich habe meine auch noch“, sagte Marilyn. „Sie ist in meinem Tagebuch.“ Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. „Ich trage sie immer bei mir“, sagte Vicki und meinte dann: „Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt.“ Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollten wir den Menschen, die wir lieben und um die wir uns sorgen, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist. Denk daran, Du erntest, was Du säst. Was man in das Leben der anderen einbringt, kommt auch ins eigene Leben zurück. |
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Vom Mann mit den sieben Masken
Es war einmal ein Mann, der trug sieben verschiedene Masken, für jeden Tag der Woche eine. Wenn er morgens aufstand, bedeckte er sich immer unverzüglich sein Gesicht mit einer seiner Masken. Sodann kleidete er sich an und ging zur Arbeit aus dem Haus. Er lebte auf diese Weise, ohne jemals irgendjemandem sein wahres Gesicht zu zeigen. Doch eines Nachts, während er fest schlief, stahl ihm ein Dieb seine sieben Masken. Als er aufwachte und den Diebstahl feststellte, schrie er völlig kopflos: „Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ Dann rannte er auf der Suche nach seinen Masken durch alle Straßen der Stadt. Die Leute sahen ihn wild gestikulieren, fluchen und die ganze Welt mit den schlimmsten Schicksalsschlägen bedrohen, wenn er nicht seine Masken wieder finden könne. Den ganzen Tag verbrachte er damit, nach dem Dieb zu suchen, aber es war alles umsonst. Verzweifelt und untröstlich brach er zusammen und weinte wie ein kleines Kind. Die Leute versuchten ihn zu trösten, aber nichts konnte ihm aus seinem Unglück helfen. Da kam eine Frau vorbei und fragte ihn: „Freund, was ist mit dir los? Warum weinst du so?“ Er hob den Kopf und gab mit erstickter Stimme zur Antwort: „Man hat mir meine Masken gestohlen und mit derart unverhülltem Gesicht fühle ich mich viel zu verletzbar.“ „Tröste dich,“ sagte sie, „schau mich an: Ich habe von Geburt an immer mein Gesicht gezeigt.“ Er sah sie lange an und erkannte, dass sie sehr schön war. Die Frau beugte sich zu ihm herab, lächelte ihm zu und trocknete ihm die Tränen ab. Da spürte dieser Mann zum ersten Mal in seinem Leben auf seinem Gesicht, wie wohl es tat, zärtlich berührt zu werden. |
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Vom Holzfäller, der seine Axt verlor
Ein Holzfäller suchte seine Axt. Als er ihren Verlust festgestellt hatte, suchte er sie an all den Stellen, wo er sie vor kurzem noch verwendet hatte, aber ohne Erfolg. Nach und nach drängte sich ihm immer stärker der Gedanke auf: Jemand musste ihm seine Axt gestohlen haben. Sein Verdacht richtete sich schließlich auf den Sohn seines Nachbarn. Er fing an, das Verhalten des jungen Mannes genauer zu beobachten. Es dauerte nicht lange, und sein Verdacht wandelte sich zur Gewissheit: Dieser Bursche war der Dieb. Er konnte einem nicht direkt in die Augen schauen; er war undurchsichtig; er wirkte verängstigt, was verriet, dass er etwas zu verbergen hatte. Kurz, er schaute wie ein Dieb drein, ging wie ein Dieb, wirkte wie ein Dieb. Unser Holzfäller wartete nur noch darauf, ihn auf frischer Tat ertappen zu können. Doch als er eines Tages wieder an ein Waldstück kam, an dem er ebenfalls bereits etliche Bäume gefällt hatte, stolperte er fast über einen Gegenstand: seine Axt. Dieses Erlebnis erstaunte ihn ziemlich. Von da an betrachtete er den Burschen zwar nicht mehr als Dieb, aber trotzdem begegnete er ihm weiterhin mit einem gewissen Misstrauen. |
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Ein natürlicher Bestandteil des Lebens
Ein Mann saß eines Tages da und blickte in den Spiegel. Alles, was er vor sich sehen konnte, waren seine Fehler ... seine grauen Haare, seine beginnende Glatze, sein Übergewicht, seine Fältchen, sein Altern und das Schwächerwerden des Körpers. Er verstand nicht, dass dies sein Stolz war, der sagte: "Du bist nicht mehr perfekt. Welch eine Enttäuschung bist du!" Er vergaß, dass viele der Fehler, die er sah, überhaupt keine Fehler waren, sondern ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Er vergaß, dass dies mit allen Menschen passiert; niemand kann es verhindern. Er vergaß, das Gute in ihm und in seinem Leben zu sehen. Ja, die Dinge geschahen zwar, doch sie geschahen, wie sie sollten. Jetzt aber ließ der Mann zu, dass sie zu einer Störung in seinem Leben wurden. Anstatt ein freudiges Leben zu führen, begann er, ein Leben voller Sorgen und Beunruhigung über morgen zu führen. Nichts änderte sich, er wurde trotzdem älter, und sein sich Sorgen verhinderte nichts, außer dass er das Leben so genoss, wie er es sollte. Er starb und kam ins Grab mit seinen Sorgen, nachdem er einen Großteil seines Lebens vergeudet hatte. Wenn er nur jeden Augenblick für das angesehen hätte, was er ist - ein Schatz - und sich nicht über das gesorgt hätte, was kommen sollte, hätte er ein freudiges Leben führen können, wie es ihm bestimmt gewesen war. Heute gibt es so viele wie diesen Mann, die sich über das Morgen Sorgen machen und das Heute vergessen. Wenn du das Heute in diesem Leben wichtig machst, kann das Morgen eine Freude sein. Wenn du jeden Augenblick zu einem Augenblick der Liebe machst, wird das Morgen ein Schatz sein, an dem du dich erfreust, keine Last, an der du leidest. Wenn du das "Jetzt" Gott übergibst, dann gehört die Ewigkeit dir in Liebe. (Quelle: Alan Ames - Geschichten von der Liebe) |
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Liebe deinen Feind
An einem Sabbattag ging der Sohn eines Rabbiners zum Gebet nicht in die Synagoge seines Vaters, sondern in eine andere. Als er zurückkam, fragte ihn der Rabbiner: „Na, hast du etwas Neues gelernt?“ Sein Sohn gab zur Antwort: „Ja natürlich!“ Der Vater fühlte sich in seinem Stolz als Rabbiner etwas gekränkt und entgegnete: „Na, was lehren sie denn dort Besonderes?“, worauf der Sohn erwiderte: „Liebe deinen Feind!“ Unverzüglich entgegnete der Vater: „Dann predigen sie doch das Gleiche wie ich. Wie kannst du sagen, du hättest dort etwas Neues gelernt?“ Der Sohn sagte hierauf: „Sie haben mich gelehrt, den Feind zu lieben, der in mir selbst wohnt, während ich ihn bisher grimmig bekämpft habe.“ |
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Wie viel wiegt das Leben?
Ein Schüler kam zu einem weisen alten Mann. „Herr“ sprach er mit schleppender Stimme „das Leben liegt wie eine Last auf meinen Schultern. Es drückt mich zu Boden und ich habe das Gefühl, unter dem Gewicht zusammenzubrechen.“ „Mein Sohn“ sagte der Alte mit einem liebevollen Lächeln „das Leben ist leicht wie eine Feder.“ „Herr, bei aller Demut, aber hier musst du dich irren. Denn ich spüre mein Leben wie eine Last von tausend Pfunden auf mir. Sag, was kann ich tun?“ „Wir sind es selbst, die uns Last auf unsere Schultern laden.“ sagte der Alte, immer noch milde lächelnd. „Aber...“ wollte der Junge einwenden. Der alte Mann hob die Hand: „Dieses „Aber“, mein Sohn, wiegt allein tausend Pfund.“ |
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Der Geburtstag
Die Großmutter hat sich viel Mühe gegeben, eine festliche Geburtstagstafel vorzubereiten. Wie jedes Jahr wurden vom Konditor zwei leckere Torten geliefert, sie hat den Tisch schön gedeckt, der Kaffee dampft bereits. Da klingelt es an der Tür. Freudig öffnet die alte Frau - es sind ihre beiden Enkelkinder. Sie will gerührt die Glückwünsche entgegennehmen, doch die beiden stoßen ihre Großmutter beiseite und laufen den Korridor entlang zum Wohnzimmer. Schnell nehmen sie am gedeckten Tisch Platz und schaufeln sich Torte auf ihre Teller. Schmatzend legen sie zu essen los. Die Großmutter ist inzwischen auch im Zimmer angekommen. Etwas verschreckt steht sie in einer Ecke. „Na, schmeckt es euch denn?“ fragt sie unsicher. Man merkt ihr den Versuch an, aus der Situation das Beste zu machen. Die Antwort der beiden Enkel ist eher mit dem Grunzen von Wildschweinen zu vergleichen. Die Großmutter versucht noch einmal zu lächeln und das Ganze mit „Ja, ja, die Jugend!“ abzutun. Sie hofft, dass es noch etwas feierlicher wird, wenn die beiden ihren größten Hunger gestillt haben. Doch plötzlich springen beide wieder hoch. „Mach's gut, Oma, bis bald mal!“ stürzen sie hinaus. Das Zuknallen der Tür hallt noch lange nach. Du kannst dir nicht vorstellen, dass so etwas möglich ist? Du meinst, da sei aber gehörig dick aufgetragen? Nein, dies ist eine wahre Geschichte, die sich jedes Jahr millionenfach wiederholt. Auch wenn die Hauptperson der Geschichte in Wirklichkeit nicht die Großmutter ist, sondern ein Kind. Die Geschichte spielt am Weihnachtsfest. Da feiern wir Menschen die Geburt unseres Erlösers. Er sollte die Hauptperson sein. Aber was machen wir aus diesem Fest? Wir stoßen Jesus zur Seite, wir schlagen uns den Magen voll, wir überhäufen uns mit Geschenken, wir denken an uns - vielleicht noch an unsere Familie und unsere besten Freunde. Die Hauptperson selbst steht verdrängt und weggestoßen in einer Ecke, ohne sich zu wehren. Eigentlich erstaunlich, dass Gott immer noch mit offenen Armen dasteht und auf uns wartet, nicht wahr? Dass Er uns einlädt, sogar zu Weihnachten. Auch in diesem Jahr. (Rainer Haak) |
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Das Geschenk des Bettlers
Ich ging die Straße hinunter. Ein bedürftiger, gebrechlicher Greis hielt mich an. Entzündete, tränende Augen, fahlblaue Lippen, zerfetzte Lumpen, unsaubere Schwären. Oh, wie schrecklich hatte die Not dieses unglückliche Geschöpf verunstaltet! Er streckte mir seine gerötete, verschwollene, schmutzige Hand hin. Er stöhnte, er ächzte um Hilfe. Ich begann, all meine Taschen zu durchsuchen. Aber weder Geldbeutel noch Uhr, nicht einmal das Taschentuch war da. Ich hatte nichts mitgenommen. Der Bettler aber wartete noch immer und seine ausgestreckte Hand bebte und zitterte vor Schwäche. Verwirrt und verlegen ergriff ich mit kräftigem Druck diese schmutzige, zitternde Hand. „Zürn mir nicht, Bruder; ich habe gar nichts bei mir, mein Bruder.“ Der Bettler richtete seine entzündeten Augen auf mich; ein Lächeln kam auf seine fahlen Lippen — und dann drückte auch er meine erkalteten Finger. „Lass es gut sein, Bruder“, sagte er leise; „auch dafür bin ich dir dankbar. Auch das ist eine Gabe, mein Bruder.“ Da fühlte ich, dass auch ich von meinem Bruder eine Gabe empfangen hatte. (Iwan Turgenjew) |
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Die Turmuhr
Auf einem hohen Turme in einer Stadt dieser Zeit ließ ein Herzog eine prachtvolle Uhr aufrichten. Da der Turm achteckig war, so ließ er an jeder der acht Flächen, die natürlich zwischen die acht Ecken fielen, ein Zifferblatt machen, auf daß jedermann von allen möglichen Punkten aus die Stunden bemerken, sehen und sich überzeugen könne, um die wievielte Tagesstunde, Minute und Sekunde es sei. Nebst der genauesten Zeiteinteilung von der Stunde bis zur Sekunde zeigte die Uhr aber auch das monatliche Tagesdatum, den Stand des Mondes und auch den Stand der anderen Planeten, sowie die tägliche Dauer des Lichtes vom Aufgange bis zum Niedergange der Sonne, und danebst auch die vier Jahreszeiten, - aber natürlich alle diese besonderen astronomischen Daten auf eigenen, unter dem Hauptuhrblatte angebrachten astronomischen Zifferblättern. Nebst all dem aber, was diese Uhr auf ihren Zifferblättern zeigte, hatte sie auch ein ganz vortreffliches Stunden- und Viertelstundenschlagwerk und dabei auch noch ein allerreinstes Glockenspielwerk - und für all diesen überaus kompliziert künstlichen Mechanismus nur ein einziges Triebgewicht; kurz und gut, diese Uhr suchte vergeblich ihresgleichen irgendwo in der ganzen gebildeten Welt! Allein daran liegt nichts, auch daran nicht, daß sie einen so verschiedenen Dienst so überaus richtig verrichtete; aber daß da alle diese unter sich sehr verschiedenen Verrichtungen nur von einem und demselben Triebgewichte in die zweckdienlichste Bewegung gesetzt wurden, das war das eigentliche Wunderbare bei dieser Uhr. Als ein Fremder in diese Stadt kam, da fiel ihm die also ersichtliche Uhr wohl zuerst auf, und er fragte den nächsten besten, wie viele Triebfedern und Gewichte wohl etwa diese Uhr habe. Als man ihn beschied: „Nur eines!“, da ward er völlig verblüfft und ungläubig und sprach: „Das ist eine Unmöglichkeit! So viele und so verschiedene Verrichtungen und nur eine Triebkraft!? Nein, nein, das geht nicht, das ist unmöglich!“ Wieder kam ein anderer von der Fremde und besah die Uhr und verwunderte sich über und über, als man ihm erklärte, was die Uhr alles verrichte. Er meinte, es müsse da ein jedes Zifferblatt ein eigenes Triebwerk haben, wodurch der Turm natürlich von lauter verschiedenen Uhren angestopft sein müßte. Als man ihm aber erklärte, daß da nur ein einziges Triebwerk all die Zeiger bewege, ward er völlig aufgebracht, da er meinte, daß man sich ob seiner Unwissenheit mit ihm nur einen Spaß erlaube, und er ging von dannen und erkundigte sich nicht weiter um dies Uhrwerk. Und wieder kam ein anderer aus der Fremde und bewunderte diese Uhr und fragte nach dem Meister derselben und man gab ihm zur Antwort: „Der Meister dieser Uhr war ein ganz schlichter Landmann, und es ist nicht gewiß, ob er des Lesens und Schreibens kundig war!“ Diese richtige Antwort brachte den Fremden in eine förmliche Wut, daß er darob schwieg und bald ging, weil er nicht gekommen sei, um sich da für einen blöden Narren auf eine so plumpe Art schelten zu lassen. Und so kamen noch eine Menge und fragten wie die ersten; als man sie aber näher in die Geheimnisse dieses Kunstwerkes einweihen wollte, da wurden sie alle ärgerlich und sprachen: „Bis wir das mit eigenen Augen gesehen haben, können wir es nicht glauben!“ Und siehe, man führte sie in den Turm. Als sie aber da das nahezu zahllose Räderwerk, die vielen Hebel, Zylinder, Haken, Stangen und noch tausend andere mechanische Vorrichtungen und Verbindungen erblickten, da wurden sie förmlich unsinnig und sprachen und schrieen: „Wer kann dieses Werk durchschauen und begreifen? Das kann kein Mensch gemacht haben! Da gehören hundert Menschenalter dazu, um nur die Bestandteile dieses Werkes abzuzählen, geschweige erst zu machen!“ - Und all diese Fremden gingen ganz unsinnig von dannen. Nur wenige ließen sich über die Richtigkeit dieses Werkes belehren, obwohl den wenigen Besseren der zu schlichte und unwissenschaftlich gebildete Werkmeister ein Stein des Anstoßes blieb - mehr oder weniger. Was wohl lehret dieses Bild? Was ist dessen innerer, geheimer Sinn? - Darüber denke jeder ein wenig nach und übe sich also im Aufsuchen der inneren Wahrheiten und entdecke darin so viel, als ihm möglich ist, bis seiner Zeit die vollkommene Löse gegeben werden wird! Amen. (Die Erde) |
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Wo kann ich Gott finden?
„Hier sitze ich neben dir“, sagte Gott zu einem eifrigen Anhänger, „und du zerbrichst dir den Kopf weiter über mich, bemühst deine Zunge, um über mich zu reden, und Bücher, um über mich zu lesen. Wann wirst du endlich still und spürst mich?“ |
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Hingabe
Der Alte des Dorfes wurde zum Thema Hingabe gefragt. Entgegen seiner sonstigen, so bedächtigen Art antwortete er dieses Mal unmittelbar: „Mach einfach die Augen auf, schau, staune. Die Natur zeigt es dir. Hingabe hat ganz viel mit Einverstanden sein zu tun. Wie oft wollen wir uns hingeben, aber nur auf die von uns vorgestellte Art? Wo ist da das Einverstanden sein mit dem, was ist? Gegenüber den Pflanzen, die da wachsen müssen, wo der Same hinfällt, haben wir als Menschen die freie Wahl, unser Lebensumfeld selbst zu schöpfen. Unsere Lebenssituation spiegelt genau das, was wir erzeugt haben. Sind wir damit nicht einverstanden, so wenden wir uns gegen unsere eigene Schöpfung. Widerstand ist Fortbestand. Nehmen wir an, was ist, so schalten wir den Weg zur Veränderung frei. Hingabe hat auch mit Vertrauen zu tun. Vertrauen darauf, dass sich vieles ändern wird, sobald wir uns der momentanen Situation hingeben. Im tiefsten Grunde unseres Herzens haben wir alle ein wenig Angst vor Veränderung, weil uns das Vertrauen fehlt. Lernen wir, das anzunehmen, was ist und vertrauen wir darauf, dass sich alles zum Besten ändern wird, dann ist Hingabe an das Leben ganz einfach.“ Dann schwieg er und sagte nichts mehr. |
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Der Mensch und sein Schatten
Ein Mann entdeckte eines Tages, dass er einen Schatten hatte. Eine derartige Angst überfiel ihn, dass er davonrannte, um seinen Schatten loszuwerden. Als er nach einigen Tagen immer noch auf der Flucht war, versagten seine Kräfte und er brach tot zusammen. Was hätte er tun können, um die Angst vor seinem eigenen Schatten zu verlieren? Wenn er in den Schatten eines großen Baumes getreten wäre, hätte er ein wenig Ruhe gefunden und festgestellt, dass der Baum seinen Schatten aufgenommen hat. Wie viel mehr wird Christus, wenn wir innehalten und zu ihm rufen, unseren Schatten liebend annehmen und verwandeln? |
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Mein Bruder
Auf steiler Straße traf ich jüngst ein Mädchen, den kleinen Bruder auf dem Rücken tragend. „Ei“, sagte ich, „Kind, da trägst du eine Schwere Last!“ Darauf sieht verwundert mich das Mädchen an und spricht: „Mein Herr, ich trage keine Last, ich trage meinen Bruder.“ Ich stand betroffen. Tief hat sich das Wort des tapfern Kindes mir ins Herz gegraben. Und immer, wenn die Not der Menschen mich bedrückt und mir wie eine schwere Last den Mut will rauben, so mahnt des Mädchens Antwort mich und tröstet: „Du trägst ja keine Last, du trägst doch deinen Bruder.“ |
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Von der Suche
Rabbi Baruchs Enkel, der Knabe Jechiel, spielte einst mit einem anderen Knaben Verstecken. Er verbarg sich gut und wartete, dass ihn sein Gefährte suche. Als er lange gewartet hatte, kam er aus dem Versteck; aber der andere war nirgends zu sehen. Nun merkte Jechiel, dass jener ihn von Anfang an nicht gesucht hatte. Darüber musste er weinen, kam weinend in die Stube seines Großvaters gelaufen und beklagte sich über den bösen Spielgefährten. Da flossen dem Rabbi Baruch die Augen über, und er sagte: „So spricht Gott auch: Ich verberge mich, aber keiner will mich suchen.“ |
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Klarheit
Schaut euch nicht suchend um nach Gott“, sagte der Meister. „Schaut einfach - und alles wird sich zeigen.“ „Aber wie soll man schauen?“ „Jedes Mal, wenn du etwas ansiehst, sieh' nur das, was da ist und nichts sonst.“ Die Schüler waren verwundert, also sagte der Meister es einfacher: „Wenn ihr z. B. den Mond betrachtet, seht nur den Mond und nichts sonst.“ „Was könnte man denn noch sehen außer dem Mond, wenn man den Mond betrachtet?“ „Jemand, der Hunger hat, könnte einen Käselaib sehen, ein Liebender das Gesicht seiner Geliebten.“ |
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Der Sprung in der Schüssel
Es war einmal eine alte Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll. Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war. Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: „Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“ Die alte Frau lächelte. „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?“ „Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“ |
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Der kleine Prinz
„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz. „Guten Tag“, sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken. „Warum verkaufst du das?“ sagte der kleine Prinz. „Das ist eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart 53 Minuten in der Woche.“ „Und was macht man mit diesen 53 Minuten?“ „Man macht, was man will...“ „Wenn ich 53 Minuten übrig hätte, würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen.“ |
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Die beiden Brüder, der Greis und der Vogel
Es waren einmal zwei Brüder. Auf einem hohen Berg in der Nähe ihres Dorfes lebte ein alter Greis, von dem die Leute sagten, dass er alles wisse. Die beiden Jungs hatten sich nun in den Kopf gesetzt, dem alten Greis eine Frage zu stellen, die er nicht beantworten konnte. Stundenlang saßen sie auf einer Wiese und überlegten und überlegten, welche Frage sie dem Alten stellen könnten. Einer kletterte auf einen Baum, um besser überlegen zu können. Auf einem Ast neben ihm saß ein kleiner Vogel, der leise zwitscherte. Ganz plötzlich schnappte er sich den Vogel und hielt ihn in seiner Hand fest. Als er zu seinem Bruder hinunterkam rief er: „Ich hab's! Ich weiß, was wir den Alten fragen werden.“ Er zeigte seinem Bruder den Vogel in seiner Hand und sagte: „Wir fragen ihn, was ich in der Hand halte!“ „Er wird antworten, dass du einen Vogel in der Hand hältst.“ erwiderte wenig begeistert sein Bruder. „Ich weiß. Aber dann werde ich ihn fragen, ob der Vogel tot oder lebendig ist! Und wenn er sagt, dass der Vogel lebt, dann drücke ich meine Hände zusammen. Wenn er aber sagt, dass der Vogel tot ist, dann lasse ich ihn fliegen!“ Diese Idee fand auch sein Bruder gut und so rannten sie aufgeregt den Berg hinauf zu dem alten Mann. Schon von weitem riefen sie: „Alter Mann, wir haben eine Frage für dich!“ Der Greis saß meditierend vor seiner Hütte. Die beiden Jungs standen atemlos vor ihm. Nach einer Weile öffnete er langsam die Augen und blickte die beiden zappeligen Jungen an. „Alter Mann, wir haben eine Frage an dich!“ sagte der Junge mit dem Vogel. „So fragt.“ antwortete der Greis. „Alter Mann, was halte ich hier in der Hand?“ fragte er und die Brüder starrten den Alten gespannt an. Er schloss die Augen, dachte einen Augenblick nach und öffnete sie wieder. Er sagte: „Du hast einen Vogel in deiner Hand.“ Der Junge guckte siegesgewiss zum Greis und fragt: „Nun denn weiser Mann, ist der Vogel tot oder ist er lebendig?“ Daraufhin schloss der Greis seine Augen wieder. Die Brüder wurden ganz ungeduldig und als er endlich seine Augen wieder öffnete, sprach er: „Mein Sohn. Ob der Vogel tot oder lebendig ist, das liegt ganz allein in deiner Hand.“ |
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Wer hat das schönste Herz?
Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz in der ganzen Gegend habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Der Mann war sehr stolz auf sein schönes Herz und genoss das Bad in der Menge, die ihm laut zujubelte. Da tauchte ein alter Mann in der Menge auf und sagte: „Ja, Dein Herz ist wirklich sehr schön. Aber meines ist noch um ein vielfaches schöner.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken. An einigen Stellen waren tiefe Furchen. Ja ganze Teile fehlten sogar. Die Leute starrten ihn an. Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie. Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte. „Du musst scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und ohne Makel, während deines ein Durcheinander aus Narben und Tränen ist.“ „Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch, ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren werden und den Platz ausfüllen, den ich ihnen freihalte. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“ Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten, jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten, vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde des jungen Mannes Herzens. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite. |
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Hingabe
Die Jungen gingen zum Weisen des Dorfes und fragten ihn, was Hingabe bedeutet. Entgegen seiner sonstigen, so bedächtigen Art antwortete er dieses Mal sehr deutlich, ja fast impulsiv. „Mach einfach die Augen auf, schau, staune, zeige Interesse. Die Natur macht es Dir vor. Hingabe bedeutet: Einverstanden sein. Meist sind wir nur bereit uns hinzugeben, solange die Dinge so laufen, wie wir sie gerne hätten. Wo ist da das Einverstandensein mit dem was ist? Gegenüber den Pflanzen, die da wachsen müssen, wo der Same zufällig hinfällt, haben wir als Menschen die freie Wahl unser Lebensumfeld selbst zu schöpfen. Seien wir dankbar dafür. Unsere Lebenssituation spiegelt genau das, was wir erzeugt haben. Sind wir damit nicht einverstanden, so lehnen wir unsere eigene Schöpfung ab. Widerstand erhält die Dinge. Nehmen wir an was ist, erst dann wird Veränderung überhaupt erst möglich. Hingabe hat auch mit Vertrauen zu tun, Vertrauen darauf, dass sich vieles ändern wird, sobald wir uns der aktuellen Situation hingeben. Und denkt immer daran, dass Ihr sie selbst erschaffen habt - auch, wenn es Euch nicht bewusst sein mag. Im tiefsten Grunde unseres Herzens haben wir alle ziemliche Angst vor Veränderung, weil uns das Vertrauen fehlt. Wenn wir lernen, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, werden wir feststellen, dass sie sich immer wieder zum besten verändern. Das erzeugt zunehmendes Vertrauen.“ Dann schwieg er. |
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Bekehrung eines Atheisten
Ein Atheist machte einen Spaziergang durch die Wälder. Er bestaunte alles, was der Zufall der Evolution geschaffen hatte. „Was für majestätische Bäume! Was für herrliche Tiere“, sagte er zu sich selbst. Wie er so am Ufer eines Flusses lang lief, hörte er hinter sich ein Rascheln im Gebüsch. Er drehte sich um. Ein 2- Meter- Grizzly-Bär kam auf ihn zu. Er lief, so schnell er konnte, den Weg hinauf. Er sah über die Schulter und der Bär kam näher. Er rannte schneller, voller Angst, so dass ihm die Tränen kamen. Er sah sich um; der Bär kam noch näher heran. Sein Herz klopfte wild und er versuchte, noch schneller zu laufen. Er stolperte und fiel zu Boden. Er rappelte sich wieder auf und der Bär, schon über ihm, langte nach ihm mit der linken Pranke und hob die rechte, um ihn zu erschlagen. In diesem Moment rief der Atheist aus: „O, mein Gott!...“ Die Zeit blieb stehen. Der Bär erstarrte. Der Wald war still. Sogar der Fluss rührte sich nicht von der Stelle. Ein helles Licht erfasste den Mann und eine Stimme schallte aus dem Himmel. „Du hast meine Existenz alle diese Jahre geleugnet, du lehrst andere, dass es mich nicht gibt und hältst sogar die Schöpfung für einen kosmischen Zufall. Erwartest du, dass ich dir jetzt aus dieser Zwangslage heraushelfe? Soll ich dich wie einen Gläubigen behandeln?“ Der Atheist blickte direkt in das Licht und sagte: „Es wäre sicher verlogen, nach all den Jahren ein Christ genannt werden zu wollen, aber vielleicht könntest du den Bären zu einem Christen machen?“ „Na klar,“ sagte die Stimme. Das Licht erlosch. Der Fluss floss weiter. Und die Geräusche des Waldes ertönten wieder neu. Der Bär senkte seine rechte Pranke, legte beide Pranken zusammen, senkte seinen Kopf und sagte: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was Du uns bescheret hast.“ |
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Der Steinmetz
Wo will ich hin in meinem Leben ... Ein Steinmetz saß am Fuße eines mächtigen Berges und bearbeitete in der Hitze der Mittagssonne einen Felsen. Es war sehr anstrengend und er schaute nach oben und sprach: „Lieber Gott, was bin ich für ein armer Mann, könnte ich doch die Sonne sein, die auf alles scheint, dann ginge es mir immer gut.“ Er hatte diesen Wunsch gerade ausgesprochen, da wurde er die Sonne. Nun stand er hoch oben am Himmel und schien auf alles herab und freute sich. Plötzlich kamen Wolken auf und versperrten ihm die Sicht auf die Erde. „Lieber Gott,“ sagte er „ was nutzt es mir die Sonne zu sein, wenn die Wolken mächtiger sind - könnte ich doch die Wolken sein!“ Es dauerte nicht lange und er war die Wolken und zog gemächlich über die Erde. Ein Sturm kam auf und trieb die Wolken auseinander. „Lieber Gott, wenn der Sturm mächtiger ist, so möchte ich lieber der Wind sein, der über die Erde weht.“ Er wurde der Wind und wehte über die Erde, freute sich an seiner Kraft. Plötzlich wurde er von einem hohen Berg aufgehalten, der Wind brach sich an dem mächtigen Berg. „Lieber Gott, so stark möchte ich sein, dass ich sogar den Wind aufhalten kann und so mächtig.“ Er wurde zu dem hohen Berg und stand majestätisch da. Auf einmal merkte er, wie unten an seinem Fuße jemand saß und hämmerte… |
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Die volle Tasse
Es war einmal ein westlicher Professor der Philosophie. Er reiste zu einem Meister, um ihn nach Gott, der Unendlichkeit, der Meditation und vielem anderen zu befragen. Der Meister hörte sich schweigend all die Fragen des Mannes an. Nach einer Weile sagte er: „Du hast eine weite Reise hinter dir und du siehst müde aus. Ich werde dir eine Tasse Tee machen.“ Während der Meister den Tee zubereitete, brannte der Professor vor Ungeduld. Er war schließlich nicht zum Teetrinken gekommen, sondern um Antworten auf alle seine Fragen zu bekommen! Wahrscheinlich war dieser Meister gar kein weiser Mann und wollte nun nur Zeit gewinnen. Sollte seine Reise gar umsonst gewesen sein? Und als er schon fast am Aufstehen war, kam der Meister mit dem Tablett, auf dem der frisch gebrühte Tee stand. So entschied der Professor, den Tee zu trinken und erst dann zu gehen. Der Meister nahm die Kanne und begann dem Professor Tee in seine Tasse einzuschenken. Schnell war die Tasse voll und der Tee lief über den Rand und über die Untertasse. „Halt, Sie Narr! Was tun Sie denn da? Sehen Sie denn nicht, dass die Tasse voll ist? Und dass auch die Untertasse bereits übergelaufen ist?“ Da lächelte der Meister und sprach: „Und genau so ist es mit dir. Dein Verstand ist wie diese Tasse: überfüllt mit Fragen. Selbst wenn ich dir Antworten geben würde, hätten sie gar keinen Platz mehr in deinem Kopf, denn es passt dort genauso wenig hinein wie in diese Tasse. Geh also und leere deine Tasse. Und komm wieder, wenn Platz in dir ist.“ |
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Deine Aufgabe
Eine große Trockenheit war über das Land gekommen. Zuerst war das Gras braun und grau geworden. Dann starben Büsche und kleinere Bäume. Kein Regen fiel, der Morgen erwachte ohne die Erfrischung des Taus. Viele Tiere waren verdurstet, denn nur wenige hatten noch die Kraft gehabt, aus dieser Wüste zu fliehen. Die Trockenheit dauerte an. Selbst die stärksten, ältesten Bäume, deren Wurzeln tief in die Erde reichten, verloren ihre Blätter. Alle Brunnen und Flüsse, die Quellen und Bäche waren vertrocknet. Eine einzige Blume war am Leben geblieben, denn eine ganz kleine Quelle gab noch ein paar Tropfen Wasser. Doch die Quelle verzweifelte: „Alles vertrocknet, verdurstet und stirbt, und ich kann nichts daran ändern. Wozu soll es noch sinnvoll sein, dass ich ein paar Tropfen aus der Erde hole und auf den Boden fallen lasse?“ Ein alter kräftiger Baum stand in der Nähe. Er hörte die Klage und sagte, bevor er starb, zur Quelle: „Niemand erwartet von dir, dass du die ganze Wüste zum Grünen bringst. Deine Aufgabe ist es, einer einzigen Blume Leben zu geben. Mehr nicht.“ (Ein afrikanisches Märchen) |
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Vati weiß es
„Wo willst du hin, kleines Fräulein?“ fragte der Busfahrer. Der einzige Fahrgast in dieser Etage des doppelstöckigen Wagens war ein noch sehr kleines Mädchen, das ruhig in einer Ecke saß. Zuerst gab es keine Antwort, aber nach einem Augenblick des Zögerns sagte sie: „Ich will nach Hause“. Der Fahrer pfiff ein paar Töne vor sich hin, fragte dann aber wieder, „Aber wo willst du nun wirklich hin?“ „Heim“, lautete die Antwort, diesmal in einem etwas beunruhigten Ton. „Aber wo willst du aussteigen?“ Das Kind sah den Fahrer mit einem verwirrten Ausdruck an, doch plötzlich hellte sich sein Gesicht auf, und es sagte glücklich: „Ich weiß es nicht, aber mein Vati weiß es.“ Dann zeigte sie gegen die Decke: „Da oben ist er.“ An der nächsten Haltestelle kam tatsächlich ein breitschultriger Mann aus dem oberen Stock die Treppe herab und rief: „Komm Rosel, hier müssen wir aussteigen!“ Ist es nicht wundervoll, dass wir wie dieses kleine Mädchen sagen können: „Der Vater weiß es.“ Was auch immer geschieht, laßt uns immer daran denken: „Der Vater weiß es, er ist ‚oben‘.“ David sagt in Psalm 40,18: „ ... denn ich bin arm und elend, der Herr aber sorgt für mich.“ (Caspar ten Boom) |
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Ablenkung
Unter den Schülern war eine hitzige Debatte im Gange, welches die schwierigste Aufgabe überhaupt sei: aufzuschreiben, was Gott als Heilige Schrift offenbart habe; zu verstehen, was Gott in der Schrift offenbart hatte oder diese anderen zu erklären, nachdem man sie selbst verstanden hatte. Sagte der Meister, als man ihn nach seiner Meinung fragte: „Ich kenne eine noch schwierigere Aufgabe als diese drei genannten.“ „Was für eine?“ „Zu versuchen, euch Dummköpfe dazu zu bringen, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist.“ |
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Verständnis
„Wie erlange ich die Gnade, nie über meinen Nächsten zu Gericht zu sitzen?“ „Durch Gebet.“ „Warum habe ich sie dann noch nicht gefunden?“ „Weil du noch nicht am richtigen Ort gebetet hast.“ „Wo ist das?“ „Im Herzen Gottes.“ „Und wie komme ich dorthin?“ „Begreife, dass jeder, der sündigt, nicht weiß, was er tut und Vergebung verdient.“ |
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Weihnachtlicher Erpresser
In der weihnachtlich geschmückten Kirche steht auf dem Altar eine Krippe mit Maria, Joseph und dem Jesuskind. Als der Pfarrer eines Tages in die Kirche kommt, fehlt Joseph. Ein paar Tage später fehlt auch noch Maria, außerdem bemerkt er neben dem Jesuskind einen Brief, in dem steht: „Liebes Christkind! Wenn ich dieses Jahr nicht mein Fahrrad zu Weihnachten bekomme, siehst du Deine Eltern nie wieder!“ |
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Die Geschichte vom Regenmacher
In einem Dorf hatte es lange nicht geregnet. Alle Gebete und Prozessionen hatten nichts genützt, der Himmel blieb verschlossen. Die Menschen gerieten immer mehr in Verzweiflung und Angst. In der größten Not wandte sich das Dorf an einen Regenmacher. Dieser kam und war von dem verstörten Geisteszustand und der Angst der Menschen erschüttert. Er bat um eine Hütte am Dorfrand, um zu meditieren. Man sollte ihm täglich Nahrung bringen und ihn nicht weiter stören, damit er für das Dorf beten könne. Dann schickte er die Leute wieder zu ihrer täglichen Arbeit. Die Menschen beruhigten sich immer mehr, aber auch nach Tagen kam immer noch kein Regen. Erst am fünften Tag trat der Regenmacher aus der Hütte, weil Wolken am Himmel waren und es zu regnen begann. Die Menschen kamen jubelnd von ihren Feldern und Arbeitsplätzen und zogen vor die Hütte des Regenmachers, um ihn zu feiern und nach dem Geheimnis des Regenmachens zu fragen. Er aber antwortete ihnen: „Ich kann keinen Regen machen.“ „Aber es regnet doch“, sagten die Leute. Der Regenmacher erklärte ihnen: „Als ich in euer Dorf kam, sah ich die äußere und innere Unordnung. Ich ging in die Hütte und brachte mich selber in Ordnung. Als ich in Ordnung war, kamt auch ihr wieder in Ordnung, und als ihr in Ordnung wart, kam auch die Natur in Ordnung, und als die Natur in Ordnung war, hat es geregnet.“ |
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Der Bauer und sein Sohn
Ein Bauer fürchtete Gott und lebte mit seinem Sohn in einem abgeschiedenen Dorf. Seine Kräfte ließen nach, und er galt als ein armer Mann und hatte nicht viel zu beißen. Sein Sohn war seine einzige Hilfe Tag und Nacht, und auf ihn konnte er sich verlassen. Eines Tages ging er in den Wald, um Beeren zu sammeln, und als er zurückkehrte, brachte er ein Wildpferd mit, welches er eingefangen hatte. „Oh, welch ein Glück“, riefen seine Nachbarn aus. Nun kann er das Pferd zähmen und vor den Pflug spannen, Getreide anbauen, und er wird Brot in Fülle haben. Der Bauer aber schüttelte den Kopf: „Ob das ein Glück ist, weiß ich nicht. Die Zeit wird es herausbringen.“ Am nächsten Tag sprach der Sohn: „Vater, ich bin stark und kräftig, lass mich das Pferd einreiten, damit es uns zu guten Diensten sein kann.“ Der Sohn stieg in die Koppel und schwang sich auf das Pferd. Doch dieses bäumte sich auf und warf ihn ab und rannte fort. Der Sohn schrie laut auf. Er hatte sich beim Fall ein Bein gebrochen. „Oh, welch ein Unglück“, riefen seine Nachbarn aus. Nun hat der Bauer sein Pferd verloren, und sein Sohn muss im Hause liegen, bis er wieder gesund ist. Der Bauer aber schüttelte wiederum den Kopf: „Ob das ein Unglück ist, weiß ich nicht. Die Zeit wird es herausbringen.“ Am nächsten Tag kamen Soldaten des Grafen ins abgeschiedene Dorf, und der Ausrufer verkündete: „Der Graf führt Krieg gegen den König, und er hat bestimmt, dass alle rüstigen und gesunden Männer eingezogen werden, um gegen den König mit seiner Übermacht zu Felde zu ziehen.“ „Oh, welch ein Glück“, dachte der Bauer, schloss seinen Sohn fest in die Arme, sie lobten Gott und dankten ihm und sie weinten vor Freude die ganze Nacht. |
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Die Wahrheit und die Liebe
Die Wahrheit zog traurig durchs Land: „Die Menschen haben Sehnsucht nach mir. Aber wenn ich komme und durch ihre Straßen gehe, bekommen sie Angst und flüchten in ihre Häuser.“ Eines Tages traf die Wahrheit die Liebe. Sie war in ein buntes, warmes Kleid gehüllt, und die Leute liefen ihr nach und luden sie zu sich in ihre Häuser ein. Die Liebe sah die Wahrheit so traurig und verbittert stehen und sprach sie an: „Sage mir, gute Freundin Wahrheit, warum bist du so betrübt?“ „Ach, es geht mir nicht gut“;, antwortete die Wahrheit. „Ich bin alt, und die Leute wollen mich nicht in ihr Leben lassen.“ „Nicht weil du alt bist, mögen dich die Leute nicht leiden. Ich bin auch sehr alt, und die Menschen lieben mich immer noch. Du bist den Menschen unheimlich, weil du so nackt bist. Kleide dich mit meiner Wärme und Farbenpracht. Lege um deinen Schatz der Wahrheit den Mantel der Liebe, und die Menschen werden dich willkommen heißen. Die nackte Wahrheit ist für die Menschen ebenso furchtbar wie eine unehrliche Liebe. Wir beide brauchen einander. Denn eine aufrichtige Liebe und eine liebevolle Wahrheit sind Quellen des Lebens und der Freude.“ Die Wahrheit befolgte den Rat der Liebe. Seitdem sind beide bei den Menschen willkommen. Das ist unsere Not: Wir sagen einander lieblos die Wahrheit und belügen uns aus Liebe. Und das ist das Glück: Jesus deckt die Wahrheit auf und birgt uns in seinem Mantel der Liebe. (Axel Kühner) |
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Der zurückgegebene Schatz
Ein Rabbi hatte zwei Söhne. Während er in der Synagoge war, starben sie. Die Mutter legte sie in ein Zimmer und bedeckte sie mit einem Tuch. Als der Rabbi nach ihnen fragte, sagte sie, die Söhne seien fortgegangen, kämen aber bald wieder. Dann setzte sie ihm das Abendessen vor. Nachdem sie gegessen hatten, stellte sie ihrem Mann eine Frage: „Was soll ich machen? Vor einiger Zeit kam ein Mann und bat mich, seinen Schatz aufzubewahren. Ich habe es getan. Nun kommt er wieder und will ihn zurück haben. Soll ich ihn zurückgeben?“ Der Rabbi entrüstete sich und sprach: „Was ist das für eine Frage! Wenn man etwas anvertraut bekommt, muss man es wieder zurückgeben, wenn es verlangt wird.“ Dann führte die Frau ihren Mann in das Zimmer und entfernte das Laken, mit dem sie die beiden Söhne zugedeckt hatte. Als nun der Rabbi anfing in seinem Schmerz zu klagen, sprach die Frau: „Der Besitzer ist gekommen und hat seinen Schatz zurückgenommen.“ Da war der Rabbi getröstet und sprach mit Hiob: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Gelobet sei der Name des Herrn.“ |
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Bin ich verrückt
Ein Mann stürzte von einer Klippe in eine tiefe Schlucht. Beim Absturz konnte er sich gerade noch an einem Zweig festhalten. Dort hing er über der dreihundert Meter tiefen Schlucht. Voller Angst sah er den winzigen Zweig, den riesigen Abgrund und spürte, wie seine Kräfte nachließen. In seiner Todesangst schrie er zu Gott. „Gott, wenn es dich gibt, rette mich, und ich will an dich glauben!“ Nach einer Weile hörte er eine mächtige Stimme durch die Schlucht dröhnen: „Das sagen alle Menschen, wenn sie in großer Not sind.“ „Nein, Gott,“ rief der Mann, „ich bin nicht wie die anderen, ich will wirklich an dich glauben; hilf mir doch bitte!“ „Gut, ich werde dich retten“, ertönte die Stimme, „lass den Zweig los und ich werde dich auffangen und bewahren!“ „Den Zweig loslassen? Bin ich verrückt?“ schrie der verzweifelte Mann. |
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Gott ist ein Gentleman
Die Tochter von Billy Graham wurde in einer Fernsehshow ‚Finally, the truth on National TV‘ (‚Und jetzt: die Wahrheit‘) interviewt. Angesichts der Ereignisse vom 11. September fragte man sie: „Wie konnte Gott so etwas zulassen?“ Und Anne Graham gab eine außerordentlich fundierte und aufschlussreiche Antwort. Sie sagte: „Ich glaube, dass Gott, genau wie wir, zutiefst traurig darüber ist. Doch wir müssen eins klar sehen: Seit Jahren weisen wir Gott aus unseren Schulen, aus unserer Regierung und aus unserem Leben, und da er ein Gentleman ist, glaube ich, hat er sich still und leise zurückgezogen. Wie können wir erwarten, dass Gott uns segnet und schützt, wenn wir doch von ihm verlangen, dass er uns in Ruhe lässt?“ Viele E-Mails sind um diese Welt gegangen und haben sich mit den Ereignissen vom 11. September auseinander gesetzt. Aber dieser Satz sollte uns nachdenklich machen: „Wie können wir erwarten, dass Gott uns segnet und schützt, wenn wir doch verlangen, dass er uns in Ruhe lässt?“ Erinnern Sie sich nur an die jüngsten Ereignisse, an die Terroranschläge, an die Schießereien an Schulen usw. und lassen Sie uns gemeinsam über die möglichen Ursachen nachdenken. Ich glaube, es fing damit an, dass Madeline Murray O'Hare (sie wurde ermordet) sich beklagte, sie wolle nicht, dass in unseren Schulen gebetet würde - und wir stimmten ihr zu. Wieder ein anderer sagte, man solle auch nicht die Bibel in der Schule lesen... die Bibel, die sagt: du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Und wir gaben unsere Zustimmung. Dann trat Dr. Benjamin Spock auf und sagte, wir sollten unsere Kinder keinesfalls bestrafen, wenn sie sich schlecht benähmen. Ihre kleine Persönlichkeit würde dadurch verbogen, und wir könnten ihr Selbstbewusstsein schädigen (Dr. Spocks Sohn brachte sich um). Und wir sagten, ein Experte wie er würde schon wissen, wovon er rede und stimmten zu. Dann forderte jemand, Lehrer und Schulleiter dürften unsere Kinder keineswegs zur Rechenschaft ziehen, wenn sie gegen die Disziplin verstießen. Und die Schulverwaltung ordnete an, dass kein leitendes Mitglied der Schule ein Kind bestrafen dürfe, denn wir wollten ja keine schlechte Presse und schon gar nicht verklagt werden. (Dabei gibt es einen großen Unterschied zwischen Zur-“Rechenschaft“-ziehen, bestrafen, schlagen, ohrfeigen, demütigen, treten, usw.) Und so stimmten wir zu. Dann trat jemand energisch dafür ein, dass unsere Töchter ruhig abtreiben sollten, wenn sie es wünschten, und dass sie es noch nicht einmal ihren Eltern sagen müssten. Auch dazu gaben wir unser „Ja“. Dann erklärten einige weise Mitglieder des Schulvorstandes, Jungen seien nun mal Jungen und würden „es“ sowieso tun. Also sollten die Schüler Kondome bekommen, wenn sie sie haben wollten, damit sie sich soviel Spaß verschaffen könnten, wie sie wollten. Und wir würden den Eltern nicht erzählen, dass sie ihnen in der Schule geschenkt wurden. Und alle waren einverstanden. Dann traten einige unserer Spitzenpolitiker dafür ein, jeder habe das Recht, privat zu tun, was er wolle, solange er seine Arbeit gut mache. Und wir stimmten zu und sagten, es sei uns ganz gleichgültig, was jemand (der Präsident eingeschlossen) privat tue, solange er seine Pflicht erfülle und es der Wirtschaft gut gehe. Dann sagte einer: Lasst uns Zeitschriften drucken mit Bildern von nackten Frauen und erklären, das sei normal und lebensnah. So käme die Wertschätzung der Schönheit des weiblichen Körpers am besten zum Ausdruck, und alle sagten „ja“. Dann gingen einige noch einen Schritt weiter mit dieser Wertschätzung, und man veröffentlichte Bilder von nackten Kindern und stellte sie auch im Internet zur Verfügung. Auch dazu sagten wir ja. Jeder hätte, stellten wir fest, schließlich das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Dann sagte die Unterhaltungsindustrie: Lasst uns Fernsehshows und Filme produzieren, die das verdorbene Gesicht der Welt, die Gewalt und verbotenen Sex propagieren. Und dann lasst uns Musik aufnehmen, die zu Vergewaltigung, Drogen, Mord, Selbstmord und satanischen Ausführungen auffordert. Und wir erklärten, hier ginge es nur um Unterhaltung. Beeinflussen würde uns das überhaupt nicht. Keiner würde das ernst nehmen. Also könnten wir ruhig so weitermachen. Und jetzt fragen wir uns, warum unsere Kinder kein Gewissen haben, warum sie Gut und Böse nicht unterscheiden können, und warum sie nicht davor zurückschrecken, fremde Menschen, ihre Klassenkameraden oder sich selbst umzubringen. Vielleicht finden wir ja die Ursache dafür, wenn wir lange genug darüber nachdenken. Ich glaube aber, es hat viel damit zu tun, dass wir „ernten, was wir säen“. |
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Vom streng-gerechten König
Es war einmal auf der Erde ein mächtiger König, in all seinem Tun und Lassen unerbittlich streng und gerecht. Sein Volk gehorchte ihm aus Furcht, aber von einer Liebe zu solch einem gestrengsten Herrscher war keine Rede. Man lobte wohl seine unbestechliche Gerechtigkeit, aber dennoch scheute sich alles vor ihm und bebte, wenn er den Richterstuhl bestieg. Wie aber dieser König beschaffen war, waren es auch seine Beamten. Sie übten das strengste Recht, aber von dem Nachlass einer Strafe war nie die Rede. Es befand sich aber in der Stadt auch ein ganz einfacher Mensch, der sich mit allerlei nützlichen Wissenschaften abgab und hie und da so manches ans Tageslicht brachte, das den Menschen Nutzen bereitete. Ein Gebot des Königs aber bestand darin, dass ein jeder Künstler oder Gelehrte seine Werke zuvor dem König zur Prüfung unterbreiten solle, damit nicht irgendetwas unters Volk käme, was ihm einen Schaden bringen könnte. Dieser Mensch aber wusste kaum, dass ein solches Gesetz besteht und brachte daher ohne Vorwissen des Königs mehrere seiner nützlichen Werke unter das Volk, das nicht unterließ, den Künstler über alle Maßen zu loben. Das aber kam dem König zu Ohren, und er ließ den Künstler gefangen nehmen und vor seinen Richterstuhl bringen. Nach der Diktierung der Strafe warf sich das anwesende zahlreiche Volk vor dem König nieder und bat ihn, bei diesem Manne, der durch seine Talente so viel Gutes ins Leben rief, Gnade für Recht ergehen zu lassen. Aber es half nichts, des Königs Wort war unbeugsam wie ein Fels. Da das Volk durch sein dringendes Flehen nichts ausrichtete, so fing es über die Härte des Königs laut zu murren an und bedrohte ihn gar in großer Masse. Da stand der einfache, zur Strafe bestimmte Mensch auf und sprach: ,Großer, gerechtester König! Bevor ich in meine wohlverdiente Strafe abgeführt werde, gestatte mir einige Worte an dein aufgeregtes Volk zu richten.‘ Der König gewährte dem der Strafe Verfallenen diese Bitte, und dieser sprach zum Volk: ,Liebe Freunde und Brüder! Murret nicht über euren für euer Bestes besorgten Vater! Meint ihr, dass er seinetwegen so strenge und gerecht ist, da irrt ihr euch darin mächtig! Aus zu großer Liebe zu euch ist er in allem so streng. Ich habe euch zwar Gutes erwiesen, hätte euch aber auch Gift für Balsam verkaufen können. War es bei mir auch kein böser Wille, des Königs heilsames Gesetz zu übertreten, so war es dennoch sträfliche Fahrlässigkeit, dass ich mich nach dem Gesetze so wenig erkundigt und dadurch nicht geachtet habe des weisen Vaters Liebe und Fürsorge. Und so trifft mich die Strafe ganz gerecht. Lobet und liebet darum den weisesten König, als den für euer Wohl ängstlich besorgten Vater, so werdet ihr ihm dadurch den besten Tribut in euren Herzen zollen!‘ (Sich zum Könige wendend:) ,Dir, du guter, weiser Vater deiner Völker, aber danke ich mit liebeerfülltem Herzen für diese gerechte Strafe. Erlaube mir, bevor ich den Kerker besteige und die verdiente Zuchtrute über meinen Schultern verkoste, den Saum deines Gewandes mit meinen Lippen zu berühren und mit den Tränen meiner großen Liebe zu dir zu benetzen!‘ Hier steht der König auf, öffnet seine Arme und sagt: ,Mein Sohn! In deinem Munde bewegt sich keine Schlangenzunge. Dein Auge und dessen sanfter Blick ist mir ein getreuer Bürge, dass du mich aus allen deinen Kräften liebst. Komm her in meine Arme! Die Liebe bedecket die Menge der Sünden! Mein Herz ist voll Freude, unter meinen vielen Kindern eins gefunden zu haben, das in mir den liebenden Vater erkannt hat. Weil du mir mit Liebe entgegenkamst, so sollst auch du bei mir Liebe finden! Anstatt Strafe zu leiden, sollst du mit königlichen Ehrenkleidern angetan werden und wandeln an meiner Seite!‘ Siehe nun, geradeso ist es auch bei Mir (deinem Gott). Jedes Meiner Worte bleibt zwar ewig unwandelbar im Bereich Meiner Ordnung und Weisheit. Aber wer durch die Liebe zu Mir kommt, dem wird alles nachgesehen. Denn bin Ich schon in der Weisheit ein Diamant, so bin Ich aber in der Liebe weicher als Wachs und lasse sehr mit Mir handeln!“ (Von der Hölle zum Himmel Bd. 2, Kap. 252,2-10) |
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Die Christen leben wie Gänse auf einem Hof
„An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten und der beredsamste Gänserich steht auf dem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse, erzählt von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten und lobt die Gnade und Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Eines tun sie nicht - sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof sicher.“ Sören Kierkegaard (1813-1855) |
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Prüfung bestanden
An einem Montagmorgen besteigt ein Pastor den Bus, um in die Stadt zu fahren. Er reicht dem Busfahrer einen größeren Geldschein und wartet auf das Wechselgeld. Auf dem Sitzplatz angekommen, zählt er das Geld nach und stellt fest, dass ihm der Busfahrer zu viel herausgegeben hat. Er bleibt sitzen und seine Gedanken machen sich an die Arbeit. Glücklicher Zufall, unwichtige Kleinigkeit oder ein Grund, ehrlich zu sein und dem Busfahrer das Geld zurückzugeben? Der Pastor findet manchen Grund, das Geld einfach zu behalten, aber schließlich siegt seine Gewissenhaftigkeit. Er steht auf, geht zum Busfahrer nach vorn und sagt: „Entschuldigen Sie, aber Sie haben mir zu viel Geld herausgegeben, als ich vorhin meine Fahrkarte bezahlt habe!“ Der Fahrer erwidert locker: „Ich weiß. Ich war gestern in Ihrer Kirche und hörte Sie über die Gebote Gottes sprechen. Da wollte ich nur mal ausprobieren, ob Sie selber auch tun, was Sie anderen predigen!“ |
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Die Kirche ist tot
Kalte Gleichgültigkeit, das war die Atmosphäre hier in Yonderton, als Pfarrer Wright sein Amt antrat. Am ersten Sonntag predigte er in einer völlig leeren Kirche. Am zweiten Sonntag war es genauso. Und wenn der Pfarrer an den Werktagen seine Gemeindeglieder besuchte, erging es ihm nicht besser. „Die Kirche ist tot“, so sagte man ihm. Aber am Donnerstag nach jenem zweiten trostlosen Sonntag geschah's, dass eine Todesanzeige in der Zeitung erschien. Dort konnte man lesen: „Mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns und der Zustimmung meiner Gemeinde gebe ich den Tod der Kirche zu Yonderton bekannt. Die Trauerfeier findet am Sonntag um 11 Uhr statt. Herbert Wright, Pfarrer zu Yonderton.“ Die Anzeige löste lebhafte Diskussionen aus. Am Sonntag war bereits um halb elf die Kirche gedrängt voll. Als ich die Kirche betrat, sah ich einen Sarg auf einer Bahre vor dem Altar stehen. Pünktlich um 11 Uhr bestieg Pfarrer Wright die Kanzel: „Meine Freunde, Sie haben mir klar gemacht, dass Sie überzeugt sind, unsere Kirche sei tot. Sie haben auch keine Hoffnung auf Wiederbelebung. Ich möchte nun diese Ihre Meinung auf eine letzte Probe stellen. Bitte gehen Sie einer nach dem anderen an diesem Sarg vorbei und sehen Sie sich die Tote an. Dann verlassen Sie die Kirche durch das Ostportal. Danach werde ich die Trauerfeier allein beschließen. Sollten aber einige unter Ihnen Ihre Ansicht ändern und wären auch nur wenige der Meinung, eine Wiederbelebung der Kirche sei vielleicht doch möglich - dann bitte ich diese, durch das Nordportal wieder hereinzukommen. Statt der Trauerfeier würde ich dann einen Dankgottesdienst halten.“ Ohne weitere Worte trat der Pfarrer an den Sarg und öffnete ihn. Ich war einer der letzten in der Reihe vor dem Sarg. So hatte ich Zeit, darüber nachzudenken: „Was war eigentlich die Kirche? Wer würde wohl im Sarg liegen? Würde es vielleicht ein Bild des Gekreuzigten sein?“ Die anderen in der Reihe dachten wohl ähnlich, ich merkte, wie uns ein Schaudern überkam, je mehr wir uns dem Sarg näherten. Zudem erschreckte uns ein Knarren und Quietschen. Die Tür des Nordportals drehte sich in ihren verrosteten Angeln. Herein trat eine kaum zu zählende Menge. Nun war es soweit, dass ich die tote Kirche sehen sollte. Unwillkürlich schloss ich die Augen, als ich mich über den Sarg beugte. Als ich sie öffnete, sah ich mich selbst - im Spiegel. (Autor unbekannt) |
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Mein Feund Kyle
Eines Tages, ich war gerade das erste Jahr auf der High School, sah ich ein Kind aus meiner Klasse nach Hause gehen. Sein Name war Kyle. Es sah so aus, als würde er alle seine Bücher mit sich tragen. Ich dachte mir: „Warum bringt wohl jemand seine ganzen Bücher an einem Freitag nach Hause? Das muss ja ein richtiger Dummkopf sein.“ Mein Wochenende hatte ich schon verplant (Partys und ein Fußballspiel mit meinen Freunden morgen Nachmittag), also zuckte ich mit den Schultern und ging weiter. Da sah ich eine Gruppe Kinder in seine Richtung laufen. Sie rempelten ihn an, schlugen ihm seine Bücher aus den Armen und schubsten ihn, so dass er in den Schmutz fiel. Seine Brille flog durch die Luft, und ich beobachtete, wie sie etwa drei Meter neben ihm im Gras landete. Er schaute auf und ich sah diese schreckliche Traurigkeit in seinen Augen. Mein Herz wurde weich. Ich ging zu ihm rüber. Er kroch am Boden umher und suchte seine Brille. Ich sah die Tränen in seinen Augen. Als ich ihm seine Brille gab, sagte ich: „Diese Typen sind Blödmänner.“ Er schaute zu mir auf und sagte: „Hey, danke!“ Ein großes Lächeln zierte sein Gesicht. Es war eines jener Lächeln, die wirkliche Dankbarkeit zeigten. Ich half ihm seine Bücher aufzuheben und fragte ihn wo er wohnt. Es stellte sich heraus, dass er in meiner Nähe wohnte, also fragte ich ihn, warum ich ihn vorher nie gesehen habe. Er erzählte mir, dass er zuvor auf eine private Schule ging. (Ich hatte mich eigentlich nie mit einem Privat-Schul-Kind abgegeben.) Den ganzen Nachhauseweg unterhielten wir uns; und ich trug seine Bücher. Er war ein richtig cooler Kerl. Ich fragte ihn, ob er Lust hatte mit mir und meinen Freunden am Samstag Fußball zu spielen. Er sagte zu. Wir verbrachten das ganze Wochenende zusammen, und je mehr ich Kyle kennen lernte, desto mehr mochte ich ihn. Meine Freunde dachten genauso über ihn. Es begann der Montag Morgen, und auch Kyle mit dem riesigen Bücherstapel war wieder da. Ich stoppte ihn und sagte: „Oh Mann, mit diesen ganzen Büchern wirst du eines Tages noch mal richtige Muskeln bekommen.“ Er lachte und gab mir einen Teil der Bücher. Während der nächsten vier Jahre wurden Kyle und ich richtig gute Freunde. Als wir älter wurden, dachten wir übers College nach. Kyle entschied sich für Georgetown und ich mich für Duke. Ich wusste, dass wir immer Freunde sein würden, und diese Kilometer zwischen uns niemals ein Problem darstellen würden. Er wollte Arzt werden und ich hatte vor, eine Fußballer-Karriere zu machen. Kyle war der Abschiedsredner unserer Klasse. Ich neckte ihn die ganze Zeit indem ich sagte, er sei ein Dummkopf. Er musste eine Rede für den Schulabschluss vorbereiten. Ich war so froh, dass ich nicht derjenige war, der sprechen musste. Am Abschlusstag sah ich Kyle und er sah großartig aus. Er war einer von denen, die während der High School zu sich selber fanden und ihren eigenen Stil entwickelten. Er hatte mehr Verabredungen als ich und alle Mädchen mochten ihn. Mann, manchmal war ich richtig neidisch auf ihn. Heute war einer dieser Tage. Ich konnte sehen, dass er wegen seiner Rede sehr nervös war. Ich gab ihm einen Klaps auf die Schulter und sagte: „Hey, großer Junge, du wirst großartig sein!“ Er sah mich mit einem jener Blicke (die wirklich dankbaren) an und lächelte. „Danke,“ sagte er. Als er seine Rede begann, räusperte er sich kurz, und fing an. „Der Abschluss ist eine Zeit, um denen zu danken, die dir halfen diese schweren Jahre zu überstehen. Deinen Eltern, deinen Lehrern, deinen Geschwistern, vielleicht einem Trainer ... aber am meisten deinen Freunden. Ich sage euch, dass beste Geschenk, das ihr jemandem geben könnt, ist eure Freundschaft. Lasst mich euch eine Geschichte erzählen ...“ Ich schaute meinen Freund etwas ungläubig an, als er von dem Tag erzählte, an dem wir uns das erste Mal trafen. Er hatte geplant, sich an diesem Wochenende umzubringen. - Er erzählte weiter, dass er seinen Schrank ausgeräumt hat, so dass seine Mutter es später nicht tun musste, und trug sein Zeug nach Hause. Er schaute mich an und lächelte. „Gott sei Dank, ich wurde gerettet. Mein Freund hat mich vor dieser unsäglichen Sache bewahrt.“ Ich konnte spüren, wie die Masse den Atem anhielt als dieser gutaussehende, beliebte Junge uns von seinem schwächsten Augenblick erzählte. Ich bemerkte, wie seine Mutter und sein Vater lächelnd zu mir herübersahen, genau dasselbe dankbare Lächeln. Niemals zuvor spürte ich solch eine tiefe Verbundenheit. Unterschätze niemals die Macht deines Handelns. Durch eine kleine Geste kannst du das Leben einer Person ändern. Zum Guten oder zum Bösen. Gott setzt uns alle ins Leben des anderen, um uns gegenseitig zu beeinflussen, auf jede Art und Weise. Sieh' das Gute in anderen. (Autor unbekannt) |
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Das Gebot der Liebe
Ein Schüler fragte den Rabbi Schmelke: „Es ist uns geboten: Liebe deinen Genossen dir gleich. Wie kann ich das erfüllen, wenn mein Genosse mir Böses tut?“ Der Rabbi antwortete: „Du musst das Wort recht verstehen: Liebe deinen Genossen als etwas, was Du selbst bist. Denn alle Seelen sind eine; jede ist ja ein Funken aus der Urseele, und sie ist ganz in ihnen allen, wie deine Seele in allen Gliedern deines Leibes. Es mag sich einmal ereignen, dass deine Hand sich versieht und dich selber schlägt; wirst du da einen Stecken nehmen und deine Hand züchtigen, weil sie keine Einsicht hatte, und deinen Schmerz noch mehren? So ist es, wenn dein Genosse, der eine Seele mit dir ist, dir aus mangelnder Einsicht Böses erweist; vergiltst du ihm, tust du dir selber weh.“ Der Schüler fragte: „Wenn ich aber einen Menschen sehe, der vor Gott böse ist, wie kann ich ihn dann lieben?“ „Weißt du nicht“, sagte Rabbi Schmelke, „dass die Urseele aus Gottes Wesen kam und jede Menschenseele ein Teil Gottes ist? Und wirst du dich seiner nicht erbarmen, wenn du siehst, wie einer seiner heiligen Funken sich verfangen hat und am Ersticken ist?“ |
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Ausgeladen
Ein Farbiger wünschte, in eine New Yorker Gemeinde aufgenommen zu werden. Der Pfarrer war reserviert. „Tja“, sagte er, „da bin ich nicht sicher, ob es unseren Gemeindemitgliedern recht sein würde. Ich schlage vor, Sie gehen erst mal nach Hause und beten darüber und warten ab, was ihnen der Allmächtige dazu zu sagen hat.“ Einige Tage später kam der Farbige wieder. Er sagte: „Herr Pfarrer, ich habe Ihren Rat befolgt. Ich sprach mit dem Allmächtigen über die Sache, und er sagte zu mir: Bedenke, dass es sich um eine sehr exklusive Kirche handelt. Du wirst wahrscheinlich nicht hineinkommen. Ich selbst versuche das schon seit vielen Jahren, aber bis jetzt ist es mir noch nicht gelungen.“ |
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Gottes Hand
Im fernen Süden hatten einmal zwei Mönche je einen Ölbaum gepflanzt. „Herr“, bat der eine, „sende einen erquickenden Regen, dass mein Bäumchen Wurzel fassen kann!“ Und der Herr erfüllte die Bitte. „Nun darf die Sonne scheinen“, sagte der fromme Mönch. „O Herr, lass den Himmel sich klären!“ Da kam die Sonne und erwärmte die feuchte Erde. „Wenn jetzt der Frost kommen möchte“, dachte der Mönch eines Tages, als es ihm gut dünkte, „damit die Rinde erstarke!“ Und siehe, bald hatte ein silberner Reif sich auf das Bäumchen gelegt. Da ging das Bäumchen ein. Traurig trat der Klosterbruder in die Zelle des anderen Mönches. „Dein Baum steht frisch und blühend, und meiner ist eingegangen, trotz allem!“ sagte er diesem, und er erzählte ihm, was er alles getan hatte. „Ich habe mein Bäumchen ganz in Gottes Hand gestellt“, sagte der zweite Mönch, „denn ich dachte mir, ER, der die Bäume erschaffen hat, muss am besten wissen, was sie bedürfen. So habe ich Gott keinen Rat erteilt und keine Bedingungen gestellt, sondern nur gebetet: Tu deine milde Hand auf, nimm dich seiner an!“ |
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Der Weg zur Vollendung
Ein junger Mann suchte einen Meister auf: „Meister, wie lange wird es dauern, bis ich die Vollendung erlangt habe?“ „Vielleicht zehn Jahre“, entgegnete der Meister. „Und wenn ich mich besonders anstrenge, wie lange dauert es dann?“, fragte der Schüler. „In dem Fall kann es zwanzig Jahre dauern“, erwiderte der Meister. „Ich nehme aber wirklich jede Härte auf mich. Ich will so schnell wie möglich ans Ziel gelangen“, beteuerte der Mann. „Dann“, erwiderte der Meister, „kann es bis zu vierzig Jahre dauern.“ |
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Begierden
Die Schüler waren in einer erregten Debatte vertieft, als der Meister hinzutrat. „Worüber habt ihr diskutiert“, fragte er. „Wir sprachen gerade darüber, wie sehr wir darunter leiden, von schädlichen Begierden verfolgt zu werden.“ Der Meister lachte: „So weit seid ihr noch nicht. Derzeit seid ihr es noch, die die Begierden verfolgen.“ |
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Der zerstörte Bambus
Es war einmal ein wunderschöner Garten, der lag mitten in einem großen Königreich. Dort pflegte der Herr des Gartens in der Hitze des Tages spazieren zu gehen. Ein edler Bambusbaum war ihm der schönste und liebste von allen Bäumen, Pflanzen und Gewächsen im Garten. Jahr für Jahr wuchs der Bambus und wurde immer anmutiger. Er wusste wohl, dass der Herr ihn liebte und seine Freude an ihm hatte. Eines Tages näherte sich der Herr nachdenklich seinem geliebten Baum, und in einem Gefühl großer Verehrung neigte der Bambus seinen mächtigen Kopf zur Erde. Der Herr sprach zu ihm: «Lieber Bambus, ich brauche dich.» Es schien, als sei der Tag aller Tage gekommen, der Tag, für den der Baum geschaffen worden war. Der Bambus antwortete leise: «Herr, ich bin bereit, gebrauche mich, wie du willst!» «Bambus», die Stimme des Herrn wurde ernst, «um dich zu gebrauchen, muss ich dich beschneiden.» «Mich beschneiden? Mich, den du zum schönsten in deinem Garten gemacht hast! Nein, das nicht, bitte nicht. Verwende mich doch zu deiner Freude, Herr, aber bitte beschneide mich nicht!» «Mein geliebter Bambus», die Stimme des Herrn wurde noch ernster, «wenn ich dich nicht beschneide, kann ich dich nicht gebrauchen!» Im Garten wurde es ganz still. Der Wind hielt den Atem an. Langsam beugte der Bambus seinen herrlichen Kopf. Dann flüsterte er: «Herr, wenn du mich nicht gebrauchen kannst, ohne mich zu beschneiden, dann tu mit mir, wie du willst, und beschneide mich!» «Mein geliebter Bambus, ich muss dir aber auch deine Blätter und Äste abschneiden.» «Ach, Herr, davor bewahre mich! Zerstöre meine Schönheit, aber lass mir doch bitte Blätter und Äste!» «Wenn ich sie dir nicht abhaue, kann ich dich nicht gebrauchen.» Die Sonne versteckte ihr Gesicht. Ein Schmetterling flog ängstlich davon. Und der Bambus, zitternd vor dem, was auf ihn zukam, sagte ganz leise: «Herr, schlage sie ab.» «Mein Bambus, ich muss dir noch mehr antun. Ich muss dich mitten durchschneiden und dein Herz herausnehmen. Wenn ich das nicht tue, kann ich dich nicht gebrauchen.» Da neigte sich der Bambus bis zur Erde. «Herr, schneide und teile!» So beschnitt der Herr des Gartens den Bambus, hieb seine Äste ab, streifte seine Blätter ab, teilte ihn in zwei Teile und schnitt sein Herz heraus. Dann trug er ihn dahin, wo aus einer Quelle frisches, sprudelndes Wasser sprang, mitten in die trockenen Felder. Dort legte der Herr vorsichtig seinen geliebten Bambus auf den Boden. Das eine Ende des abgeschlagenen Stammes verband er mit der Quelle, das andere Ende führte er zur Wasserrinne im Feld. Die Quelle sang ein Willkommen, und das klare, glitzernde Wasser schoss freudig durch den zerschlagenen Körper des Bambus in den Kanal und floss auf die dürren Felder, die so darauf gewartet hatten. Dann wurde der Reis gepflanzt. Die Tage vergingen, und die Saat wuchs und die Erntezeit kam. So wurde der einst so herrliche Bambus zum großen Segen. Als er noch groß und schön war, wuchs er nur für sich selbst und freute sich an seiner eigenen Schönheit. Aber als er sich hingegeben hatte, wurde er zum Kanal, den der Herr gebrauchte, um sein Land fruchtbar zu machen. (G. Dell Britt, Chinamissionarin) |
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Warum musste Gott Mensch werden
Ein König hatte einen Minister, einen sehr gebildeten Mann, der Christ wurde und seinen Glauben vor dem ganzen Volk bekannte. Er erklärte, dass er an den Heiland glaube, der in diese Welt gekommen sei, um sie zu erlösen von Schuld und Tod. Dem König war das unverständlich. „Denn“, sagte er, „wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebiete ich meinen Dienern, und das genügt. Warum sollte der König aller Könige selbst in diese Welt kommen?“ Der König wollte den Minister wegen seiner Bekehrung zum Christusglauben entlassen. Da er ihn aber sehr liebte, versprach er ihm Gnade, wenn er eine Antwort auf diese Frage wüsste. „Gewährt mir 24 Stunden, Majestät, und ich will Euch antworten.“ Er ließ einen geschickten Schnitzkünstler holen und trug ihm auf, eine Puppe anzufertigen und sie genau so zu kleiden wie das zweijährige Kind des Königs. Am folgenden Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt. Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses aufzuhalten und auf ein vereinbartes Zeichen die Puppe ins Wasser zu werfen. Der König sah die Puppe ins Wasser fallen und in der Meinung, es sei sein Kind, sprang er ins Wasser. Der Minister fragte ihn anschließend, warum er selbst sein Kind habe retten wollen, wenn doch ein Wort an seine Diener genügt hätte. „Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste!“ erwiderte der König. Und der Minister antwortete: „So hat sich auch Gott nicht damit zufrieden gegeben, den Menschen nur eine Heilsbotschaft zu senden, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen, um uns zu retten...“ (Sundar Singh) |
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Brief von einem Freund
Lieber Freund! "Wie geht es Dir? Ich habe Dir diesen Brief geschickt, um Dir zu sagen, wie wichtig Du mir bist. Ich habe Dich gestern gesehen, als Du mit Deinen Freunden gesprochen hast. Ich habe den ganzen Tag gewartet und gehofft, Du würdest auch mit mir sprechen. Ich gab Dir einen Sonnenuntergang, um Deinen Tag zu beenden, ich schickte Dir eine kühle Brise, um Dich zu erfrischen - und ich wartete. Aber Du bist nicht gekommen. Das hat mich verletzt - aber trotzdem liebe ich Dich weiter, weil Du mein Freund bist. Als ich Dich in der letzten Nacht sah, bekam ich Sehnsucht, Deine Stirn zu berühren und goss Mondlicht über Dein Gesicht. Wieder wartete ich, um mit Dir reden zu können. Aber nachdem Du erwacht warst, eiltest Du sofort zur Arbeit. Meine Tränen haben sich mit dem Regen vermischt. Wenn Du mich nur anhören würdest. Ich liebe Dich! Ich versuche, Dir das durch den blauen Himmel heute zu sagen und durch das grüne Gras. Ich flüstere es in den Blättern der Bäume und atme es in den Farben der Blumen, ich rufe es in den reißenden Flüssen im Gebirge, und ich lasse Vögel Lieder meiner Liebe singen. Ich bedecke Dich mit warmem Sonnenschein und erfülle die Luft mit dem wunderbaren Duft der Natur. Meine Liebe zu Dir ist tiefer als der Ozean und größer als die größte Hoffnung in Deinem Herzen. Frag mich! Sprich mit mir! Bitte, vergiss mich nicht. Ich möchte so vieles mit Dir teilen. Ich will Dich nicht weiter bedrängen. Es ist einzig und allein Deine Entscheidung. Ich habe mich für Dich entschieden und werde warten - weil ich Dich liebe. Dein Freund Jesus. |
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Wo bleibt Gott?
„Es war ein Mann, den die vielen traurigen Ereignisse auf dieser Welt glauben machten, Gott kümmere Sich nicht viel um die Menschen und sehe ganz ruhig zu, wie die Schwachen von den Mächtigen unterdrückt und die Armen von den Reichen übervorteilt würden. Da sandte Gott zu diesem Manne, der ein tugendhaftes Leben führte, einen Engel. Dieser sprach zu ihm: „Du sollst die unbegreiflichen Wege Gottes kennen lernen, folge mir!“ Da führte der Engel den Mann in einen Palast zu einem sehr reichen Herrn. Diesem schenkte der Engel eine große Geldsumme und viele Edelsteine. – Während dieser Beschenkung meldete sich ein Dürftiger beim Reichen. Diesen Armen tötete der Engel. – Darauf führte dieser den Mann in ein Dorf zu einer fast morschen Hütte, wo eine zahlreiche, überaus arme Familie wohnte. Diese Hütte steckte der Engel in Brand, und die armen Bewohner retteten nichts als ihr Leben. Als der Mann all dieses sah, sprach er zum Engel: „Du bist kein Bote Gottes, sondern ein Bote des Teufels! Du häufst Ungerechtigkeit über Ungerechtigkeit!“ Der Engel sprach: „Höre, und du sollst bald anders urteilen! – Siehe, der Reiche, den ich beschenkte, war stolz und geizig. Als ich aber seinen Reichtum so bedeutend erhöhte, fing er an zu prassen und verschwendete alles, dass er endlich ein Bettler wurde und anfing, sich zu demütigen. – Der Bettler, den ich tötete, war auf gutem Wege, er hätte aber noch am selben Tage eine große Erbschaft gemacht, dadurch wäre er hochmütig geworden, hätte ausschweifend gelebt und wäre von Gott gänzlich abgefallen. – Die arme Familie, deren Hütte ich in Brand steckte, wurde zuvor im Dorfe fast gar nicht berücksichtigt. Das Brandunglück aber erregte nahe und ferne großes Mitleid, und die arme Familie wurde von allen Seiten reichlich beschenkt.“ (Himmelsgaben. Bd.2 S. 158) |
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Kanal 23
Der Fernseher ist mein Hirte. Mir wird viel mangeln. Er lagert mich auf dem Sofa. Er verführt mich, nichts für den Namen des Herrn zu tun, weil er meine Zeit verschlingt. Er hält mich davon ab, dem Herrn zu folgen, weil er so viele Shows und Filme präsentiert, die ich sehen muss. Er unterweist mich in den Dingen der Welt, und bewahrt mich davor, Gottes Wort zu studieren. Er erquickt meine Seele mit Ausreden, damit ich nicht zur Bibelstunde muss. Er leitet mich in den Pfaden des Versagens, damit ich nichts tue um seines Namens willen. Auch wenn ich hundert Jahre alt werde, werde ich immer noch den Programmen folgen. Ich fürchte nichts Übles, denn mein Fernseher ist bei mir und lenkt mich ab. Seine Töne und Bilder, sie trösten mich. Er bereitet vor mir Unterhaltung angesichts meiner Familie, und hält mich davon ab, mich mit ihr zu beschäftigen. Er hat mein Haupt mit Ideen gefüllt, die von Gottes Wort abweichen. Mein Mund fließt davon über. Fürwahr, Güte und Huld werden mich verlassen alle Tage meines Lebens. Ich werde die beiden nicht erleben oder anderen bringen, denn ich habe keine Zeit dafür, den Willen des Herrn zu tun. So werde ich wohnen in geistlicher Armut alle Tage meines Lebens. |
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Stille
Ein Mönch hatte sich in die Einsamkeit zurückgezogen, um in der Abgeschiedenheit vom lärmenden Leben seine Zeit der Meditation und dem Gebet widmen zu können. Einmal kam ein Wanderer zu seiner Einsiedelei und bat ihn um etwas Wasser. Der Mönch ging mit ihm zur Zisterne, um das Wasser zu schöpfen. Dankbar trank der Fremde, und etwas vertrauter geworden bat er den Mönch, ihm eine Frage stellen zu dürfen: „Sag mir, welchen Sinn siehst du in deinem Leben in der Stille?“ Der Mönch wies mit einer Geste auf das aufgewühlte Wasser der Zisterne und sagte: „Schau auf das Wasser! Was siehst du?“ Der Wanderer schaute tief in die Zisterne, dann hob er den Kopf und sagte: „Ich sehe nichts.“ Nach einer kleinen Weile forderte der Mönch ihn abermals auf: „Schau auf das Wasser der Zisterne. Was siehst du jetzt?“ Noch einmal blickte der Fremde auf das Wasser und antwortete: „Jetzt sehe ich mich selber!“ „Damit ist deine Frage beantwortet“, erklärte der Mönch. „Als du zum ersten Mal in die Zisterne schautest, war das Wasser vom Schöpfen unruhig, und du konntest nichts erkennen. Jetzt ist das Wasser ruhig - und das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht und erkennt sich selber!“ |
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Philosophie
Ehe der Besucher eine eventuelle Schülerschaft diskutierte, verlangte er von dem Meister Zusicherungen. „Könnt Ihr mich lehren, was das Ziel eines Menschenlebens ist?“ „Das kann ich nicht.“ „Oder wenigstens seinen Sinn?“ „Das kann ich nicht.“ „Könnt Ihr mir das Wesen des Todes erklären und eines Lebens jenseits des Grabes?“ „Das kann ich nicht.“ Der Besucher ging zornig davon. Die Schüler waren betreten, dass ihr Meister eine so schlechte Figur gemacht hatte. Sagte der Meister tröstend: „Was nützt es, die Essenz des Lebens zu verstehen und seinen Sinn zu begreifen, wenn ihr es nie gekostet habt? Mir ist es lieber, ihr esst euren Pudding, als dass ihr darüber spekuliert.“ |
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Die Geschichte vom Totenschädel
Ein Weiser fand unterwegs einen leeren Totenschädel, der zwar gebleicht war, aber seine Form bewahrt hatte. Er berührte den Schädel mit einer Gerte und fragte im stillen: „Wer bist du wohl gewesen? Warst du vielleicht ein Ehrgeizling, der in der Gier nach Dasein und Macht vom rechten Wege abwich und in Elend und Verlassenheit endete? Oder warst du ein Fürst, der sein Volk ins Verderben führte und dafür hingerichtet wurde? Oder hast du deinen Eltern Schande gebracht, so dass man dich verstieß? Oder warst du nur ein hungriger Bettler, der in Elend und Kälte am Wege starb? Oder hast du vielleicht recht gelebt, dein natürliches Alter erreicht und bist du in Frieden heimgegangen?“ Nach diesen Worten nahm er den Schädel auf und legte ihn, als er schlafen ging, unter sein Kopfkissen. Um Mitternacht erschien ihm der einstige Träger des Schädels im Traum und beantwortete seine Fragen: „Fragen, wie du sie stelltest, sind Sorgen der Lebenden, nicht der Heimgegangenen. Für uns Entkörperte gibt es weder Ehrgeiz noch falsches Denken und Tun, weder Fürsten noch Bettler, weder Obrigkeit noch Untergebene, weder Wechsel der Lebensalter noch Sorgen um das Vergängliche. Selbst der glücklichste Erdenmensch kann nicht so gelassen und selig sein wie wir vermeintlich Toten.“ Der Weise dankte für die Belehrung und fragte: „Wenn ich das Schicksal veranlassen könnte, dass du wiedergeboren würdest und zu den Deinen zurückkehren könntest, zu den Freunden und den Freuden des Daseins - wäre dir das recht ?“ Die Antwort war: „Warum sollte ich meine ruhevolle Seligkeit aufgeben, um die Mühen des Erdendaseins aufs neue auf mich zu nehmen?“ |
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Schicksal
Einer Frau, die ihr Schicksal beklagte, sagte der Meister: „Du machst dir selbst dein Schicksal.“ „Aber ich bin doch wohl nicht verantwortlich dafür, als Frau geboren zu sein?“ „Als Frau geboren zu sein, ist nicht Schicksal. Das ist Bestimmung. Schicksal ist, wie du dein Frausein akzeptierst, und was du daraus machst.“ |
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Zu beschäftigt?!
Monolog eines Freundes
Als Du heute Morgen aufgestanden bist, habe ich Dich beobachtet und
gehofft, Du würdest vielleicht ein bisschen mit mir reden, mich nach
meiner Meinung fragen, oder mir für irgendetwas Gutes danken, was Dir
gestern passiert ist.
(Autor unbekannt ) |
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Interview mit Gott
Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott gehabt.
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Beten
„Zeig mir, wie ich beten kann“ - bittet ein Schüler seinen Lehrer. Der antwortet: „Kann ich es dir zeigen? - Ich kann es nicht.“ - Der Schüler ist erstaunt: „Bist du denn nicht ein Lehrer der Religion?“ Sagt der Lehrer: „Eben deswegen. Beten lernt niemand durch Wissen und Können, sondern durch Erfahren und Leben. Was immer ich weiß, kann dir nicht ersparen, dich selbst zu suchen. Selbst musst du in den Brunnen springen, die Tiefe wagen, den inneren Raum und die innere Zeit entdecken.“ |
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Ausdruck
Er war ein religiöser Schriftsteller und an des Meisters Ansichten interessiert. „Wie entdeckt man Gott?" Sagte der Meister scharf: „Indem man das Herz durch stille Meditation weiß macht, anstatt Papier mit religiösen Abhandlungen zu schwärzen.“ Und indem er sich an seine gelehrten Schüler wandte, fügte er neckend hinzu: „Oder indem man durch hochgeistige Konversation dicke Luft macht.“ |
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Gefangenschaft
„Du bist so stolz auf deine Intelligenz“, sagte der Meister zu einem Jünger. „Du bist wie der Verurteilte, der stolz ist auf die Größe seiner Gefängniszelle.“ |
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Gleichnis über Gebet
Ein Mann schlief nachts in seiner Hütte, als sich der Raum plötzlich mit
Licht füllte und ihm der Herr erschien. Er sagte dem Mann, dass er für ihn
Arbeit habe und zeigte ihm einen großen Felsbrocken vor der Hütte.
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Das Geheimnis der Zufriedenheit
Es kamen einmal ein paar Suchende zu einem alten Meister. „Herr“, fragten sie „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du.“ Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“ Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: „Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?“ Es kam die gleiche Antwort: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“ Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend fügte der Meister nach einer Weile hinzu: „Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“ |
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Klatsch
Ein Schüler bekannte seine schlechte Gewohnheit, Klatsch weiterzuerzählen. Sagte der Meister spitz: „Weitererzählen wäre ja nicht so schlimm, wenn du nicht noch Verbesserungen daran vornähmst.“ |
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Das Kind der Barmherzigkeit
Als der Allmächtige den Menschen erschaffen wollte, versammelte er ratschlagend die obersten Engel um sich. „Erschaffe ihn nicht!“ so sprach der Engel der Gerechtigkeit; „er wird unbillig gegen seine Brüder sein, und hart und grausam gegen den Schwächeren handeln.“ „Erschaffe ihn nicht!“ so sprach der Engel des Friedens. „Er wird die Erde düngen mit Menschenblut; der Erstgeborne seines Geschlechts wird seinen Bruder morden.“ „Dein Heiligtum wird er mit Lügen entweihen“, so sprach der Engel der Wahrheit, „und ob du ihm dein Bildnis selbst, der Treue Siegel, auf sein Antlitz prägtest.“ Noch sprachen sie, als die Barmherzigkeit, des ewigen Vaters jüngstes liebstes Kind, zu seinem Throne trat, und seine Knie umfasste. „Bild' ihn“, sprach sie, „Vater, zu deinem Bilde selbst, ein Liebling deiner Güte. Wenn alle deine Diener ihn verlassen, will ich ihn suchen, und ihm liebend beistehn, und seine Fehler selbst zum Guten lenken. Des Schwachen Herz will ich mitleidig machen und zum Erbarmen gegen Schwächere neigen. Wenn er vom Frieden und der Wahrheit irret, wenn er Gerechtigkeit und Billigkeit beleidigt: so sollen seines Irrtums Folgen selbst zurück ihn führen, und mit Liebe bessern.“ Der Vater der Menschen bildete den Menschen. Ein fehlbar, schwaches Geschöpf; aber in Fehlern selbst ein Zögling seiner Güte, Sohn der Barmherzigkeit, Sohn einer Liebe, die nimmer ihn verlässt, ihn immer bessernd. - Erinnere dich deines Ursprungs, Mensch, wenn du hart und unbillig bist. Von allen Gotteseigenschaften hat Barmherzigkeit zum Leben dich erwählt; und lebend reichte dir Erbarmung nur und Liebe die mütterliche Brust. (Johann Gottfried Herder) |
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Die Pächter
Die Gerechten stehen eng gedrängt vor der Pforte des Paradieses, trippelnd vor Ungeduld, begierig einzutreten, ihrer Plätze gewiss. Doch plötzlich entsteht Unruhe unter ihnen. „Was, auch denen wird vergeben?“ fragen sie und mucken auf. Dann empörte Rufe. „Sollen wir uns dafür im Leben gequält haben - wenn wir das gewusst hätten!“ Sie protestieren. Schmährufe gegen Gott werden laut. Und in der gleichen Sekunde sind sie verdammt. |
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Anwesenheit
„Wo soll ich Erleuchtung suchen?“ „Hier.“ „Wann wird sie stattfinden?“ „Jetzt in diesem Augenblick.“ „Warum spüre ich sie nicht?“ „Weil du nicht siehst.“ „Was sollte ich sehen?“ „Nichts. Nur sehen.“ „Was?“ „Alles, worauf dein Auge fällt.“ „Muss ich auf eine besondere Weise sehen?“ „Nein, wie gewohnt, das genügt.“ „Aber sehe ich nicht immer so wie gewohnt?“ „Nein.“ „Warum denn bloß nicht?“ „Weil du ganz hier sein musst, um zu sehen, und du bist meistens anderswo.“ |
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Zu schnell gefahren
Jack schaute kurz noch einmal auf seinen Tacho, bevor er langsamer wurde: 73 in einer 50er Zone. Mist, das war das vierte mal in vier Monaten. Er fuhr rechts an den Straßenrand und dachte: „Lass den Polizisten doch wieder einmal herummosern über meinen Fahrstil. Mit etwas Glück würde ein noch schnellerer Autofahrer an ihnen vorbeiflitzen, an dem der Bulle mehr Interesse hätte.“ Der Polizist stieg aus seinem Auto aus, mit einem dicken Notizbuch in der Hand. War das etwa Bob? Bob aus der Kirche? Jack sank tiefer in seinen Sitz. Das war nun schlimmer als der Strafzettel: Ein christlicher Bulle erwischt einen Typen aus seiner eigenen Kirche. „Hi Bob. Komisch, dass wir uns so wieder sehen!“ „Hallo Jack.“ Kein Lächeln. „Ich sehe du hast mich erwischt in meiner Eile nach Hause zu kommen, um meine Frau und Kinder zu sehen.“ „Ja, so ist das.“ „Ich bin die Tage erst sehr spät aus dem Büro gekommen.“ Jack schoss einen Kieselstein an die Bordsteinkante. „Diane erwähnte etwas von Roast Beef und Kartoffeln heute Abend. Verstehst du, was ich meine?“ „Ich weiß, was du meinst. Und ich weiß auch, dass du soeben ein Gesetz gebrochen hast.“ Aua, das ging in die falsche Richtung. Zeit, die Taktik zu ändern. „Bei wie viel hast du mich erwischt?“ „Siebzig. Würdest du dich bitte wieder in dein Auto setzen?“ „Ach Bob, warte bitte einen Moment. Ich habe sofort gecheckt, als ich dich gesehen habe! Ich habe mich auf höchstens 65 km/h geschätzt!“ „Bitte Jack, setz dich wieder in dein Auto.“ Genervt quetschte Jack sich wieder ins Auto. Ein Knall. Türe zu. Er starrte auf sein Armaturenbrett. Bob war fleißig am Schreiben auf seinem Notizblock. Warum wollte Bob nicht seinen Führerschein und die Papiere sehen? Dann klopfte Bob an die Tür. Er hatte einen Zettel in der Hand. Jack öffnete das Fenster, maximal 5cm, gerade genug, um den Zettel an sich zu nehmen. Bob reichte ihm den Zettel und ging dann zu seinem Auto, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Jack faltete den Zettel auf. Was würde ihn dieser Spaß wieder kosten? Doch, Moment: War das ein Witz? Das war gar kein Strafzettel! Jack las: Lieber Jack, ich hatte einmal eine kleine Tochter. Als sie sechs Jahre alt war, starb sie bei einem Verkehrsunfall. Richtig geraten; der Typ ist zu schnell gefahren. Einen Strafzettel, eine Gebühr und drei Monate Knast und der Mann war wieder frei. Frei um seine Töchter wieder in den Arm nehmen zu dürfen. Alle drei konnte er wieder lieb haben. Ich hatte nur eine und ich werde warten müssen, bis ich in den Himmel komme, bevor ich sie wieder in den Arm nehmen kann. Tausend Mal habe ich versucht, diesem Mann zu vergeben. Tausend Mal habe ich gedacht ich hätte es geschafft. Vielleicht habe ich es geschafft, aber ich muss immer wieder an sie denken. Auch jetzt. Bete bitte für mich. Und sei bitte vorsichtig, Jack. Mein Sohn ist alles was ich noch habe. Bob Jack drehte sich um und sah Bob wegfahren, bis er nicht mehr zu sehen war. Langsam fuhr auch er nach Hause. Zu Hause angekommen nahm er seine überraschte Frau und die Kinder in den Arm und drückte sie ganz fest. Das Leben ist so wertvoll. Behandle es mit Sorgfalt. (Verfasser unbekannt) |
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Von verliehenen Büchern
Es war einmal ein Gelehrter, zu dem viele Menschen kamen, um ihm Fragen zu stellen. Eines Tages fragte jemand den weisen Mann: „Warum, Meister, bekommt man eigentlich verliehene Bücher so selten wieder zurück?“ Darauf antwortete der Gelehrte ohne lange nachzudenken: „Weil es leichter ist, die Bücher zu behalten, als das, was drin steht.“ |
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Die drei Söhne
Drei Frauen kommen an einen Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Sie sprechen von ihren drei Söhnen. „Meinen Sohn solltet ihr singen hören“, sagte die erste, „das tönt so schön, als wenn eine Nachtigall singen würde.“ Die zweite sagte: „Mein Sohn ist stark und schnell. Er schleudert einen Stein fast bis zu den Wolken und fängt ihn wieder auf.“ Die dritte schweigt. Da fragten die anderen: „Und dein Sohn?“ „Was soll ich erzählen“, sagt sie, „mein Sohn ist ein junger Bursche wie andere auch.“ Nun machten sich die drei Frauen auf den Heimweg. Die Sonne brennt, der Wassereimer wird schwer. Da kommen den drei Frauen ihre drei Söhne entgegen. Der erste singt so schön wie eine Nachtigall, der zweite schleudert Steine in die Luft und fängt sie wieder. Der dritte aber läuft zu seiner Mutter und nimmt ihr den Eimer ab. Ein alter Mann neben dem Brunnen hat alles mit angesehen. Eine der drei Frauen fragt ihn: „Nun, was sagst du zu unseren drei Söhnen?“ „Drei Söhne?“, fragte der Alte, „Ich sehe nur einen.“ (Leo N. Tolstoi) |
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Verehrung
„Zu einem übertrieben respektvollen Schüler sagte der Meister: „Licht spiegelt sich auf einer Wand. Warum die Wand verehren? Sei aufmerksam gegenüber dem Licht.“ |
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Wachsamkeit
„Kann ich selbst irgendetwas tun, um erleuchtet zu werden?“ „Genau so wenig wie du dazu beitragen kannst, dass die Sonne morgens aufgeht.“ „Was nützen dann all die geistigen Übungen und Gebete, die Ihr vorschreibt?“ „Um sicher zu gehen, dass du nicht schläfst, wenn die Sonne aufgeht.“ |
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Von den Reichen und deren Reichtum
Eines Tages kommt ein Moshe zum Rabbi und fragt: „Rabbi, sage mir, was hat es auf sich mit dem Reichtum? Warum sind die Reichen immer so kalt und hartherzig?“ „Geh ans Fenster und sieh durch die Scheibe“, sagt der Rabbi, „was siehst du?“ „Nun“, sagt erstaunt der Moshe, „was soll ich sehen? Die Straße, die Leute, die Häuser, die Synagoge.“ „Gut, dann geh an den Spiegel da und sieh hinein! Was siehst du?“ „Mich“, sagt der Moshe, „mich, Rabbi!“ „Siehst du, wenn du durch eine normale Scheibe siehst, siehst du die anderen, die Welt. Aber wenn du in den Spiegel siehst, nur noch dich selbst. Es ist dasselbe Glas, nur ein bisschen Silber ist dazwischen, und schon siehst du nur noch dich. Das ist es mit dem Reichtum und den Reichen.“ |
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Die drei Brüder
Es waren einmal drei Brüder. Der eine beschloss, sich um die Kranken zu kümmern, der zweite wollte sich für den Frieden einsetzen, der dritte zog als Einsiedler in die Wüste. Die Jahre verstrichen. Als sich die ersten beiden wieder einmal trafen, mussten sie sich eingestehen, dass sich ihre Erwartungen nicht erfüllt hatten: Sie hatten Gutes tun wollen, doch es war ihnen nicht gelungen. Die Welt war nicht besser geworden. So suchten sie ihren Bruder in der Wüste auf. Dieser nahm einen Krug Wasser und schüttete es langsam in einen anderen Krug. „Was seht ihr hier?", fragte er die beiden und zeigte in den Krug. „Schäumendes Wasser“, antworteten sie. Der Einsiedler stellte das Gefäß beiseite, wartete einige Minuten, bis das Wasser ganz still war, und fragte dann noch einmal: „Was seht ihr jetzt?“ Die beiden schauten hinein und antworteten: „Jetzt sehen wir im Spiegel des Wassers uns selber.“ „So, meine Brüder, müsst auch ihr zur Ruhe kommen, damit ihr euch selber erkennt. Erst dann könnt ihr anderen wirklich helfen.“ |
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Glück
"Ich brauche dringend Hilfe - sonst werde ich verrückt. Meine Frau und ich leben mit Kindern und Schwiegereltern in einem einzigen Raum. Wir sind mit unseren Nerven am Ende, wir brüllen uns an und schreien. Es ist die Hölle." "Versprichst du, alles zu tun, was ich dir sage?" fragte der Meister ernst. "Ich schwöre, ich werde alles tun." "Gut. Wie viele Haustiere hast du?" "Eine Kuh, eine Ziege und sechs Küken." "Nimm sie alle zu dir ins Zimmer. Dann komm in einer Woche wieder." Der Schüler war entsetzt, aber er hatte versprochen zu gehorchen. Also nahm er die Tiere ins Haus. Eine Woche später kam er wieder, ein Bild des Jammers, und stöhnte: "Ich bin ein nervöses Wrack. Der Schmutz! Der Gestank! Der Lärm! Wir sind alle am Rande des Wahnsinns." "Nun geh nach Hause", sagte der Meister, "und bring die Tiere wieder nach draußen." Der Mann rannte den ganzen Heimweg und kam am nächsten Tag freudestrahlend zurück. "Wie schön ist das Leben! Die Tiere sind draußen. Die Wohnung ist ein Paradies - so ruhig und sauber und soviel Platz!" |
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Wundertaten
Ein Mann reiste über Land und Meer, um selbst des Meisters ungewöhnlichen Ruhm zu überprüfen. "Welche Wundertaten hat euer Meister vollbracht?" fragte er einen Schüler. "Nun, es gibt solche und solche Wunder. In Eurem Land nennt man es ein Wunder, wenn Gott jemandes Willen erfüllt. In unserem Land gilt es als Wunder, wenn jemand den Willen Gottes erfüllt." |
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Tiefe
Sagte der Meister zu dem Geschäftsmann: "Wie der Fisch zugrunde geht auf dem Trockenen, so geht Ihr zugrunde, wenn Ihr Euch verstrickt in den Dingen der Welt. Der Fisch muss zurück in das Wasser - Ihr müsst zurück in die Einsamkeit." Der Geschäftsmann war entsetzt. "Muss ich mein Geschäft aufgeben und in ein Kloster gehen?" "Nein, nein. Behaltet Euer Geschäft und geht in Euer Herz." |
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Innenraum
Der Schüler bat um ein Wort der Weisheit. Sagte der Meister: "Geh, setz dich in deine Zelle und deine Zelle wird dich Weisheit lehren." "Aber ich habe keine Zelle. Ich bin kein Mönch." "Natürlich hast du eine Zelle. Blick in dich." |
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Religion
Der Gouverneur unterbrach eine Reise, um dem Meister seine Ehrerbietung zu erweisen. "Staatsgeschäfte lassen mir keine Zeit für lange gelehrte Abhandlungen", sagte er. "Könntet Ihr das Wesentliche der Religion für einen aktiven Menschen wie mich in einem oder zwei Absätzen zusammenfassen?" "Ich werde es mit einem einzigen Wort zum Nutzen Eurer Hoheit ausdrücken." "Unglaublich! Wie lautet dieses außergewöhnliche Wort?" "Stille." "Und auf welchem Weg gelangt man zur Stille?" "Meditation." "Und was, darf ich fragen, ist Meditation?" "Stille." |
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Überleben
Jeden Tag pflegte der Schüler die gleiche Frage zu stellen: "Wie soll ich Gott finden?" Und jeden Tag bekam er die gleiche rätselhafte Antwort: "Durch Verlangen." "Aber ich verlange nach Gott mit meinem ganzen Herzen. Warum habe ich ihn dann noch nicht gefunden?" Eines Tages badete der Meister zufällig zusammen mit dem Schüler im Fluss. Er drückte den Kopf des Mannes unter Wasser und hielt ihn da fest, während der arme Kerl verzweifelt versuchte, sich loszureißen. Am nächsten Tag begann der Meister die Unterhaltung. "Warum hast du dich so gewehrt, als ich deinen Kopf unter Wasser hielt?" "Weil ich nach Luft rang." "Wenn dir die Gnade zuteil wird, um Gott so zu ringen, wie du um Luft rangst, dann hast du ihn gefunden." |
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Verständnis
"Wie erlange ich die Gnade, nie über meinen Nächsten zu Gericht zu sitzen?" "Durch Gebet." "Warum habe ich sie dann noch nicht gefunden?" "Weil du noch nicht am richtigen Ort gebetet hast." "Wo ist das?" "Im Herzen Gottes." "Und wie komme ich dorthin?" "Begreife, dass jeder, der sündigt, nicht weiß, was er tut und Vergebung verdient." |
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Entdeckung
"Helft uns, Gott zu finden." "Keiner kann euch dabei helfen." "Warum nicht?" "Aus dem gleichen Grund, aus dem einem Fisch nicht geholfen werden kann, den Ozean zu finden." |
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Identität
"Wie sucht man Einheit mit Gott?" "Je mehr du suchst, umso größer wird die Entfernung zwischen Ihm und dir." "Wie überwindet man diese Entfernung?" "Begreife, dass sie nicht wirklich vorhanden ist." "Bedeutet das, Gott und ich sind eins?" "Nicht eins, nicht zwei." "Wie ist das möglich?" "Die Sonne und ihr Licht, der Ozean und die Welle, der Sänger und sein Lied - nicht eins. Nicht zwei." |
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Rückzug
"Wie soll ich der Welt helfen?" "Indem du sie verstehst", sagte der Meister. "Und wie soll ich sie verstehen?" "Indem du dich von ihr abwendest." "Wie soll ich dann der Menschheit dienen?" "Indem du dich selbst verstehst." |
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Der Drahtkorb
Ein junger Mann, der sich schon tage-, wochen-, ja monatelang bemüht hatte, beten zu erlernen und auch zu meditieren, stellte fest, dass einfach keine Erfahrung da war, die blieb. Er behielt nichts in den Händen zurück, es zerrann ihm alles wie Wasser zwischen den Fingern, nichts Greifbares war mehr da. Er war schon ganz verzweifelt und wollte schon mit dem Gebet und der Meditation aufhören, da hörte er von einem Weisen, der in der Wüste lebte und der ein Meister in Gebet und Meditation sei. Also gut, dachte er, einen letzten Versuch will ich wagen und diesen Weisen besuchen und ihn fragen, wie denn das Beten ginge. Und er machte sich auf, fand den Weisen in der Wüste und fragte ihn: "Du bist doch ein Meister in Gebet und Meditation, lehre mich so beten, dass für mich auch ein Erfolg dabei herauskommt." Und der Weise sagte zu ihm: "Siehst du den dreckigen Drahtkorb dort liegen?" "Ja." "Dann nimm ihn und hole damit Wasser!" Der junge Mann nahm den Drahtkorb, ging einige hundert Meter bis zum Brunnen, schöpfte mit dem Drahtkorb Wasser und machte sich auf den Weg zum Weisen. Doch bis er dort angekommen war, war alles Wasser aus dem Drahtkorb herausgelaufen. Der Weise sagte zu ihm: "Geh und hole Wasser!" Und er machte sich zum zweiten Mal auf den Weg; doch der Erfolg war genau derselbe. Der Weise forderte ihn zum dritten Mal auf: "Geh und hole Wasser!" Und das wiederholte sich noch einige Male, bis der junge Mann ungeduldig wurde und dachte, das klappt doch nie, ich frage den Weisen einmal. Und er sagte zu ihm: "Du siehst doch, mit dem Drahtkorb kann man kein Wasser holen, es läuft alles heraus." Da sagte der Weise: "Genauso ist es mit dem Gebet, du hast zwar kein Wasser zu mir gebracht, aber der Drahtkorb, der am Anfang dreckig war, ist jetzt sauber, und so verhält es sich auch beim Beten. Wenn du beim Gebet nicht die Erfahrung hast, etwas in den Händen zurückzubehalten, so hat dich doch das Beten und Meditieren gereinigt." Willi Hoffsümmer |
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Der Dieb
Ein Mann aus Merv - wo bekanntlich komplizierte Denker zu Hause sind - rannte eines Nachts schreiend durch die Straßen der Stadt und brüllte: "Dieb, Dieb!" Die Leute standen um ihn herum, und als er sich ein wenig beruhigt hatte, fragten sie: "Wo war der Dieb?" "In meinem Haus." "Hast du ihn gesehen?" "Nein" "Fehlte irgend etwas?" "Nein." "Wie kannst du somit wissen, dass ein Dieb dort gewesen ist?" "Ich lag in meinem Bett, als es mir einfiel, dass Diebe ohne ein Geräusch in Häuser einbrechen und lautlos herumschleichen. Da ich nichts hören konnte, wusste ich, dass sich ein Dieb im Haus befand, ihr Narren!" |
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Der Rabbi von Alexander
Der Rabbi von Alexander fasste einmal einen wichtigen Beschluss. Da die Erde voller Streit und Leid war, beschloss er gleich am nächsten Tag damit zu beginnen, die ganze Welt zu verbessern. Als er aufstand, erschien ihm das geplante Projekt doch etwas zu hochtrabend, und er beschloss, nur das Land, in dem er lebte in Ordnung zu bringen. Alsbald jedoch schien ihm auch dies eine zu schwere Aufgabe. Vielleicht genügt es, so dachte er, wenn ich meiner Heimatstadt zu einer besseren Moral verhelfe. Oder die Gasse, in der ich lebe, oder wenigstens das Haus, in dem ich wohne, besser mache. Als der Rabbi einsah, dass es ihm wahrscheinlich nicht einmal gelingen werde, seine Familie zur Besserung zu bewegen, fasste er den endgültigen Beschluss: "Also muss ich halt mit mir selbst beginnen." |
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Das schielende Huhn
Es war einmal ein Huhn, das stark schielte. Dieses schielendes Huhn sah deshalb die ganze Welt etwas schief und glaubte, sie sei tatsächlich schief. So sah es z.B. auch seine Mithühner und den Hahn schief. Es lief immer etwas schräg und stieß ziemlich oft gegen die Wände. An einem windigen Tag ging das schielende Huhn mit seinen Mithühnern am Turm von Pisa vorbei. "Schaut euch das an", sagten die Hühner, "der Wind hat diesen Turm schiefgeblasen." Auch das schielende Huhn betrachtete den Turm und fand ihn aber völlig gerade. Es sagte nichts, dachte aber bei sich, dass die anderen Hühner womöglich schielten. |
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Der weise König
"Sieh, es gab einst im Morgenlande einen König über ein großes Volk! Das Volk aber, da es gutes Land bewohnte, ward träge und verarmte von Jahr zu Jahr mehr und mehr. Da dachte der König bei sich nach, wie er diesem Übel steuern könnte. Es kam ihm der gute Gedanke, und er sagte bei sich: ,Ich werde dem Volke größere und schwerer zu erschwingende Steuern auferlegen und dieselben durch meine Krieger mit der unnachsichtlichsten Strenge erpressen lassen, und das so lange fort, bis das Volk im allgemeinen tätiger wird!' Gedacht und getan! Und siehe, im Anfange murrte und wehklagte das Volk ganz entsetzlich und wäre gegen den vermeintlich zu harten König aufgestanden, wenn es sich leichter seiner Trägheit entledigt hätte! Die brennende Not aber erweckte das Volk zur größeren Tätigkeit. Es ward dadurch auch bald wohlhabender und bezahlte dem Könige die verlangten großen Steuern leichter als zuvor die kleinen. Als der König nach einigen Jahren merkte, dass sein Volk recht tätig und arbeitsam geworden war, da sandte er Herolde hinaus in alle Teile seines Reiches und ließ eine bedeutende Ermäßigung der Steuern verkünden. Aber da sagten die Ältesten aus dem Volke: ,Wir danken dem weisen Könige für diese Gnade, bitten ihn aber auch zugleich, dass er die gegenwärtigen Steuern auf Grund des wahren Volkswohls also, wie sie sind, belassen möge; denn sowie das Volk weniger Steuern zu entrichten haben wird, wird es auch bald träger und untätiger werden und am Ende die kleinen Steuern schwerer bezahlen als die großen!' Als der König diese Äußerung von den Ältesten seines Volkes vernahm, belobte er sie sehr ihrer Weisheit wegen und sah, wie sein Volk stets tätiger und tätiger und dadurch auch stets wohlhabender und glücklicher ward. Und als das Volk von den Ältesten erfuhr, dass der weise König es aus eben dem Grunde nur mit so großen Steuern belegt hatte, um es tätiger und glücklicher zu machen, da lobte es des Königs Weisheit und zahlte ihm freiwillig noch mehr, als was ihm zu zahlen vorgeschrieben war. Und siehe, also mache es auch Ich (der Herr) Selbst mit den trägen und untätigen Menschen! Tue Ich da jemandem ein Unrecht?" (Gr.Ev.Joh. Bd. 7, Kap. 173,11-17) |
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Eine Weihnachtsgeschichte
Ein kleiner Junge besuchte in der Vorweihnachtszeit seinen Großvater und sah ihm zu, wie er die Krippenfiguren schnitzte. Der Junge schaute sie sich ganz intensiv an, und sie fingen auf einmal an, für ihn zu leben - alle Figuren, einschließlich die des Jesuskindes. Der Junge schaute das Kind in der Krippe an - und das Kind schaute ihn an. Plötzlich bekam der Kleine einen Schrecken, und die Tränen traten ihm in die Augen. "Warum weinst du denn?" fragte das Jesuskind. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. "Ich möchte aber gerne etwas von dir haben", entgegnete das Jesuskind. Da wurde der Bub rot vor Freude. "Ich will dir alles schenken, was ich habe", stammelte er. "Drei Sachen möchte ich von dir haben", sagte das Jesuskind. Kaum hatte es ausgesprochen, da sagte der Kleine auch schon: "Ich gebe Dir meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch..." "Nein, nein", entgegnete das Jesuskind, "das alles brauche ich nicht. Schenk mir deinen letzten Aufsatz." Da erschrak der Kleine. "Jesus", stotterte er ganz verlegen... und flüsterte: "Da hat doch der Lehrer 'ungenügend' darunter geschrieben". "Eben deshalb will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. "Aber warum denn?" fragte der Junge. "Du sollst mir immer das bringen, wo 'ungenügend' darunter steht. Versprichst du mir das?" "Sehr gern", antwortete der Junge. "Aber ich möchte noch ein zweites Geschenk von dir", sagte das Jesuskind, "deinen Milchbecher." "Aber den habe ich doch heute zerbrochen", entgegnete der Junge. "Eben drum. Du sollst mir immer das bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Gibst du mir das auch?" "Das ist schwer", sagte der Junge. Aber er nickte und schaute das Kind in der Krippe fragend an: "Hilfst du mir dabei?" "Aber sicher", sagte das Jesuskind. "Und nun mein dritter Wunsch: Du sollst mir noch die Antwort bringen, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie dich fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen ist." Da fing der Kleine an, bitterlich zu weinen: "Ich, ich, ich...", brachte er unter Schluchzen mühsam heraus, "ich habe gesagt, ich hätte den Becher versehentlich umgestoßen; in Wahrheit habe ich ihn aber absichtlich auf die Erde geworfen." "Ja, du sollst mir all deine Lügen, deinen Trotz, dein Böses, was du getan hast, bringen", sagte das Jesuskind. "Und wenn du damit zu mir kommst, und mich bittest, dir zu helfen, so will und werde ich dir helfen; ich werde dich annehmen mit all deinen Schwächen; ich werde dir immer neu vergeben; ich werde dich an deiner Hand nehmen, dir den Weg zeigen, und wir werden den Weg zusammen gehen. Willst du dir das schenken lassen?" Und der Junge schaute, hörte und staunte. Seine Antwort ist nicht überliefert, aber ich kann mir unmöglich vorstellen, dass er "nein" gesagt hat. |
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Die drei Schlüssel zum Himmel
Manfred Kyber Es lebte einmal ein großer, reicher König zu einer Zeit, in der noch alle Menschen den hohen Berg kannten, auf dessen Gipfel die Tore des Himmels gebaut sind. Bei all seinem Reichtum sehnte sich der König danach, auch die Schlüssel zu den Toren des Himmels zu besitzen; aber keiner konnte sie ihm bringen. Eines Tages sagte ihm ein weiser Mann: "Alle Schätze der Erde kann man geschenkt bekommen, aber die Schlüssel zum Himmel muss jeder selbst suchen." Da stieg der König selber auf den steilen Berg bis vor die Tore des Himmels und sagte dem Engel, dem Hüter vor Gottes ewigem Garten: "Ich finde keine Ruhe, bis ich nicht die Schlüssel zum Himmel besitze." Der Engel lächelte und antwortete: "Auf der Erde blühen viele Tausend Himmelsschlüssel, die von Menschen zertreten werden. Wenn du die richtigen drei findest, die nur zu deinen Füßen und für dich aufblühen, kannst du die Tore des Himmels aufschließen." Viele Jahre suchte der König und zertrat keinen Himmelsschlüssel, doch nie blühte eine dieser Blumen vor seinen Füßen auf. Eines Tages bettelte ihn ein schmutziges Mädchen an, das weder Vater noch Mutter hatte. Das Hofgesinde wollte das verwahrloste Kind zur Seite drängen, aber der König setzte es zu sich aufs Pferd. In seinem Schloss ließ er es speisen und kleiden und pflegen. Da blühte zu seinen Füßen ein kleiner, goldener Himmelsschlüssel auf. Und der König ließ die Armen und Kinder in seinem Reich zu seinen Brüdern und Schwestern erklären. Wieder vergingen Jahre. Da erblickte der König auf einem Ritt durch den Wald einen sehr kranken Wolf. Die Höflinge wollten ihn verenden lassen, er aber trug ihn in seinen Palast und pflegte ihn selbst gesund. Und der Wolf wich nie mehr von seiner Seite. Da blühte ein zweiter goldener Himmelsschlüssel zu seinen Füßen auf. Der König aber ließ von nun alle Tiere in seinem Reich zu Brüdern und Schwestern erklären. Wieder vergingen einige Jahre. Da spazierte der König in seinem herrlichen Garten mit den seltensten Blumen. Und er erblickte am Wegrand eine kleine unscheinbare Pflanze, die nahe daran war zu verdursten. "Ich will ihr Wasser bringen", sagte der König. Doch der Gärtner wollte ihn hindern: "Es ist Unkraut; ich will es ausreißen und verbrennen; es passt nicht in diesen königlichen Garten!" - Der König aber holte Wasser, und die Pflanze begann wieder zu atmen und zu leben. Nun blühte der dritte Himmelsschlüssel zu des Königs Füßen auf, und das Bettelmädchen und der Wolf standen dabei. Der König aber sah auf dem steilen Berge die Tore des Himmels weit, weit geöffnet. Auch heute blühen diese drei Himmelsschlüssel noch, und sie leuchten heller und schöner als alle Edelsteine und Blumen der Welt. |
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Das ist wunderbar
Eines Tages - vor langer Zeit - gingen einmal ein Gelehrter, ein Kaufmann und ein Bettler alle zum selben Lehrer, alle am selben Tag und zur selben Stunde, und ein jeder wollte, dass der Lehrer ihm etwas Wunderbares zeigte. Der Lehrer sagte allen, dass sie einen ganzen Tag lang von der Stadt aus nach Osten ziehen sollten, und sie würden wahrscheinlich etwas Wunderbares entdecken. Also gingen diese drei Männer am folgenden Tag gemeinsam von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf der Straße, die von der Stadt aus in östliche Richtung führte. Als die Sonne hinter ihnen versank, gelangten sie an eine kleine, schattige Quelle. Der Hüter der Quelle reichte jedem der durstigen Reisenden einen Becher voll Wasser. Der Gelehrte, der gehofft hatte, zu einer Schule von großer Gelehrsamkeit zu gelangen, stürzte das Wasser hinunter und schaute sich um. "Ich sehe hier nichts Besonderes", beschwerte er sich. "Du, mein Freund?" Der Kaufmann, der gehofft hatte, zu einem Schatz von größtem Wert zu gelangen, sagte: "Nein, nicht im geringsten." Nachdem er seinen Becher Wasser auf einem Schlag geleert hatte, fügte er hinzu: "Ich glaube, man hat uns hereingelegt." Doch der Bettler, der lediglich wusste, dass ihm heiß war und ihre lange Reise ihn sehr erschöpft hatte, setzte sich in den Schatten, schlürfte in Ruhe das kühle, reine Wasser der Quelle und seufzte: "Ah, das ist wunderbar." |
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Der reiche Fürst
"Siehe, es war irgendein großer Fürst, dieser hatte ein überreiches Land an Gold, Silber, Edelsteinen, Äckern, Wiesen, Tieren und Wäldern von der besten Art. Und dieses Land hatte auch eine gerechte Bevölkerung. Daneben aber war ein anderer Fürst, dessen Land bei weitem ärmer war an allen angezeigten Schätzen. Und so gab es noch eine Menge kleinerer Fürstentümer rings umher, und alle waren an allem dem um sehr vieles ärmer als das Land des einen reichen Fürsten. Dieser Fürst aber achtete seiner Schätze nicht, so groß sie auch waren, sondern sein Augenmerk war stets auf die Güter der viel ärmeren Fürsten gerichtet und darauf, wie er solcher habhaft werden könnte! Mitten unter diesen Fürsten lebte ein überaus weiser Mann, der nichts als seine hohe Weisheit besaß. Aber er war dennoch darum der Reichste unter allen, denn ohne seinen Rat getraute sich keiner der Fürsten etwas zu tun. Diesen Mann fragte einmal der überreiche Fürst, was er wohl tun solle, um die Güter der andern an sich zu bringen, auf dass er die großen Schätze seines Landes, die er nicht achte, an sich selbst schonen könnte?! Und der weise Mann sprach zu ihm. "Weißt du was? Siehe, da habe ich einen guten Rat! Willst du deinen ungerechten Wunsch fördern, da werde mir gleich! Gib alles, was du hast, an die, denen du alles nehmen möchtest, so wirst du gleich mir, der ich nichts besitze, aber dennoch alles haben. Und du wirst mit allem verfügen können gleich mir, der ich auch alles hatte, aber eben darum alles hergab, um alles tausendfältig zu gewinnen!" Diese Rede des weisen Mannes gefiel dem reichen Fürsten überaus wohl, und er tat sobald nach dessen Worten! Und als er darum alle die Fürsten zusammenrief, um ihnen sein Land gänzlich abzutreten, da fragten diese ihn voll Staunens, warum er doch solches tue. Und er, der große Fürst, sprach: "Weil ich eben darum die wahre Weisheit überkomme, in der alle diese Schätze tausendfach enthalten sind!" - Als die andern Fürsten solches vernahmen, da sprachen sie: "Wenn also, so bist du schon wahrhaft ein überweiser Mann und wir wollen, dass du über uns alle gebieten sollest!" Der Fürst aber sprach: "Nicht also, meine Freunde, ich habe nur erst den ersten Schritt in der Schule der Weisheit getan! - Lasset mich zuvor meine Bahn vollenden, und nehmet ihr mein Gut! So ich vollendet aus der Schule wiederkehren werde, dann will ich euch ein rechter Führer sein!" Damit übernahmen die andern Fürsten das reiche Land. Der reiche Fürst aber begab sich sobald in die Schule der Weisheit zum weisesten Manne." (Himmelsgaben Bd. 2_44.08.15.a,04-14) |
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Das Zündholz und die Kerze
Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: "Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden." "Oh nein", erschrak die Kerze, "nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt. Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern." Das Zündholz fragte: "Aber willst Du ein Leben lang kalt und hart bleiben?" "Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften", flüsterte die Kerze unsicher und voller Angst. "Es ist wahr", entgegnete das Zündholz: "Das ist das Geheimnis unserer Berufung. Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich Dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen. Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was Du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn Du Dich verzehrst. Andere werden Dein Feuer und Dein Licht weitertragen. Nur wenn Du Dich versagst, wirst Du sterben." Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: "Dann bitte Ich dich, zünde mich an." |
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Das Geschenk
Einmal ging ein Mann zu einem Meister und fing an, ihn lauthals zu beschimpfen. Er schimpfte eine, zwei, drei Stunden lang, bis es dunkel wurde. Als die Nacht hereinbrach, wollte er gehen. Da sagte der Meister: "Nun, lieber Freund, sag mir noch eins." Der Mann hielt inne, und der Meister sagte: "Wenn einer einem anderen ein Geschenk bringt und dieser es nicht annimmt, bei wem verbleibt es dann?" Der Mann antwortete: "Bei dem, der es gebracht hat." "Gut", erwiderte der Meister, "ich nehme das Geschenk, das du mir gebracht hast, nicht an." Der gute Hirte Einem Elternpaare war das einzige Kind gestorben. Sie fragten ihren frommen Seelsorger, warum Gott, wenn er die Liebe sei, ihnen das einzige Kind habe nehmen können. Der Mann Gottes gab in der Leichenrede folgende Antwort: "Ihr wollt von mir noch wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen habe? Nun wohl! Er will aus eurer Familie auch eins im Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht in den Himmel und hättet das Kind, wenn es das eurige bliebe, auch nicht hineingelassen. Hört ein Gleichnis: Es war ein guter Hirte, der hatte in seinem neuen Schafstalle köstliches Futter bereitgelegt für seine Schafe. Er machte das Tor des Stalles weit auf, aber die Schafe wollten nicht hinein; er jagte sich lange mit ihnen ihm Hofe umher, sie prallten jedoch immer wieder vor dem geöffneten Tor zurück. Da nahm er ein Lamm von der Herde und trug es voran, und siehe, da liefen die Alten nach. - Der gute Hirte ist Christus - der geöffnete Schafstall der Himmel - das Lamm: euer Kind - habt ihr noch ein Elternherz, lauft nach! Der Herr trägt die Lämmer voran, damit die Alten nachlaufen sollen!" |
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Man kann es nie wissen
Der Meister und ein Schüler begegneten unterwegs einem Blinden, der am Straßenrand saß und bettelte. Sagte der Meister: "Gib dem Mann ein Almosen!" Der Schüler warf eine Münze in den Hut des Bettlers. Sagte der Meister: "Du hättest deinen Hut ziehen sollen als Zeichen des Respekts." "Warum?" wollte der Schüler wissen. "Man sollte es immer tun, wenn man ein Almosen gibt." "Aber der Mann war doch blind!" "Man kann es nie wissen", erwiderte der Meister, "vielleicht war er ein Schwindler." (Anthony de Mello - Zeiten des Glücks) |
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Geschickt gefragt!
Es waren einmal zwei Mönche, die es einfach nicht lassen konnten, während des Gebets zu rauchen. Weil sie aber das schlechte Gewissen plagte, schrieben sie jeder einen Brief an den Bischof, um ihn dazu zu seiner Meinung zu befragen. Als Antwort erhielt der eine Mönch eine Erlaubnis, der andere jedoch ein Verbot. Darüber wunderten sie sich sehr. Der Mönch, dem das Rauchen erlaubt wurde, fragte den anderen: "Was hast du denn den Bischof gefragt?" "Ich habe gefragt, ob ich während des Betens rauchen darf." "Und ich", antwortete der, der eine Erlaubnis bekommen hatte, "habe gefragt, ob ich während des Rauchens beten darf." |
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Der Mann und die Dunkelheit
Es war einmal ein Mann, der in einem dunklen Zimmer wohnte. Er mochte die Dunkelheit nicht und er versuchte, sie mit Beschimpfungen und Beschwörungen zu vertreiben. Aber die Dunkelheit verschwand nicht. Eines Tages besuchte ihn eine weise Frau. Sie sagte zu ihm: "Das was dich ärgert, die Dunkelheit, wie du es nennst, gibt es eigentlich gar nicht. Dagegen zu kämpfen bringt deshalb überhaupt nichts. Konzentriere dich lieber darauf, mehr Licht in deine Wohnung zu bringen und du wirst sehen, dass dein Problem damit von allein verschwindet." Der Mann lachte nur und rief: "Ha! Das kann nicht sein. Keine so einfache Methode kann einen so übermächtigen Feind wie die Dunkelheit besiegen. Du irrst, närrisches Weib!" Und so verbrachte der Mann den Rest seines Lebens in der Dunkelheit, von der er glaubte, sie sei unbezwingbar. Das Licht einer einzigen Kerze hätte ihn vom Gegenteil überzeugen können. |
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Angst vor dem Ertrinken
Der Meister hatte mit seinen jungen Schülern einen Ausflug gemacht. Zur Rast setzen sie sich an das Ufer eines Flusses, das steil hinab ging. Einer der Schüler fragte: "Sag Herr, wenn ich nun abrutschen würde und in den Fluss falle, müsste ich dann ertrinken?" "Nein," antwortete der Meister. "Du ertrinkst nicht, wenn du in den Fluss fällst - du ertrinkst nur dann, wenn du drin bleibst." |
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Wirklich ganz zufrieden!
Ein Quäker stellte auf ein Stück unbebauten Landes neben seinem Haus folgendes Schild auf: Dieses Land soll dem gehören, der wirklich zufrieden ist. Ein reicher Farmer ritt vorbei, hielt an, las das Schild und sagte sich: "Da unser Freund, der Quäker, offensichtlich bereit ist, sich von dem Stück Land zu trennen, könnte ich mich darum bemühen, ehe es jemand anderer tut. Ich bin ein reicher Mann und habe alles, was ich brauche, deshalb gehöre ich durchaus zu den in Frage kommenden Bewerbern." Also ging er hin und erklärte, was er wollte. "Und Ihr seid wirklich ganz zufrieden?" fragte der Quäker. "Ja, denn ich habe alles, was ich brauche." "Freund", erwiderte der Quäker, "wenn Ihr so zufrieden seid, warum wollt Ihr dann das Land?" (Anthony de Mello - Zeiten des Glücks) |
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Zwei Wölfe...
Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten. Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: "Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend." "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge. "Der Wolf, den ich füttere." antwortete der Alte. |
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Wo ist Gott
Es war einmal eine gläubige und fromme Frau, die Gott liebte. Jeden Morgen ging sie in die Kirche. Unterwegs riefen ihr die Kinder zu, Bettler sprachen sie an, aber sie war so in sich versunken, dass sie nichts wahrnahm. Eines Tages ging sie wie immer die Straße hinab und erreichte gerade rechtzeitig zum Gottesdienst die Kirche. Sie drückte an der Tür, doch sie ließ sich nicht öffnen. Sie versuchte es heftiger und fand die Tür verschlossen. Der Gedanke, dass sie zum ersten Mal in all den Jahren den Gottesdienst versäumen würde, bedrückte sie. Ratlos blickte sie auf und sah genau vor ihrem Gesicht einen Zettel an der Tür. Darauf stand: "Ich bin hier draußen!" |
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Der Asket
Es war einmal ein Asket. Der saß schon seit Wochen meditierend in einer Höhle. Eines Tages kam eine kleine Maus vorbei und begann damit, am Schuh des Asketen zu nagen. Ärgerlich löste er sich aus der Meditation und fragte: "Warum störst du mich, Maus?" "Ich habe Hunger" sprach die Maus. "Du dummes Tier! Ich suche die Einheit mit Gott und du störst mich wegen deines Hungers. Verschwinde." Da fragte die Maus: "Wie willst du dich wohl mit Gott vereinigen, wenn du nicht einmal mit mir einig wirst?" |
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Die kleine Welle
Es war einmal eine kleine Welle. Tief in ihrem Innern war sie sehr unglücklich und klagte: "Ich fühle mich so schlecht. Die anderen Wellen sind so groß und so stark, während ich nur so klein und schwach bin. Das Leben ist ungerecht!" Zufällig kam eine große Welle vorbei. "Ich habe deine Worte gehört." sagte sie. "Dir geht es so, weil du noch nicht deine wahre Natur erkennst. Dir geht es schlecht, weil du denkst, dass du nur eine kleine Welle bist, aber das ist nicht wahr." "Was sagst du da?" fragte die kleine Welle. "Natürlich bin ich eine Welle" Schau, hier ist meine Krone und das hier ist mein Wellenschlag. Ich bin klein, aber ich bin eine Welle!" "Was du als "Welle" bezeichnest, ist nur deine Form. Du bist in Wahrheit Wasser. Wenn dir gelingt, zu verstehen, dass du nur eine zeitlang eine Welle bist, aber immer Wasser sein wirst, wirst du nicht mehr unglücklich sein." "Aber wenn ich Wasser bin, was bist dann du?" "Auch ich bin Wasser. Ich habe für eine kurze Zeit die Form einer Welle, die größer ist als du. Aber meinem Wesen nach bin ich Wasser. Ich bin du und du bist ich. Wir sind beide Teile eines großen Ganzen." |
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Das Hochzeitsgeschenk
Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? - fragten sie sich. Es herrscht unter den Menschen ohnehin mehr Leid als Freude. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten; und so sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein. Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Versteinert saßen oder standen sie da, als ihnen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hinein gieße, wird niemand merken oder schmecken. Nun aber wussten sie, dass jeder so gedacht hatte: Heute will ich mal auf Kosten anderer feiern. Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste alle, nicht nur, weil es lediglich Wasser zu trinken gab. Und als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen sie alle schweigend nach Hause, und jeder wusste: Das Fest hatte nicht stattgefunden. aus: Geschichten für Sinndeuter, Georgs-Verlag |
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Der König kommt
"Einst fuhr ein großer König in eine fremde Stadt. Alles Volk ging ihm bis weit aus der Stadt entgegen, um da den großen König und seinen herrlichen Einzug zu sehen. Der große König aber war durchgehends kein Freund von so großartigem Majestätsgepränge. Er stieg noch weit vor der Stadt aus seinem goldenen Wagen und mietete ein unansehnliches Fuhrwerk, befahl seinem Hoftrosse, langsamer zu fahren, er aber fuhr eilends auf diesem unansehnlichen Fuhrwerke, von allen ihm entgegenströmenden Menschen unbemerkt, in die große, seinetwegen fast ganz menschenleere Stadt. Als er daselbst anlangte, wollte er eine Erfrischung haben. Er fuhr von einem Gasthause zum andern und fand eines um das andere leer, bis er endlich in ein ganz kleines Wirtshäuschen eintrat, woselbst ihm ein weinender Diener entgegenkam und ihn fast unwillig fragte, was er möchte. Der große König fragte ihn zuerst um die Ursache seines traurigen Unwillens. Und der Diener antwortete, er sei deshalb so traurig, weil er nicht auch habe hinausgehen können, um den großen König zu sehen. - Allein der König antwortete ihm, wenn es sich nur darum handle, so solle er nur sehr froh sein. Denn er werde sicher der erste von der ganzen Stadt sein, der den großen König sehen werde. - Das wollte ihm der ärmliche Diener durchaus nicht glauben. - Der große König aber sprach: "So du der erste bist, der den König sehen wird, so soll dir eine große Belohnung zuteil werden; und im Gegenteil aber würdest du für deinen Unglauben eine ebenso bedeutende Strafe zu erleiden haben." Und als sie so im Gespräche über das Sehen oder Nichtsehen des Königs begriffen waren, fing das Volk wieder zur Stadt hineinzuströmen an, und dem folgte dann endlich auch alsbald der königliche Triumphzug, und zwar ohne König. Nun fragte der ärmliche Diener: "Wo ist denn der König, damit ich hinfliege und als erster ihn ansehe?" - Der König aber sprach: "Möchtest du erst den König suchen dort weit im Gedränge, so würdest du deiner Strafe nicht entgehen; denn sieh, da hätte ja alles Volk, das weit hinausgeeilt ist, ihn schon lange eher gesehen denn du! Nun aber siehe her, wie wir hier stehen auf der kleinen Flur des Hauses, so hat uns noch nicht ein Mensch eines Blickes gewürdigt; denn sie haben ihre Augen auf den Glanz des königlichen Gefolges gerichtet und spitzen auf den König! - Nun siehe du Mich an!" Und der ärmliche Diener tat, wie ihm der große König befahl. Aber da wusste der Diener nicht, was das bedeuten solle. Und während er seinen Mann anzugaffen anfing, bemerkte er, dass der herrliche Triumphzug sich vor der Flur dieses Häuschens aufstellte und den großen König zu begrüßen anfing. Dann erst gewahrte der ärmliche Diener, dass dieser Mann der große König selbst war, bereute aber auch zugleich die verlorene Zeit, in welcher er den großen König mit seinen Sinnen außerhalb der Stadt erwartet hatte, während dieser ganz bei ihm war und sich von ihm bedienen ließ." (HiG.01_40.10.29,11-16) |
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Vom reichen Mann und dem armen Schuster
Es war einmal ein armer Schuster, der war den ganzen Tag guter Laune. Er war so glücklich, dass er von morgens bis abends vor Freude sang. Immer standen viele Kinder vor seinem Fenster und hörten ihm zu. Gleich neben dem Schuster lebte ein sehr reicher Mann. Dieser blieb die ganze Nacht auf und zählte seine Goldstücke. Am Morgen ging er dann zu Bett. Er konnte aber nicht schlafen, weil er den Schuster singen hörte. Eines Tages hatte er eine Idee, wie er den Schuster am Singen hindern konnte. Er lud ihn zu sich ein, und der Schuster kam sogleich. Zu seiner großen Überraschung schenkte ihm der reiche Mann einen Beutel voller Goldstücke. Als der Schuster wieder zu Hause war, öffnete er den Beutel. Nie in seinem Leben hatte er so viel Geld gesehen. Sorgfältig begann er zu zählen, und die Kinder schauten zu. Es war so viel, dass der Schuster Angst hatte, es auch nur schnell aus den Augen zu lassen. So nahm er es nachts mit ins Bett. Aber auch dort musste er immer an das viele Geld denken, und er konnte nicht einschlafen. Dann trug er den Beutel auf den Dachboden, aber er war gar nicht sicher, ob das nun ein gutes Versteck sei. Früh am Morgen stand er auf und holte den Beutel wieder herunter. Er hatte beschlossen, ihn im Kamin zu verstecken. "Ich bringe das Geld ins Hühnerhaus", dachte er etwas später. "Da sucht es bestimmt niemand." Aber er war noch immer nicht zufrieden, und nach einer Weile grub er ein tiefes Loch im Garten und legte den Beutel hinein. Zum Arbeiten aber kam er gar nicht mehr. Und singen konnte er auch nicht mehr. Er war zu bedrückt, um auch nur einen Ton hervorzubringen. Und, was am schlimmsten war, auch die Kinder kamen ihn nicht mehr besuchen. Zuletzt war der Schuster so unglücklich, dass er den Beutel wieder hervorholte und damit zu seinem Nachbarn lief. "Bitte, nimm dein Geld zurück", sagte er. "Die Sorge darum macht mich ganz krank, und auch meine Freunde wollen nichts mehr von mir wissen. Ich möchte lieber wieder ein armer Schuster sein, wie ich es vorher war." Und so wurde der Schuster bald wieder genauso vergnügt wie zuvor und sang und arbeitete den ganzen Tag. Jean de LaFontaine (1621-1695) |
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Die beiden Brüder
Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus. Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben. Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder, und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht. " Er stand auf, nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein. In der gleichen Nacht nun, geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er musste an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen?" Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zum Stoß des Älteren. Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und wie war jeder erstaunt, dass ihre Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte dem anderen ein Wort. In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich, und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen. Auf halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher brüderlicher Liebe. Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: "Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen." |
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Der fromme Gottsucher
Ein recht frommer Mann ging einst schon lange mit dem Gedanken um, ob es denn durchaus nicht möglich wäre, sich auf einen Augenblick nur auf der Welt der großen Gnade teilhaftig zu machen, dass er Mich (den Herrn) - nur auf einen Augenblick - zu sehen bekäme. Dabei dachte er sich aber auch, was alles er darum tun wolle, um zu dieser Gnade zu gelangen. Bei diesem Gedanken schweifte er lange Zeit umher gleich einem Jäger um einen dichten Forst, bei dem er nicht weiß, wie er in denselben eingehen soll, und in welchem Teile desselben sich ein Wild befindet. Er suchte somit auch die Fährte; allein solche ist dort schwer zu finden, wo alles dicht mit allerlei Gebüsch verwachsen ist. Unser alter frommer Mann war zwar wohl bei sich dessen gewiss, dass der Mensch in diesem Leibesleben solcher Gnade unwürdig ist und es daher schwer halten möchte, das zu erreichen, wonach er sich sehnte. Aber auf der andern Seite war seine Begierde wieder zu mächtig, als dass sie dieser Einwendung hätte Gehör geben können. Daher beschloss er auch nach langem Umherirren seiner Gedanken, sich auf einem benachbarten ziemlich hohen Berge eine Stätte auszusuchen und dahin so oft zu wandeln und sich daselbst in anhaltendem Gebet zu sammeln, sooft es nur immer seine Zeit und andere Umstände gestatten möchten. Damit er sich aber die Stelle wohl merken konnte, machte er ein Kreuz und befestigte dasselbe an dieser Stelle. Als nun solche Arbeit vollzogen war, da gelobte er Mir feierlichst, dass er auf diesem Platze nicht eher zu seufzen und zu beten aufhören wolle, als bis Ich ihn erhören würde. Ja er sagte sogar, er werde entweder hier sterben oder Mich zu Gesichte bekommen und werde nicht eher von dieser Stelle weichen, als bis Ich Mich ihm zeigen würde. Wie beschlossen und vorbereitet, also auch getan! Bei drei Jahre lang verfügte sich unser Mann, sooft es nur immer die Umstände zuließen, an diese Stelle und betete da allerinbrünstigst oft viele Stunden lang zu Mir um die Erhörung seiner Bitte. Sooft er sich aber in dieser Angelegenheit da befand, war er auch allzeit unsichtbarerweise weit und breit umringt von vielen Tausenden frommer Geister. Diese stärkten ihn nach Meinem Willen so sehr, dass er sich nach Verlauf von anderthalb Jahren schon vollkommen der inneren Sehe des Geistes bedienen konnte, und so war es ihm auch ein leichtes, sich daselbst mit gar vielen ihm verwandten Geistern zu besprechen über das, was ihm so außerordentlich am Herzen lag. Die guten Geister belehrten ihn zwar einstimmig, dass sein Vorhaben im eigentlichen, wahren, Gott wohlgefälligen Sinne etwas töricht sei, und sagten ihm noch hinzu, dass ja das schon ohnehin eine große Gnade für ihn sei, dass Ich ihm das Auge des Geistes geöffnet habe, damit er allzeit sie, seine geistigen Brüder, sehen und sich mit ihnen besprechen könne über allerlei, was da ist und sein wird und kommen wird über den Erdboden. Allein solche Lehre von Seiten der guten Geister fruchtete bei ihm in dieser Hinsicht wenig; denn er entgegnete ihnen allzeit darauf, sagend nämlich: "Meine lieben Brüder und reineren geliebten Freunde meines und eures Herrn! Ich kann euch ein und für alle Male nichts anderes sagen, als was ich euch schon öfter gesagt habe; solches aber ist und lautet, wie ihr wisset: Wenn ich nur Ihn zu sehen bekomme und Ihn habe, dann ist mir die ganze Welt mit dem ganzen Himmel um einen schlechten Pfennig feil! Und so möget ihr reden, was und wie ihr nur immer wollt, so werdet ihr mich dennoch ewig nicht von meinem Vorhaben abbringen; denn ich will und ich muss Ihn sehen, Ihn, den allein ich nur über alles liebe! Er allein ist mir alles; alles andere aber ist mir nichts!" Sooft aber diese guten Geister von unserem Manne solche Sprache vernahmen, schlugen sie sich an die Brust und lobten ihn wegen seiner großen Liebe zu Mir. Und also war ihre Arbeit vergebens. Als sie aber solches merkten, da hielten sie sich eine Zeitlang bei seinen Besuchen dieser Stelle so fern von ihm, dass er da niemanden weiter zu sehen bekam und auch nichts anderes als das, was seine fleischlichen Augen sahen. Er ward dadurch der Meinung, als könnte ein solches Verlangen denn doch sündhaft sein, da ihn die Geister also verließen, und so dachte er wieder eines Tages lange hin und her, was er da tun solle. Sollte er entweder der Belehrung der Geister folgen, oder sollte er dem getreu bleiben, wozu ihn sein Gefühl so mächtig antrieb. Endlich siegte aber dennoch das Gefühl über alle Geister; denn er sagte bei sich selbst: "Es sei dem, wie es wolle! Dass ich vor Gott ein Sünder bin, das zeigt mir ja mein eigener Leib; denn wäre ich kein Sünder, so hätte ich auch sicher nicht dieses sündige Zeugnis des Todes um mich. Ich aber bin ein Sünder, solange ich diesen Leib umhertrage. Aber was kann der Sünder denn dafür, wenn in seinem Leibe der Geist entzündet wird von der heißen Sehnsucht, Den zu schauen, Der ihn erschuf fürs ewige Leben?! Und so will ich denn meinem ersten Vorsatze getreu bleiben, und möge da kommen, was da wolle: meine Liebe zu Gott soll dennoch nicht geschwächt werden; eher will ich mich zu Tode lieben, als von dieser Liebe nur um ein Haarbreit weichen!" Diesem Beschlusse zufolge ging unser Alter wieder fleißig an die besagte Stelle und betete noch viel inbrünstiger denn zuvor. Als unter solchen Gebeten auf diesem Berge nahezu drei Jahre vergangen waren, da kam zu unserem Manne ein anderer gut aussehender, aber sonst ärmlicher Mensch und ließ sich mit unserem Beter in folgendes Gespräch ein. Er fragte ihn: "Lieber Mann, was tust du denn hier auf dieser Höhe?" Und der Beter erwiderte ihm: "Mein guter Freund, wie du siehst: ich bete!" Wieder sagte zu ihm der Fremde: "Weißt du denn nicht, dass man nur in den Bethäusern dem Herrn dienlich betet; du aber scheinst dieselben zu meiden und verrichtest somit deine ganze Andacht nur auf diesem Berge?" Darauf erwiderte ihm unser Beter: "Lieber Freund, das ist wohl wahr; dessen ungeachtet aber gehe ich doch auch, wenn das Wetter für diese Stelle ungünstig ist, in ein Bethaus! Doch muss ich dir offen bekennen, dass ich in einem Bethause noch nie mit der wahren Andacht habe beten können, wohl aber auf dieser mir so ganz eigens heilig vorkommenden Höhe! Ich muss dir dazu noch offen bekennen: Wenn ich da um mich her blicke und schaue da das liebe Gras, die schönen Wälder, mit denen der Fuß dieses Berges so reichlich geziert ist, und über mir den weiten, freien Himmel an, da sagt mir mein inneres Gefühl: ‚Siehe, diese Verzierungen des großen Tempels Gottes sind Seiner allmächtigen Hand sicher näher als diejenigen Schnitzwerke, mit welchen ein gemauertes Bethaus geziert ist!' Nach solchen Gedanken bin ich denn wieder vollkommen in meinem Element und begebe mich auf diese meine Höhe und bete da aus dem tiefsten Grunde meines Herzens." Auf diese Äußerung sagte der Fremde: "Mein lieber Freund, in diesem Punkte bin ich mit dir vollkommen einverstanden; aber nur möchte ich von dir noch erfahren, aus welchem innern tieferen Grunde du diese Stelle ausersehen hast für deine Andacht!" Bei dieser Frage stutzte unser Beter ein wenig, bedachte sich aber doch bald und erwiderte dem Fremden: "Siehe, mein lieber Freund, manche Menschen bitten um Gesundheit, manche um Vermögen, manche um dies und manche um jenes, - allein um alles dieses bitte ich nicht; denn mir ist nur an einem alles gelegen, und dieses ist der Herr, mein Gott! Und Diesen möchte ich nur einmal sehen in diesem meinem irdischen Leben; denn dass dieses Leben für ein öfteres Sehen nicht geeignet ist, weiß ich wohl. Habe ich dieses erreicht, so habe ich mehr erreicht, als was mir alle Erde und Himmel bieten können! Daher will ich auch eher hier sterben, als von diesem meinem Vorsatze nur um ein Haarbreit abweichen; und habe ich das erreicht, so will ich dafür auf dieser Stelle Gott danken und loben mein Leben lang!" Nach diesen Worten fragte ihn der Fremde wieder: "Wie stellst du dir denn Gott vor? Denn es könnte ja sein, dass Er zu dir käme, Sich dir zeigte und mit dir redete in einer oder der andern Gestalt; wenn du Ihn aber nicht erkenntest, dann wäre ja all dein Beten umsonst, so es auch Gott, dein Herr, gar wohl erhört hätte!" Bei dieser Frage stutzte unser Beter noch mehr, und er sagte endlich zum Fremden: "Mein lieber Freund, da hast du mir wirklich etwas sehr Wichtiges gesagt; denn siehe, über diesen Punkt haben sich meine Gedanken noch nie erstreckt, und ich muss dir nun gestehen, dass ich mir darüber eigentlich gar keine Vorstellung machen kann! Mein Begriff über das Wesen Gottes ist also verworren, dass ich noch bis auf diese Stunde nicht weiß, ob es da einen Gott gibt, der ungefähr also aussieht wie ein großer Mensch, oder ob dieser Gott aus drei Menschen besteht, welche sich aber dessen ungeachtet fast also ausnehmen dürften, als hätten sie nur einen gemeinsamen Leib. Oder ist das Wesen Gottes ein unendliches Licht, in welchem diese drei göttlichen Personen schweben und wirken? Kurz und gut, lieber Freund, ich kann dir darüber fürwahr keinen vollgültigen Bescheid geben! Siehe, diese Ungewissheit war auch am meisten der Grund, warum ich mir auf dieser Höhe diese Stelle ausgesucht habe; denn ich muss dir offen gestehen, ich möchte lieber nicht sein, als also sein, dass ich nicht zur Gewissheit dessen gelangen sollte, wie gestaltet da ist Derjenige, den ich über alles liebe!" Hier erwiderte der Fremde unserm Beter wieder und fragte ihn: "Hast du denn noch nie gelesen, was Christus einst von Sich aussagte, als die Apostel Ihn angingen, dass er ihnen den Vater zeigen solle? Siehe, heißt es da nicht: ‚Ich und der Vater sind eines! Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater; denn der Vater ist in Mir und Ich im Vater?!'" Bei diesen Worten fing unser Beter ganz gewaltig an zu stutzen, und er erinnerte sich sogleich der zwei nach Emmaus wandelnden Jünger und fragte darauf etwas furchtsam den Fremden: "Lieber Freund! Sage mir, ob du nicht irgendein Eremite oder sonst ein frommer und in der Heiligen Schrift wohlunterrichteter Mann bist; denn mit solchen Worten kommt sonst kein gewöhnlicher Mann zum Vorschein!" Auf diese Frage gab der fremde Mann unserm Beter keine Antwort mehr, sondern ergriff ihn bei der Hand und hob ihn von der Erde und führte ihn dann auf die Vollhöhe des Berges. Hier erst öffnete er wieder den Mund und sagte zu unserm Beter: "Bruder, siehe, um was du drei Jahre lang flehtest, das steht jetzt vor dir; siehe, Ich allein bin der Gott Himmels und der Erde, und außer Mir gibt es keinen mehr! Bleibe Mir aber getreu in deinem Herzen, wenn du Mich auch also fürder in diesem Leben nicht mehr sehen wirst! Wie du aber jetzt Meine süße Vaterstimme hörst, so sollst du sie auch stets hören, sowohl auf dieser Höhe, wie überall, wo du dich in Meinem Namen befinden wirst! Also aber hast du das Leben gefunden, und dieses wird dir nimmerdar genommen werden. Wahrlich, Ich sage dir: Deine Seele wird nimmerdar den Tod schmecken ewig! Amen." Nach diesen Worten verschwand sogleich der hohe Fremdling, und unser Beter weinte, lobte und pries den Herrn die ganze Nacht hindurch und besuchte diese Höhe hernach noch emsiger als vorher. Sehet, auch solche wirklich wahren Tatsachen erzählen euch die Berge! Daher gehet auch ihr gern auf die Berge, oder betet zum wenigsten im Geiste auf den Bergen - welche sind ein reines Gemüt - zu Mir, so dürfte auch euch das begegnen, was unserm frommen Beter begegnet ist. (Jakob Lorber - Der Großglockner, Kap. 12) |
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Die Geschichte vom "heiligen Mann"
Vor langer, langer Zeit lebte ein heiliger Mann, der von solcher Herzensgüte war, dass die Engel vom Himmel herniederkamen, um zu ergründen, wie jemand derart gut und fromm sein könne. Der heilige Mann ging einfach seinen Aufgaben im täglichen Leben nach und strahlte dabei gegenüber allen Lebewesen Liebe und Wohlwollen aus, wie die Sterne Licht und die Blumen Duft ausstrahlen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Zwei Worte beherrschten seinen Tag: Er gab und er vergab. Doch diese Worte kamen nie über seine Lippen; sie drückten sich in seinem gütigen Lächeln, seiner Liebe, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus. Die Engel sagten zu Gott: "O Herr, gewähre ihm die Gabe, Wunder zu wirken!" Gott antwortete: "Es sei. Fragt ihn doch, was er sich wünscht." "Was also wünschst du dir?" riefen die Engel. "Was sollte ich mir wünschen?" entgegnete der heilige Mann lächelnd: "Dass Gott mir seine Gnade schenkt. Besäße ich damit nicht alles?" Die Engel drängten: "Du musst dir ein Wunder wünschen, sonst wird dir eines aufgezwungen." "Dann wünsche ich mir", sagte der heilige Mann, "dass ich viel Gutes tun kann, ohne es je zu wissen." Die Engel waren verblüfft. Sie berieten untereinander. Doch sie fanden eine gute Lösung: Jedes Mal, wenn der Schatten des heiligen Mannes hinter oder neben ihn fiel, wo er ihn ja nicht sehen konnte, sollte dieser Schatten die Kraft haben, Krankheit zu heilen, Schmerz zu lindern und Trauer wegzuwischen. Und so geschah es. Wo immer der heilige Mann ging, erblühten Blumen am Wegrand, sprudelten in vertrockneten Bachbetten klare Wasser, grünten die Wiesen. Sein Schatten verlieh blassen Kindern frische Farben und schenkte unglücklichen Menschen Fröhlichkeit. Der heilige Mann ging einfach seinen Aufgaben im täglichen Leben nach und strahlte dabei gegenüber allen Lebewesen Liebe und Wohlwollen aus, wie die Sterne Licht und die Blumen Duft ausstrahlen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Den Menschen fiel seine große Bescheidenheit auf. Doch nie sprachen sie über die Wunder, die er wirkte. Im Laufe der Zeit vergaßen sie seinen Namen, und sie nannten ihn nur noch den "heiligen Mann". |
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Vom Loslassen
Auf seiner Wanderschaft hatte ein Mönch ein Dorf erreicht. Er ließ sich am Dorfrand unter einem Baum nieder, um zu übernachten. Plötzlich kam ein Dorfbewohner angerannt und rief: "Der Stein! Gib mir den kostbaren Stein!" "Welchen Stein?", fragte der Mönch. "Ich träumte vergangene Nacht, dass ich am Dorfrand einen Mönch finden werde, der mir einen Stein gibt, mit dem ich für immer reich werde." Der Mönch durchwühlte seinen kleinen Vorratsbeutel und zog schließlich einen Stein hervor. "Wahrscheinlich meinst du diesen. Nimm ihn. Ich fand ihn vor einiger Zeit auf einem Feldweg." Staunend betrachtete der Dorfbewohner den Stein. Es war ein Diamant, der in allen Farben leuchtete. Er ging nach Hause. Die ganze Nacht konnte er nicht schlafen. Er wälzte sich von einer Seite zur anderen. Am anderen Morgen stand er auf, ging zu dem Mönch und sagte: "Schenk mir den Reichtum, der es dir ermöglicht, diesen Diamanten so leichten Herzens loszulassen." Wer leichten Herzens, nicht leichtfertig und unüberlegt, Kostbares abgeben und loslassen kann, besitzt inneren Reichtum, den halten nicht Ehrgeiz, Geldgier und Eitelkeit gefangen, der ist gelassen. |
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In Gottes Gegenwart
Ich erinnere mich, dass unter den Ratsuchenden, die zu mir kamen, eine alte Dame war, die klagte: "Vierzehn Jahre lang habe ich fast ununterbrochen gebetet, doch nie habe ich ein Gefühl von der Gegenwart Gottes gehabt." Da fragte ich sie: "Haben Sie Ihm Gelegenheit gegeben, ein Wort einzuwerfen?" "Wie das?", entgegnete sie. "Nein, ich habe die ganze Zeit zu Ihm gesprochen, ist das nicht etwa Beten?" - "Nein", sagte ich, "ich glaube nicht, und was ich ihnen empfehle, das ist, dass sie sich täglich eine Viertelstunde nehmen sollten und einfach dasitzen vor dem Angesichte Gottes." So machte sie es. Und was war das Ergebnis? Schon bald kam sie wieder und sagte: "Es ist merkwürdig: Wenn ich zu Gott bete, indem ich spreche, fühle ich nichts; doch wenn ich still dasitze, Ihm gegenüber, dann fühle ich mich in Seine Gegenwart eingehüllt." Metropolit Anthony Bloom |
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Der steinige Acker
"Ein Mensch hatte irgend einen steinigen Acker und reinigte diesen mit viel Mühe und Fleiß von den Steinen; aber er beachtete dabei folgende gute Ordnung: Zuerst sammelte er die größten Steine vom Acker und legte sie außerhalb des Ackers in einen regelmäßigen und winkelrechten Haufen. Darauf sammelte er die weniger großen und legte sie in einen zweiten ebenso winkelrechten Haufen. Und also verfuhr er mit den übrigen, natürlich stets kleineren Steingattungen und erzeugte sonach zehn Steinhaufen, von denen jeder ganz gleichgroße Steine enthielt. Nun sagten die nachbarlichen Leute, die das sahen und ihre Äcker nicht auf solche Weise von den Steinen reinigten, sondern die Steine groß und klein nur in ganz ungeschickte Haufen untereinander zusammenwarfen: ,Da sehet den Narren an, was er mit den Steinen für ein Spiel hat!' Es zog aber in Kürze dieselbe Straße, die an diesem Acker vorbeiführte, ein Baumeister, der zu einem Gebäude Steine suchte. Als dieser hier die zehn geordneten Haufen sah, ging er hin und kaufte sie alle dem von seinen Nachbarn erklärten Narren um vierzig Silbergroschen ab; denn er konnte sie also geordnet sogleich recht gut brauchen. Als die Nachbarn das merkten, so kamen sie auch herbei und sprachen: ,Herr, warum kamst du denn nicht zu uns? Sieh, wir haben dieselben Steine und gäben sie dir um wenige Groschen, während du hier die gleichen Steine um vierzig Silbergroschen gekauft hast!' Der Baumeister aber sprach: ,Eure Steine müsste ich erst ordnen, was mir viel Arbeit, Zeit und Mühe machen würde; diese aber sind schon also geordnet, wie ich sie gerade jetzt brauche, und so überzahle ich diese lieber, als dass ich die eurigen umsonst annähme!' Nun fingen freilich die Nachbarn an, auch ihre Steinhaufen zu ordnen; aber es war zu spät! Denn der Baumeister hatte an denen genug, die er vom ersten gekauft hatte, und die Nachbarn hatten sich nichts als eine vergebliche Mühe gemacht! Darum seid allzeit und in allem in der besten Ordnung! Wenn dann ein Gewinnbringer kommt, so wird er sicher allda zuerst zugreifen, wo er die beste Ordnung antreffen wird! Eine spätere Mühe ist oft und vielmals vergeblich! Begreifst du dies Bild?" (Gr.Ev.Joh. Bd.1 Kap.92,4-7) |
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Weihnachtsfabel der Tiere
Die Tiere disputierten einmal über Weihnachten. Sie stritten, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei. "Na klar, Gänsebraten", sagte der Fuchs. "Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?" "Schnee", sagte der Eisbär. "Viel Schnee." Und er schwärmte verzückt von der weißen Weihnacht. Das Reh sagte: "Ich brauche aber einen Tannenbaum, sonst kann ich nicht Weihnachten feiern." "Aber nicht so viele Kerzen", heulte die Eule. "Schön schummrig und gemütlich muss es sein. Stimmung ist die Hauptsache." "Aber mein neues Kleid muss man sehen", sagte der Pfau. "Wenn ich kein neues Kleid kriege, ist für mich kein Weihnachten." "Und Schmuck!" krächzte die Elster. "Jede Weihnachten bekomme ich was: einen Ring, ein Armband. Oder eine Brosche oder eine Kette. Das ist für mich das Allerschönste an Weihnachten." "Na, aber bitte den Stollen nicht vergessen", brummte der Bär, "das ist doch die Hauptsache. Wenn es den nicht gibt und all die süßen Sachen, verzichte ich auf Weihnachten." "Mach's wie ich," sagte der Dachs, "pennen, pennen, pennen. Das ist das Wahre. Weihnachten heißt für mich: Mal richtig pennen." "Und saufen", ergänzte der Ochse. "Mal richtig einen saufen - und dann pennen." Aber da schrie er "aua", denn der Esel hatte ihm einen gewaltigen Tritt versetzt. "Du Ochse du, denkst du denn nicht an das Kind?" Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: "Das Kind. Jaja, das Kind - das ist doch die Hauptsache." "Übrigens", fragte er dann den Esel, "wissen das eigentlich die Menschen?" |
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Aber der Stall war leer
Eine Legende aus dem alten Russland erzählt vom Mütterchen Babuschka, das sich in einer kalten Winternacht gerade anschickt, ins warme Bett zu schlüpfen, als es heftig an die Tür klopft. Sie hört nicht drauf, und das Klopfen wird lauter. Schließlich öffnet sie einen Spalt breit die Tür. Draußen stehen Hirten, mit roten Nasen und Schnee im Haar. Ihre Bärte sind vereist. Aufgeregt erzählen sie Mütterchen von einem königlichen Kind, das nicht weit entfernt in eben dieser Nacht geboren wurde. "Komm schnell, Babuschka", sagt der ältere, "komm schnell, du kannst mit Kindern umgehen." Babuschka schüttelt den Kopf. Zu warm ist das Bett, und zu kalt pfeift der Wind durch den Türspalt. "Morgen", sagt das Mütterchen, "wartet bis morgen." Die Hirten lassen es dabei bewenden und ziehen ab. Kurz darauf klopfen sie wieder an die Tür. Um einen Korb betteln sie, um etwas Fleisch oder Brot. Sie wollen es selbst zum Kind bringen. "Morgen", sagt Babuschka. Am nächsten Tag hält sie tatsächlich ihr Wort. Sie packt einen Beutel mit Nahrung und Geschenken: einen weichen Schal für die Frau, einen silbernen Löffel für den Jungen, Spielzeug und Schachfiguren aus Elfenbein. Aber als sie ankommt, ist der Stall leer. Der Stall ist leer. |
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Christus auf der Bühne in Moskau
Im Moskauer Staatstheater sollte die Premiere des antireligiösen Stückes ‚Christus im Frack' stattfinden. Schulen, Jugendorganisationen und Jungarbeiter sollten das Stück in ihr Kulturprogramm aufnehmen und diskutieren. Die Hauptrolle des Christus spielte der berühmte Schauspieler und Kommunist Alexander Rostowzew. Kein Wunder: Das Theater war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Auf der Bühne stand ein "Altar" - mit Schnaps- und Bierflaschen übersät. Betrunkene und grölende Popen, Nonnen und Mönche bewegten sich um diese Bartheke. Zu Beginn des zweiten Aktes betritt Rostowzew die Bühne. In seinen Händen hält er die Heilige Schrift. Laut Regieanweisung hat er mit Witzen und Späßen die Zuschauer zu Lachstürmen hinzureißen. Alles, was mit Dummheit und Aberglauben zusammenhängt, ist hineingepackt. Nach Verlesen der ersten beiden Verse aus der Bergpredigt soll der Schauspieler in den Ruf ausbrechen: "Reicht mir Frack und Zylinder!" Rostowzew beginnt und liest: "Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden." Der Regisseur schmunzelt hinter den Kulissen in sich hinein: In wenigen Augenblicken werden die Lachstürme losbrechen. Aber nichts von dem geschieht. Rostowzew liest weiter: "Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.!" Das Publikum rührt sich nicht. Es spürt sofort, dass in dem Schauspieler etwas vorgeht. Alle halten den Atem an. Dann, nach kurzer Unterbrechung, liest er weiter. Mit einem anderen Klang in der Stimme. Totenstille. Der Staatsschauspieler tritt mit der Hl. Schrift an die Rampe, schaut wie gebannt in das Buch und liest . . . und liest . . . alle 48 Verse des 5. Kapitels des Matthäus-Evangeliums. Niemand unterbricht ihn. Sie lauschen - als stünde Jesus selber vor ihnen. Dann kommt es leise von seinen Lippen: "Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist!" Rostowzew schließt das Buch. Es sieht so aus, als tue er damit auch etwas Endgültiges für sein Leben. Er bekreuzigt sich nach orthodoxer Art und spricht laut und vernehmbar die Worte des Schächers am Kreuz: "Herr, gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!" Niemand schrie oder pfiff oder protestierte. Stumm verließen alle das Theater. Es war wie nach einem Gewitter: Der Blitz hatte eingeschlagen und alle getroffen. Das Stück kam nie zur Aufführung. Und Rostowzew war nach jenem Premierenabend für immer verschwunden. |
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Himmel oder Hölle?
Nachdem der Mann gestorben war, fand er sich an einem wunderschönen Ort wieder. Ein anderer Mann in edler Kleidung kam auf ihn zu und sagte: "Ich stehe zu Ihrer Verfügung. Sie können alles haben, was Sie sich wünschen - alle erdenklichen Speisen und alle Besitztümer." Der Mann freute sich und genoss die leckersten Speisen und all seinen neuen Besitz. Nach einiger Zeit wurde es ihm langweilig und er rief den Mann in der edlen Kleidung zu sich. "Ich mag nichts Neues besitzen und ich mag auch nicht mehr essen. Ich brauche eine Aufgabe. Sag, welche Arbeit kannst du mir geben?" Da schüttelte der andere langsam den Kopf und sprach: "Es tut mir leid, aber diesen Wunsch kann ich Ihnen nicht erfüllen, denn es gibt hier keine Arbeit für Sie." Darauf rief der Mann: "Aber was soll ich denn tun? Ebenso gut könnte ich in der Hölle schmoren!" Der andere antwortete leise: "Was glauben Sie, wo Sie hier sind?!" |
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Begegnung im Vatikan
Hier ist die Macht und dort die Liebe. Entscheidet euch: Es gibt kein Drittes. Aufgestemmt gegen die Halle des Himmels, steinern und bleich im unendlichen Blau glänzt jener Fels des Papstes im All. Marmorn leuchtet der Welt-Thron der Kirche. Es ist die Mitte des zweiten Jahrtausends. Und trotzend wehrt sich der Geist im Norden und will nicht knien vor den fernen Gewalten. Der Bannstrahl wettert über die Alpen und glüht sich versengend ins Herz der Völker und keilt die erblutete Einheit entzwei. Der Papst berief die gefürsteten Knechte; der Kardinäle Rat hat ausgetagt. Die Marmorstufen des Vatikans wogt die purpurne Sänfte des Heiligen Vaters herab. Der Stellvertreter Gottes auf Erden, umstrahlt vom Glanz seiner Herrlichkeit, teilt den geliehenen Segen des Heilands aus, und brünstig küssen ihm Pilger den Ring. Das starre Lächeln des Mächtigen stirbt: die Hand berührte ein blutendes Haupt und ritzte sich wund an der Krone aus Dornen. Denn einsam unter den süchtigen Pilgern schleppt dort ein Stolzer sein hölzernes Kreuz zum Prachtsitz der Päpste hinauf, dürftig gekleidet, blutig und fremd. Ein Dornkranz krönt höhnisch die bleiche Stirn. In heiligem Ernst schauen verwundete Augen durch die Maske des Papstes hindurch in das Fernste. "Wer bist du, Mensch?" - Der Papst fragt wie der ewige Römer Pilatus. Schweigen wird ihm zur Antwort. Der Fremde bleibt stehen und blickt majestätisch ins glühende Auge des Fürsten der Welt. Ein Schweizer der päpstlichen Wache drängt sich hinauf und gibt den Bericht: "Christus", so hat sich der Fremde genannt. Ein Irrer sei es, ein Narr seines Glaubens; man sprach in Florenz schon von ihm. Er schleppe sein Kreuz schon von Golgatha und sei nun am Ziel seines Wahns. Man ließ ihn hindurch zum Vater der Christen. Die heilige Macht dieses Orts mag ihn heilen. Beschämt hört der Papst das Geschehen und winkt, den Mann zu entfernen. Man nimmt ihm das Kreuz von der Schulter; doch hält er es fest, und sie lassen es ihm. Und immer noch blickt das Auge des Fremden dem Herren der Kirche ins machtvolle Antlitz. Der Papst kann dem Bann dieses Blickes nicht weichen. Es zwingt ihn, leise zu fragen: "Was sollte das Kreuz? Was wolltest du hier?" Des Fremden Stimme tönt aus dem Fernsten, wie aus der ewigen Heimat der Sterne: "Mich sandte der Vater. Ich bringe das Kreuz her von Golgatha zum allerfernsten Jünger des Heilands. Denn es kommt die Zeit des Gerichts, da wird man schreien im Vatikan nach jenem Kreuz aus der inneren Welt, das man um diesen Glanz hier verlor. Dann soll es sühnen der letzte Papst, was die erhobenen Ahnen verbrächen. Das göttliche Reich des missbrauchten Meisters wasche er rein mit dem Blut seines Lebens, das Salz seiner Tränen netze das Kreuz. Dann trägt der letzte Papst in Not und Demut sein schweres Kreuz von Rom nach Golgatha, dass er gekreuzigt werde von der Meute, nachduldend die Schmerzen des Meisters, und niederfahre zur Hölle, um aufzuerstehen vom Tode und aufzufahren zur blauen Halle des Vaters, die höher sich wölbt und heiliger strahlt als der Peterskirche trotzende Kuppel". Wie angewurzelt blickt der Papst aufs Kreuz; sein bleicher Mund erstarrt im Bann des Richters und lautlos sinkt er in die Kissen. In Ohnmacht liegt der Herr der rechten Christenheit. Man trägt ihn fort und ruft den Arzt. Der Fremde mit dem Kreuz ist unsichtbar geworden. Kein Mensch hat ihn entschwinden sehn. Es murmeln sich seitdem die Schweizer Garden, wenn sie des Nachts sehr einsam sind, die todesernste Sage zu von jenem Kreuz aus Holz, das irgendwo im Vatikane schlummert, bis es der letzte Papst ergreift: zum Gang zurück nach Golgatha. (Gerhard Eschenhagen - Dass wir noch leben dürfen, Turm-Verlag) |
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Gleichnis vom lästigen Bittsteller
"Es war ein Mensch, den es in der Nacht auf dem Wege sehr zu hungern begann. Da kam er nahe in der Mitternachtsstunde in einen Ort. Da war ein Haus, das einer Herberge glich, aber alles schlief schon im Hause. Der Wanderer aber fing an die Haustür und auch an die Fenster zu pochen an, und da er eine Zeitlang pochte, so ward der Herr der Herberge wach, ging ans Fenster und fragte mit unwilliger Stimme den späten Wanderer, was es denn sei, darum er in so später Nachtstunde gar so unverschämt an Türen und Fenster poche. Der Wanderer aber sagte: ,O Herr, ich komme weiten Weges, habe den ganzen Tag über nichts zu essen und zu trinken bekommen, da auf dem ganzen Wege durch die Wüste kein Haus und keine Herberge anzutreffen war; darum bitte ich dich, dass du dich nun meiner erbarmen und mir ein Brot geben möchtest, dass ich mich sättigen und stärken kann, sonst verschmachte ich!' Da sprach der Herr der Herberge: ,Was fällt dir denn ein, in so später Stunde der Nacht von mir ein Brot zu verlangen! Warte, bis der Tag kommen wird!' Der Wanderer aber ließ sich mit diesem Bescheide nicht abfertigen, sondern bat den Herbergsherrn noch viel mehr und um vieles dringender um Brot. Da gab der Herbergsherr denn doch nach, - und so er dem Wanderer gewisserart auch nicht aus Erbarmung das verlangte Brot gab, so gab er es ihm doch des in so später Nacht unverschämten Bittens wegen. Und sehet, aus diesem Bilde könnet ihr entnehmen, wie ein Mensch, der seinen ganzen Erdenlebenstag auf ödem Wege durch die Wüste des weltlichen Irrsals sicher kein Brot zum Leben seiner Seele finden und bekommen konnte, dabei in die tiefe Lebensnacht hineinkommend, am Ende doch noch in der Nacht, dieweil er doch den Weg fortwanderte, an eine Herberge kam, von der er wenigstens dahin überzeugt war, dass sich darin ein Brot des Lebens vorfinden werde! Da fing er denn auch an zu pochen und zu bitten, und es ward ihm am Ende seiner Zeit doch noch zuteil, was er in der Wüste der Welt lange vergeblich gesucht hatte. Und sehet, das heißt denn in diesen Tagen und noch mehr in den künftigen finsteren Zeiten das Reich Gottes mit Gewalt an sich reißen; denn wer da suchen wird, der wird auch finden, so er auf dem noch so öden Wege nicht stehen bleibt. Wer an die Türe pochen wird, wenn auch schon in der Nacht, dem soll dennoch aufgetan werden, und wer da bitten wird mit Beharrlichkeit, dem wird auch gegeben werden, um was er gebeten hat!" (Gr.Ev.Joh. Bd.8, Kap. 104,1-8) |
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Der unheimliche Auftrag: Stehlt die Zeit
Der Teufel hatte eine weltweite Versammlung einberufen. In der Eröffnungsansprache sagte er zu seinen Dämonen: "Wir können die Christen nicht davon abhalten, in die Gemeinde zu gehen. Wir können sie auch nicht davon abhalten die Bibel zu lesen und dadurch die Wahrheit zu erkennen. Wir können sie aber davon abhalten, dass sie eine persönliche Beziehung, voller Liebe, zu Jesus entwickeln und beten. Wenn sie dieses Verhältnis zu ihm gewinnen, ist unsere Macht über sie gebrochen. Und wenn sie beten, sind wir in Gefahr. Also, lasst sie in ihre Gemeinden gehen. Lasst ihnen ihren Lebensstil, aber stehlt ihre Zeit, so dass sie diese Liebebeziehung zu Jesus Christus nicht aufbauen können - und auf keinen Fall - beten! Das ist mein Auftrag an Euch, die Engel der Unterwelt. Lenkt sie davon ab!" "Wie sollen wir das anstellen?" fragten seine Dämonen. "Beschäftigt sie ständig mit der ganzen Fülle unwichtiger Nebensächlichkeiten des alltäglichen Lebens und denkt Euch immer wieder etwas Neues aus, um ihre Gedanken zu beherrschen", antwortete der Teufel. "Verleitet sie dazu, dass sie viel ausgeben, viel verbrauchen und verschwenden, viel ausleihen und auch wiederum ausborgen. Überredet die Ehefrauen, sich ganz auf ihren Job zu konzentrieren und unendliche Stunden an ihrem Arbeitsplatz zu verbringen. Und überzeugt die Ehemänner davon, jede Woche sechs, am besten sieben Tage zu arbeiten, jeden Tag 10 bis 12 Stunden. Nur so können sie sich ihren sinnlosen Lebensstil leisten. Haltet sie davon ab, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und für sie zu beten. Wenn ihre Familien schließlich auseinander gebrochen sind, wird ihr Zuhause keinen Schutz mehr bieten. Stopft ihre Köpfe so voll, dass sie die sanfte leise Stimme des Heiligen Geistes nicht mehr hören können. Verführt sie dazu, ständig das Radio oder den Kassettenrekorder einzuschalten, wenn sie Autofahren. Seht zu, dass unermüdlich der Fernseher, der Videorecorder, der CD-Player und die Computer in ihrer Nähe laufen. Und passt auf, dass in keinem Geschäft und in keinem Restaurant dieser Welt irgendwann während des Tages oder der Nacht etwa eine schöne und harmonische Musik zu hören ist, bombardiert sie vielmehr mit zotiger und aufpeitschender Musik, so laut ihr könnt. Das wird allmählich ihre Gedanken vergiften, und die Einheit und Verbundenheit mit dem Reich Gottes und Christus zerstören. Überschwemmt die Frühstückstische mit Zeitungen und Zeitschriften. Hämmert ihnen 24 Stunden lang am Tag die neuesten Nachrichten ein. Bedeckt die Straßen mit Schildern und Plakaten für irgendwelche Produkte, und redet ihnen ein, dass sie diese unbedingt zum glücklich sein brauchen. Überflutet ihre Briefkästen mit Werbung, mit Angeboten, von Gratis-Produkten und Diensten, die falsche Hoffnungen hervorrufen. Bildet in den Zeitschriften und auf den Titelseiten schöne, gut geformte Models ab, damit die Ehemänner immer mehr glauben, dass äußere Schönheit entscheidend ist und sie ihre Frauen unattraktiv finden. Auch das wird dazu beitragen, die Familien ganz schnell zu zerstören. Lasst sie auch nicht im Urlaub zur Ruhe kommen. Gebt Euch alle Mühe sie ständig abzulenken und zu beschäftigen, so dass sie erschöpft und voller Unruhe zurück zu ihrer Arbeit gehen. Seht zu, dass sie sich nicht durch Spaziergänge und Wanderungen an der Natur erfreuen und auf keinen Fall etwa Gottes Schöpfung bewundern. Schickt sie stattdessen in Vergnügungsparks, Discos, in Sportveranstaltungen, Konzerte und ins Kino. Euer Ziel muss sein, dass sie beschäftigt, beschäftigt und noch einmal beschäftigt sind. Dass sie nur ja keine Zeit mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und mit Gott verbringen. Und wenn sie sich mit anderen Christen treffen, dann lasst sie nicht über Gott sprechen, sondern füllt ihre Gespräche mit Klatsch und Small Talk, so dass sie sich mit einem schlechten Gewissen und unguten Gefühl verabschieden. Vor allem sage ich euch immer wieder, haltet sie davon ab, dass sie Zeit zum Beten finden, Zeit, um Gott zu loben und zu preisen. Ich kann das Gejaule nicht ausstehen, es macht mich wahnsinnig!" Lasst ja nicht ab in Euren Bemühungen. Sie müssen immerzu überbeschäftigt sein, damit sie keine Evangelisation veranstalten und Seelen für Gott gewinnen können. Liefert ihnen für diesen angeblichen Mangel an Zeit so viele gute Entschuldigungen, dass sie sich keine Kraft mehr von Gott holen. Bald werden sie aus ihrer eigenen Kraft leben und ihre Gesundheit, ihre Familie und Gott für die Sicherheit, das Ansehen vor der Welt und ein gutes Gehalt opfern. Es wird funktionieren!" Es war ein tolles Treffen. Die Dämonen gingen eifrig an ihren Auftrag, die Christen überall auf der Welt, noch mehr als bisher zu beschäftigen und zu jagen. Ihnen noch mehr einzuflüstern, sie müssten hierhin und dorthin rennen. Was meinst Du? Bei wem war und ist der Teufel mit diesem Konzept erfolgreich? Vielleicht auch bei Dir? Du schüttelst empört mit dem Kopf? Aber frage dich ehrlich, wem dienst du wirklich mit deiner ganzen Geschäftigkeit??? |
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Sehnsucht nach Gott
Ein junger Jude kommt zu einem Rabbi und sagt: "Ich möchte gerne Dein Jünger werden". Da antwortete ihm der Rabbi: "Gut, das kannst Du, aber ich habe eine Bedingung. Du musst mir eine Frage beantworten. "Liebst Du Gott?" Da wurde der Schüler nachdenklich: "Lieben? Das kann ich eigentlich nicht behaupten!" Der Rabbi sagte freundlich: "Gut, wenn Du Gott nicht liebst, hast Du vielleicht Sehnsucht danach, ihn zu lieben?" Der Schüler überlegte eine Weile und erklärte dann: "Manchmal spüre ich die Sehnsucht danach, Ihn zu lieben recht deutlich, aber meistens habe ich so vieles zu tun, dass diese Sehnsucht im Alltag untergeht!" Da zögerte der Rabbi und meinte dann: "Wenn Du die Sehnsucht, Gott zu lieben, nicht so deutlich verspürst, hast Du dann Sehnsucht danach, Sehnsucht zu haben?" Da hellte sich das Gesicht des Schülers auf: "Genau das habe ich. Ich sehne mich danach, diese Sehnsucht zu haben, Gott zu lieben!" Der Rabbi entgegnete ihm darauf: "Das genügt, Du bist auf dem rechten Weg!" |
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Zwei Mönche
Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluss. Dort stand eine junge Frau mit wunderschönen Kleidern. Offenbar wollte sie über den Fluss, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen. Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab. Nachdem der andere Mönch auch durch den Fluss gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort. Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren: "Du weißt schon, dass das, was Du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest Du nur gegen diese Regel verstoßen?" Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an. Dann antwortete er: "Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt - warum trägst Du sie immer noch mit Dir herum?" |
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Gibt es die vollkommene Kirche
Zum weisen Einsiedler kam eines Tages ein junger Mensch und sagte, er sei von der Kirche enttäuscht und suche die vollkommene Gemeinschaft der Gläubigen. Da führte ihn der Alte zum Mauerwerk seiner kleinen Kapelle und fragte ihn: "Sag mir, was du siehst." - "Ich sehe ein altes Gemäuer mit viel Unkraut und Moos," entgegnete der Besucher. "Und dort wohnt Gott in diesem scheinbar ungepflegten Haus", meinte der Einsiedler. "So ist es auch mit der Kirche. Sie kann nicht rein und perfekt sein, weil sie aus Menschen besteht. Auch du bist ein Mensch und ich sage dir: Selbst wenn du die vollkommene Kirche findest, wird sie es in dem Augenblick nicht mehr sein, in dem du ihr beitrittst." |
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Der Messias ist unter Euch
Ein in seiner Klause meditierender weiser Einsiedler öffnete die Augen und erblickte einen unerwarteten Besucher - den Abt eines wohlbekannten Klosters. "Was sucht ihr", fragte der Weise. Der Abt erzählte eine leidvolle Geschichte. Sein Kloster war einst in der ganzen westlichen Welt berühmt. Junge Aspiranten füllten die Zellen und seine Kirche hallte wider vom Gesang der Mönche. Aber das Kloster hatte schwere Zeiten durchzumachen. Die Menschen strömten nicht mehr herbei um geistige Nahrung aufzunehmen, der Zustrom junger Aspiranten war versiegt, in der Kirche war es still geworden. Nur ein paar Mönche waren geblieben, und sie gingen schweren Herzens ihren Aufgaben nach. Der Abt wollte nun wissen: "Ist das Kloster um unserer Sünde willen in einen solchen Zustand verfallen?" "Ja", sagte der Einsiedler, "die Sünde der Ahnungslosigkeit." "Und was ist das für eine Sünde?" "Einer von euch ist der Messias - verkleidet - und ihr merkt es nicht." Nachdem er das gesagt hatte, schloss der Einsiedler die Augen und versank wieder in Meditation. Während der beschwerlichen Rückreise zum Kloster schlug das Herz des Abtes bei dem Gedanken, dass der Messias - der Messias in Person - auf die Erde zurückgekehrt war und sich in seinem Kloster befand. War es möglich, dass er ihn nicht erkannt hatte? Und wer konnte es sein? Der Bruder Koch? Der Bruder Sakristan? Der Bruder Verwalter? Der Bruder Prior? Nein, er hatte leider zu viele Fehler. Aber der Meister hatte doch gesagt, der Messias wäre da in Verkleidung. Konnten gerade diese Fehler seine Verkleidung sein? Bei genauerer Überlegung hatte jeder im Kloster seine Fehler. Und einer von ihnen musste der Messias sein. Als er wieder im Kloster war, versammelte er die Mönche und sagte ihnen, was er gehört hatte. Der Messias? Hier? Unglaublich! Wenn es nun der und der wäre? Oder der dort drüben? Oder … Eine Sache war sicher: wenn der Messias sich hier verkleidet befand, war es nicht wahrscheinlich, dass sie ihn erkennen würden. Also ließen sie es sich angelegen sein, jeden respektvoll und mit Rücksicht zu behandeln. "Man kann nie wissen"; sagten sie sich, wenn sie miteinander zu tun hatten, "Vielleicht ist es gerade der." Die Folge war, dass im Kloster eine ansteckend fröhliche Stimmung herrschte. Aspiranten bemühten sich bald wieder um Aufnahme in den Orden und erneut hallte die Kirche wider von dem frommen und frohgemuten Gesang der Mönche, die vom Geist der Liebe beseelt waren. |
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Wer ist der Blinde!
Ein junger Mann, blind von Geburt, verliebte sich in ein Mädchen. Alles ging gut, bis ihm ein Freund sagte, dass das Mädchen nicht sehr hübsch war. Von da an verlor er jedes Interesse an ihr. Schlimm genug! Er hatte sie richtig "gesehen", der Freund war blind gewesen. |
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An uns liegt es
Ein Wanderer: "Wie wird das Wetter heute?" Der Schäfer: "So, wie ich es gerne habe." "Woher wisst Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?" "Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag." |
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Nicht alles auf einmal
Ein Prediger kam in einen Saal, um zu sprechen. Der Saal war leer, bis auf einen jungen Stallmeister, der in der ersten Reihe saß. Der Prediger überlegte sich: "Soll ich sprechen oder es lieber bleiben lassen?" Schließlich fragte er den Stallmeister: "Es ist niemand außer dir da, soll ich deiner Meinung nach sprechen oder nicht?" Der Stallmeister antwortete: "Herr, ich bin ein einfacher Mann, davon verstehe ich nichts. Aber wenn ich in einen Stall komme und sehe, dass alle Pferde weggelaufen sind und nur ein einziges dageblieben ist, werde ich es trotzdem füttern." Der Prediger nahm sich das zu Herzen und begann seine Predigt. Er sprach über zwei Stunden lang. Danach fühlte er sich sehr erleichtert und glücklich und wollte durch den Zuhörer bestätigt wissen, wie gut seine Rede war. Er fragte: "Wie hat dir meine Predigt gefallen?" Der Stallmeister antwortete: "Ich habe bereits gesagt, dass ich ein einfacher Mann bin und von so etwas nicht viel verstehe. Aber wenn ich in einen Stall komme und sehe, dass alle Pferde außer einem weggelaufen sind, werde ich es trotzdem füttern. Ich würde ihm aber nicht das ganze Futter geben, das für alle Pferde gedacht war." |
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Wie man mit dem Herzen betet
Wie man mit dem Herzen betet, zeigt dieses beeindruckende Beispiel eines einfachen Clochard aus Paris, wie es in einer Pariser Lokalzeitung abgedruckt wurde: "Paul verbrachte die meiste Zeit im Freien. Er hatte eine große Vorliebe für die Kirche St. Jakob in Paris, an deren Eingangstor er um Almosen bettelte. Die Weinflasche war ihm eine treue Begleiterin, und die Leberzirrhose und andere Krankheiten fraßen an ihm. Seine Gesichtsfarbe ließ nichts Gutes ahnen, und die Leute dieses Wohnviertels warteten nur noch darauf, dass er von heute auf morgen nicht mehr da wäre, ohne sich jedoch besonders für ihn zu interessieren. Doch da war eine gute Seele in der Gemeinde, Frau N. Sie war sehr traurig darüber, ihn so schrecklich allein zu sehen und sprach daher öfter mit ihm. Sie hatte bemerkt, dass Paul am Morgen seinen Stammplatz am Eingangsportal eine Zeitlang verließ und in die Kirche ging. Dort setzte er sich auf einen Stuhl in der ersten Reihe, direkt vor dem Tabernakel. Einfach so ... scheinbar, ohne etwas zu tun. Eines Tages fragte ihn Frau N.: "Ich habe gesehen, dass du oft in die Kirche gehst. Was machst du denn, wenn du eine Stunde dort sitzt, einfach so, ohne etwas zu tun? Du hast weder einen Rosenkranz noch ein Gebetbuch, und manchmal nickst du nur ein bisschen ein. Was machst du da? Betest du?" "Wie soll ich denn beten können! Seit der Zeit, als ich noch klein war und in den Religionsunterricht ging, habe ich alle Gebete vergessen. Ich kann keines mehr! Was ich da mache? Das ist ganz einfach: Ich gehe zum Tabernakel, dort wo Jesus ganz allein in Seinem Häuschen wohnt, und sage zu ihm: "Jesus, ich bin's, Paul! Ich komme Dich besuchen!", und dann bleibe ich noch ein bisschen, damit halt jemand da ist." Frau N. bringt keinen Ton heraus. Sie vergisst nicht, was sie gerade gehört hat. Die Tage vergehen, einer gleicht dem anderen. Aber, was kommen musste, kam: Eines Tages ist Paul vom Eingangsportal verschwunden. War er krank? Vielleicht gestorben? Sie erkundigt sich und findet seine Spur im Krankenhaus wieder. Sie geht ihn besuchen. Dem armen Paul geht es sehr schlecht, er hängt an vielen Schläuchen und hat diese für Sterbende typische graue Gesichtsfarbe. Die ärztliche Prognose könnte nicht schlechter sein. Am nächsten Tag kommt Frau N. wieder und ist schon darauf gefasst, die traurige Nachricht zu bekommen. Aber nein! Paul sitzt ganz aufrecht in seinem Bett, ist frisch rasiert, hat einen lebendigen Blick und sieht völlig verwandelt aus! Ein Ausdruck unbeschreiblichen Glücks strahlt aus seinem leuchtendem Gesicht. Madame N. reibt sich die Augen ... Doch, er ist es wirklich! "Paul, das ist unglaublich, du bist ja auferstanden! Du bist nicht mehr derselbe, was ist nur mit dir passiert?" "Na, ja, es war heute morgen, da ging es mir gar nicht gut; dann habe ich plötzlich jemand hier am Fußende meine Bettes stehen sehen. Er war schön, unbeschreiblich schön ... Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Er lächelte mich an und sagte: "Paul! Ich bin's, Jesus! Ich komme dich besuchen!" |
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Erprobte Zuneigung
Eine arabische Prinzessin hatte es sich in den Kopf gesetzt, einen ihrer Sklaven zu heiraten. Der König konnte tun oder sagen, was er wollte, nichts konnte das Mädchen von ihrem Entschluss abbringen. Und auch die königlichen Ratgeber wussten keinen Rat. Schließlich erschien am Hof ein alter Weiser. Als er von des Königs Dilemma hörte, sagte er: "Euer Majestät ist schlecht beraten, denn wenn Ihr dem Mädchen verbietet zu heiraten, wird sie es Euch nachtragen und sich nur noch mehr zu dem Sklaven hingezogen fühlen." "Dann sagt mir, was ich tun soll", rief der König. Der Weise machte einen Vorschlag. Der König war skeptisch, beschloss aber, einen Versuch zu machen. Er ließ die junge Frau zu sich kommen und sagte: "Ich werde deine Liebe zu diesem Mann auf die Probe stellen: dreißig Tage und Nächte wirst du mit deinem Liebsten in einer winzigen Zelle eingeschlossen werden. Wenn du ihn danach immer noch heiraten willst, werde ich einwilligen." Die Prinzessin war außer sich vor Freude, umarmte ihren Vater und willigte begeistert ein, sich dieser Probe zu unterziehen. Ein paar Tage ging alles gut, aber nur zu bald breitete sich Langeweile aus. Nach einer Woche begann sie sich nach anderer Gesellschaft zu sehnen, und alles, was ihr Liebster tat oder sagte, trieb sie zur Verzweiflung. Nach zwei Wochen hatte sie den Mann so satt, dass sie anfing zu schreien und mit den Fäusten an die Zellentür zu hämmern. Als sie schließlich herausgelassen wurde, umarmte sie ihren Vater stürmisch voller Dankbarkeit, dass er sie vor dem Mann gerettet hatte, den sie nun verabscheute. (Anthony de Mello - Zeiten des Glücks) |
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Der klagende Mönch
Ein Mann ging in ein Kloster, in welchem es den Mönchen gestattet war, nur jedes siebente Jahr zwei Worte zu sprechen. Nachdem die ersten sieben Jahre vergangen waren, traf der Neuling mit dem Abt zusammen. Dieser fragte ihn: "Was sind deine zwei Worte?" "Essen schlecht", erwiderte der Mann. Dann ging er zurück und verbrachte weitere sieben Jahre, ehe er erneut mit seinem geistlichen Vorgesetzten zusammentraf. "Welche zwei Worte hast du jetzt?", fragte ihn der Geistliche. "Betten hart", erwiderte der Mann. Sieben Jahre später - 21 Jahre nach seinem Eintritt ins Kloster - traf sich jener Mann zum dritten und letzten Mal mit dem Abt. "Und was sind dieses Mal deine zwei Worte?", wurde er gefragt. "Gebe auf." "Ich bin nicht überrascht", antwortete der Geistliche angewidert, "denn du hast dich nur beklagt, seit du hier bist!" |
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Übereifrig
Ein junger Schüler war für seinen besonderen Eifer bekannt. Er meditierte Tag und Nacht und wollte seine Übungen nicht einmal zum Essen oder Schlafen unterbrechen. So wurde er immer dünner und dünner und auch die Erschöpfung nahm zu. Der Meister rief ihn zu sich und riet ihm, langsamer vorzugehen und nicht zu viel von sich zu verlangen. Das aber wollte der Schüler nicht hören. "Warum hast du es so eilig?" fragte ihn da der Meister. "Ich strebe nach Erleuchtung." sagte der Schüler. "Da habe ich keine Zeit zu verlieren." "Und woher weißt du, dass die Erleuchtung vor dir läuft, so dass du ihr hinterherlaufen musst?" fragte ihn der Meister. "Es könnte doch auch sein, dass sie hinter dir ist und dass du nichts weiter tun musst, als stillzustehen…" |
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Wann endet die Nacht?
Ein weiser Rabbi stellte seinen Schülern einmal die folgende Frage: "Wie bestimmt man die Stunde, in der die Nacht endet und der Tag beginnt?" Einer der Schüler antwortete: "Vielleicht ist es der Moment, in dem man einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?" Der Rabbi schüttelte den Kopf. "Oder vielleicht dann, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?" Der Rabbi schüttelte wieder den Kopf. "Aber wann ist es dann?" Der Rabbi antwortete: "Es ist dann, wenn Ihr in das Gesicht eines beliebigen Menschen schaut und dort Eure Schwester oder Euren Bruder erkennt. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns." |
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Spielen macht froh
Zu einem Heiligen der frühen Kirche kam eines Tages ein Jäger. Er war nicht wenig erstaunt, den bedeutenden Mann beim Spiel mit einem Hund anzutreffen. Heilige, meinte er, müssten doch eigentlich ihre Zeit mit Gebet verbringen, mit dem Lesen der Heiligen Schrift oder mit in sich gekehrter, weltabgewandter Betrachtung. Wenn aber schon die Heiligen den Tag nicht mit Gebet und frommer Lektüre zubrächten, meinte der Jäger weiter, dann sollten sie sich zumindest einer nützlichen Beschäftigung zuwenden. Auf jeden Fall sei es unpassend, die Zeit durch Spiel zu vergeuden. "Warum trägst du deinen Bogen nicht immer gespannt, wie es sich für einen Jäger gehört?" fragte der Heilige sein Gegenüber. Der Jäger entgegnete: "Das darf man nicht. Bei ständiger Biegung geht die ganze Spannkraft verloren." - "Genau das ist es", sagte der Heilige, "und darum spiele ich." |
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Licht sein
In einem Winkel der Welt kauerte verbissen, trotzig und freudlos eine dicke, schauerliche Finsternis. Plötzlich erschien in dieser Not ein helles Licht, klein, aber ein Licht. Jemand hatte es hingestellt. Es war ganz einfach da und leuchtete. Einer, der vorüberging, meinte: "Du stündest besser woanders als in diesem abgelegenen Winkel." "Warum?", fragte das Licht. "Ich leuchte nicht, um gesehen zu werden, nein, ich leuchte, weil ich Licht bin und es mir Freude macht, Licht zu sein." Die düstere Finsternis ging zähneknirschend und wütend gegen das Licht an. Und doch war die ganze große Finsternis machtlos gegen dieses winzige Licht. |
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Weil du mir fern warst
Der Dorfpfarrer Don Camillo war befördert worden und arbeitete im Vatikan. Eines Tages musste er eine wichtige Aufgabe in seiner alten Pfarrei erledigen. Im Ort angekommen, ging er zuerst in die alte Kirche, wo ihn Jesus plötzlich anspricht. Don Camillo fragt Ihn, warum Er ihn in den drei Jahren in Rom nie angesprochen habe. Jesus antwortete ihm: "Ich bin dir immer gleich nahe gewesen; nur in Rom konntest du Mich nicht hören, weil du dir selbst fern warst. Hier kannst du Mich hören, weil du dir selber nahe bist." |
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Mein Kreuz
Eine Legende berichtet, wie Gott Erbarmen hatte mit einem Menschen, der sich über sein zu schweres Kreuz beklagte. Er führte ihn in einen Raum, wo alle Kreuze der Menschen aufgestellt waren, und sagte zu ihm: "Wähle!" Der Mensch machte sich auf die Suche. Da sah er ein ganz dünnes Kreuz, das jedoch sehr lang war. Er sah ein ganz kleines, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Dann sah er eins, das gefiel ihm, und er legte es auf seine Schultern. Doch da merkte er, dass das Kreuz an der Stelle, wo es auf der Schulter auflag, eine scharfe Spitze hatte, die ihm wie ein Dorn ins Fleisch drang. So hatte jedes Kreuz etwas Unangenehmes. Als er fast alle Kreuze durchgesehen hatte, entdeckte er noch eins, das versteckt stand. Das war nicht zu schwer, nicht zu leicht, so richtig handlich, wie geschaffen für ihn. Dieses Kreuz wollte er in Zukunft tragen. Als er aber näher hinschaute, bemerkte er, dass es sein eigenes Kreuz war, das er bisher getragen hatte. (nach Adalbert von Chamisso) |
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Der alte Großvater und sein kleiner Enkel
Es war einmal ein Großvater, der schon sehr, sehr alt war. Seine Beine gehorchten ihm nicht mehr, die Augen sahen schlecht, die Ohren hörten nicht mehr viel und Zähne hatte er auch keine mehr. Wenn er aß, floss dem alten Mann die Suppe aus dem Mund. Der Sohn und die Schwiegertochter ließen ihn deshalb nicht mehr am Tisch essen, sondern brachten ihm sein Essen hinter den Ofen, wo er in seiner Ecke saß. Eines Tages, als man ihm die Suppe in einer Schale hingetragen hatte, ließ er die Schale fallen und sie zerbrach. Die Schwiegertochter machte dem Greis Vorwürfe, dass er ihnen im Haus alles beschädige und das Geschirr zerschlage, und sagte, dass sie ihm von jetzt an das Essen in einem Holzschüsselchen geben werde. Der Greis seufzte nur und sagte nichts. Als der Mann und die Frau einige Tage später zu Hause beisammen saßen, sahen sie, dass ihr Söhnchen auf dem Fußboden mit kleinen Brettern spielte und etwas zimmerte. Der Vater fragte ihn: "Was soll das denn werden, Mischa?" Und Mischa antwortete: "Das soll ein Holzschüsselchen werden, Väterchen. Daraus werde ich dir und der Mutter zu essen geben, wenn Ihr alt geworden seid." Der Mann und die Frau sahen sich an und weinten. Ihnen wurde plötzlich bewusst, wie sehr sie den Greis gekränkt hatten und sie schämten sich. Fortan ließen sie ihn wieder am Tisch sitzen und waren freundlich zu ihm. (nach Leo Tolstoi) |
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Der Suchende
Es war einmal ein Suchender. Er suchte nach einer Lösung für sein Problem, konnte sie aber nicht finden. Er suchte immer heftiger, immer verbissener, immer schneller und fand sie doch nirgends. Die Lösung ihrerseits war inzwischen schon ganz außer Atem. Es gelang ihr einfach nicht, den Suchenden einzuholen, bei dem Tempo, mit dem er hin- und herraste, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzusehen. Eines Tages brach der Suchende mutlos zusammen, setzte sich auf einen Stein, legte den Kopf in die Hände und wollte sich eine Weile ausruhen. Die Lösung, die schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass der Suchende einmal anhalten würde, stolperte mit voller Wucht über ihn! Und er fing auf, was da so plötzlich über ihn hereinbrach und entdeckte erstaunt, dass er seine Lösung in Händen hielt. (Quelle unbekannt) |
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Die neue Straße
Es war einmal ein König, der beschloss, für sein Volk eine neue Straße bauen zu lassen. Als sie fertig war, rief er alle Leute zusammen und lud sie dazu ein, herauszufinden, wer am besten auf ihr reisen könnte. Schon bald kamen die Leute wieder zum König zurück und beschwerten sich über die vielen großen Steine und über den Schutt, der auf der Straße lag und das Reisen erschwerte. Am späten Abend kam ein Mann zum König, müde, staubig und erschöpft. In seinen Händen hielt er einen Sack Gold, den er dem König überreichte. "Diesen Sack habe ich gefunden, als ich Steine und Schutt auf der Straße aus dem Weg räumte." Der König lachte glücklich und sagte zu dem Mann: "Behalte das Gold. Du hast es dir redlich verdient! Denn es reist der am besten auf einer Straße, der sie für die Nachfolgenden bequemer macht!" |
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Unwissenheit
Der junge Schüler war ein solches Wunderkind, dass Gelehrte von überall her seinen Rat suchten und sein Wissen bestaunten. Als der Gouverneur einen Ratgeber suchte, kam er zu dem Meister und sagte: "Sagt mir, stimmt es, dass der junge Mann soviel weiß, wie allgemein behauptet wird?" "Ehrlich gesagt", erwiderte der Meister trocken, "der Bursche liest so viel, dass ich mir nicht vorstellen kann, woher er die Zeit nimmt, irgend etwas zu wissen." (Anthony de Mello - Zeiten des Glücks) |
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Wer betet nicht?
Ein Bauer kam einmal in ein Wirtshaus, in dem schon viele Gäste waren, darunter auch feine Leute aus der Stadt. Der Bauer setzte sich hin und bestellte sein Essen. Wie es ihm gebracht wird, faltet er die Hände und spricht das Tischgebet. Darüber machten sich die Leute aus der Stadt lustig, und ein junger Mann fragte den Bauer: "Bei euch zu Hause macht man das wohl so? Da betet wahrscheinlich alles?" Der Bauer, der inzwischen ruhig zu essen angefangen hatte, antwortete dem Spötter: "Nein, es betet auch bei uns nicht alles." Der junge Mann fragte weiter: "Na, wer betet denn nicht?" "Nun", meint der Bauer, "zum Beispiel mein Ochs, mein Esel und mein Schwein. Sie gehen ohne Gebet an die Futterkrippe." |
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Ebenbild
Ein König hatte ein wunderschönes Schloss und einen prächtigen Jagdhund. Als der einmal durch die Säle und Räume des Palastes lief, wagte es keiner der Diener, den Hund zu verjagen. So kam das Tier auch in den Spiegelsaal, der über und über mit den funkelndsten Kristallspiegeln ausgekleidet war. Wie erschrak der Jagdhund, als er sich plötzlich von Hunderten Jagdhunden umringt sah. Wütend fletschte er die Zähne, und Hunderte Hunde fletschten ebenfalls die Zähne. Knurrend und äußerst gereizt begann er, im kreisrunden Saal herumzurennen, und alle Hunde jagten ihm nach. Da hetzte der Jagdhund in seiner ohnmächtigen Wut so lange im Kreise herum, verfolgt von Hunderten Spiegelbildern, bis er tot zusammenbrach. Ach, hätte er doch nur einmal freundlich mit dem Schwanz gewedelt ... |
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Das Kind der Barmherzigkeit
Als der Allmächtige den Menschen erschaffen wollte, versammelte er ratschlagend die obersten Engel um sich. "Erschaffe ihn nicht!" so sprach der Engel der Gerechtigkeit; "er wird unbillig gegen seine Brüder sein, und hart und grausam gegen den Schwächeren handeln." "Erschaffe ihn nicht!" so sprach der Engel des Friedens. "Er wird die Erde düngen mit Menschenblut; der Erstgeborne seines Geschlechts wird seinen Bruder morden." "Dein Heiligtum wird er mit Lügen entweihen", so sprach der Engel der Wahrheit, "und ob du ihm dein Bildnis selbst, der Treue Siegel, auf sein Antlitz prägtest." Noch sprachen sie, als die Barmherzigkeit, des ewigen Vaters jüngstes liebstes Kind, zu seinem Throne trat, und seine Knie umfasste. "Bild' ihn", sprach sie, "Vater, zu deinem Bilde selbst, ein Liebling deiner Güte. Wenn alle deine Diener ihn verlassen, will ich ihn suchen, und ihm liebend beistehen, und seine Fehler selbst zum Guten lenken. Des Schwachen Herz will ich mitleidig machen und zum Erbarmen gegen Schwächere neigen. Wenn er vom Frieden und der Wahrheit irret, wenn er Gerechtigkeit und Billigkeit beleidigt: so sollen seines Irrtums Folgen selbst zurück ihn führen, und mit Liebe bessern." Der Vater der Menschen bildete den Menschen. Ein fehlbar, schwaches Geschöpf; aber in Fehlern selbst ein Zögling seiner Güte, Sohn der Barmherzigkeit, Sohn einer Liebe, die nimmer ihn verlässt, ihn immer bessernd. - Erinnere dich deines Ursprungs, Mensch, wenn du hart und unbillig bist. Von allen Gotteseigenschaften hat Barmherzigkeit zum Leben dich erwählt; und lebend reichte dir Erbarmung nur und Liebe die mütterliche Brust. (Johann Gottfried Herder) |
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Die Religion der alten Dame
Eine sehr religiös eingestellte alte Dame hatte an allen bestehenden Religionen etwas auszusetzen, also gründete sie eine eigene. Eines Tages sagte ein Reporter zu ihr, der sich wirklich bemühte, ihre Ansicht zu verstehen: "Glauben Sie wirklich, wie man behauptet, dass niemand in den Himmel kommen wird außer Ihnen und Ihrem Hausmädchen?" Die alte Dame dachte über die Frage nach und erwiderte dann: "Bei Mary bin ich nicht so sicher." |
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Wer bist du?
Eine Frau lag im Koma. Plötzlich hatte sie das Gefühl, sie käme in den Himmel und stände vor dem Richterstuhl. "Wer bist du?" fragte eine Stimme. "Ich bin die Frau des Bürgermeisters", erwiderte sie. "Ich habe nicht gefragt, wessen Ehefrau du bist, sondern wer du bist." "Ich bin die Mutter von vier Kindern." "Ich habe nicht gefragt, wessen Mutter du bist, sondern wer du bist." "Ich bin Lehrerin." "Ich habe nicht nach deinem Beruf gefragt, sondern wer du bist." Und so ging es weiter. Alles, was sie erwiderte, schien keine befriedigende Antwort auf die Frage zu sein: "Wer bist du?" "Ich bin eine Christin." "Ich fragte nicht, welcher Religion du angehörst, sondern wer du bist." "Ich bin die, die jeden Tag in die Kirche ging und immer den Armen und Hilfsbedürftigen half." "Ich fragte nicht, was du tatest, sondern wer du bist." Offensichtlich bestand sie die Prüfung nicht, denn sie wurde zurück auf die Erde geschickt. Als sie wieder gesund war, beschloss sie, herauszufinden, wer sie war. Und darin lag der ganze Unterschied. (Anthony de Mello - Zeiten des Glücks) |
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Arme Leute
Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie. Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn: "Wie war dieser Ausflug?" "Sehr interessant!" antwortete der Sohn. "Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?" "Oh ja, Vater, das habe ich gesehen." "Was hast du also gelernt?" fragte der Vater. Und der Sohn antwortete: "Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont." Der Vater war sprachlos. Und der Sohn fügte noch hinzu: "Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind." |
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Der unerkannte Gast
Es war ein alte Frau, der hatte der liebe Gott versprochen, sie heute zu besuchen. Darauf war sie nun nicht wenig stolz. Sie scheuerte und putzte, buk und tischte auf. Und dann fing sie an, auf den lieben Gott zu warten. Auf einmal klopfte es an die Tür. Geschwind öffnete die Alte, aber als sie sah, dass draußen nur ein armer Bettler stand, sagte sie: "Nein, in Gottes Namen, geh heute deiner Wege! Ich warte gerade auf den lieben Gott, ich kann dich nicht aufnehmen." Und damit ließ sie den Bettler gehen und warf die Tür hinter ihm zu. Zwei weitere Bettler, die bei ihr anklopften, schickte sie ebenfalls weg: "Ich warte auf den lieben Gott. Ich kann euch nicht aufnehmen." Und die Alte fing aufs neue an zu warten. Die Zeit ging hin, Stunde um Stunde. Es ging schon auf den Abend zu, und immer noch war der liebe Gott nicht zu sehen. Wo mochte er nur geblieben sein? Zu guter Letzt musste sie betrübt zu Bett gehen. Bald schlief sie ein. Im Traum erschien ihr der liebe Gott. Er sprach zu ihr: "Dreimal habe ich dich heute aufgesucht, und dreimal hast du mich nicht empfangen." |
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Auf dem Markt
Eine Frau hatte einen Traum. In diesem Traum besuchte sie einen Markt. Dort inmitten all der Stände traf sie an einem von ihnen Gott. "Was verkaufst du hier?" fragte die Frau Gott. Gott antwortete: "Alles, was das Herz begehrt." Das konnte die Frau kaum glauben. Sie überlegte eine Weile und beschloss dann, das Beste zu verlangen, was sich ein Mensch nur wünschen konnte. "Ich möchte Frieden für meine Seele und Liebe und Glück. Und weise möchte ich sein und nie mehr Angst haben." sagte die Frau zu Gott. "Und das nicht nur für mich allein, sondern für alle Menschen." Gott lächelte. "Ich glaube, du hast mich missverstanden. Ich verkaufe hier keine Früchte, sondern die Samen." (Anthony de Mello - Gib deiner Seele Zeit) |
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Der größte Narr
Es gab einmal einen König, der sich nach der Sitte der Zeit einen Hofnarren hielt. Diese Narren hatten das Recht, den Königen und Fürsten die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter war. War sie zu bitter, dann hieß es einfach: "Er ist halt ein Narr!" Eines Tages schenkte der König seinem Narren einen silbernen Narrenstab mit einem goldenen Glöckchen daran und sagte: "Du bist gewiss der größte Narr, den es gibt. Solltest Du einmal einen treffen, der noch närrischer ist als Du, dann gib diesen Stab weiter." Jahrelang trug der Narr den Stab bei sich, bis schließlich der Tag kam, als der König im Sterben lag. Da hüpfte der Narr in das Krankenzimmer und sagte: "König, ich habe gehört, Du willst eine große Reise antreten." "Ich will nicht", erwiderte der König, "ich muss!" "Oh, Du musst?! Gibt es also doch eine Macht, die noch über den Großen dieser Erde steht? Nun wohl! Aber Du wirst sicher bald zurückkommen?" "Nein", stöhnte der König, "von dem Land, in das ich reise, kehrt man nicht zurück." "Nun, nun", meinte der Narr begütigend, "gewiss hast Du die Reise seit langem vorbereitet. Ich denke, Du hast dafür gesorgt, dass Du in dem Land, von dem man nicht zurückkommt, königlich aufgenommen wirst." Der König schüttelte mit dem Kopf. "Das habe ich versäumt. Ich hatte nie Zeit, diese Reise vorzubereiten." "Oh dann hast Du sicher nicht gewusst, dass Du diese Reise einmal antreten musst?" "Gewusst habe ich es schon. Aber - wie gesagt - keine Zeit, mich um die rechte Vorbereitung zu kümmern." Da legte der Narr leise seinen Stab auf das Bett des Königs und sagte: "Du hast mir befohlen, diesen Stab an denjenigen weiterzugeben, der noch närrischer ist als ich. Da, nimm den Stab! Du hast gewusst, dass es eine Ewigkeit gibt, von der man nicht zurückkehrt. Und doch hast Du nicht Sorge getragen, dass Dir die himmlischen Wohnungen geöffnet werden. König, Du bist der größte Narr!" |
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Die vier Kerzen
Vier Kerzen brannten am Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte: "Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden." Ihr Licht wurde immer kleiner und erlosch. Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben. Aber ich bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nichts wissen." Ein Luftzug brachte die Kerze zum Erlöschen. Traurig und leise meldete sich die dritte Kerze: "Ich heiße Liebe, aber ich habe keine Kraft mehr. Die Menschen sehen sich nur noch selber und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen." Mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht erloschen. Da kam ein Kind ins Zimmer herein und fing fast zu weinen an: "Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort: "Hab keine Angst! Solange ich brenne, können wir die anderen Kerzen wieder anzünden. Ich heiße Hoffnung!" Da nahm das Kind diese Kerze und zündete mit ihrer Flamme auch die anderen Kerzen wieder an. |
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Die reinste Gabe
Max Seltmann Es war Adventszeit vor vielen Jahren. Müde und nachdenklich ging ich nach beendetem zwölfstündigen Dienst nach Hause. Die Adventsglocken tönten in die mitternächtliche Stille. Ergriffen von den feierlichen Klängen stieg der Wunsch in meinem Herzen auf, dass dieses Glockengeläut doch zu vielen Menschenherzen sprechen möge. Mein Weg führte bergauf. Als ich die Ebene nahe meiner Behausung erreicht hatte, verhielt ich meine Schritte, geblendet von einem mächtigen Licht. Woher kam dieses Leuchten in der Nacht? - Kaum ertrugen meine Augen diese Helle. Glich das Licht zuerst einem lichtflimmernden Springbrunnen, so war es jetzt ein einziges flutendes Meer. Plötzlich gewahrte ich große Palmen, eingeschalt in weiß-leuchtendes Holz, die riesenhaft in die Höhe wuchsen. Ich erkannte Menschen in hellen Gewändern, unter denen der Herr Jesus war. Eine Lichtgestalt trat zu Ihm hin, deutlich vernahm ich die Worte: "Herr, hörest Du nicht das Schreien und Rufen der Elenden? Sage nur ein Wort, und wir werden dem Bösen auf der Welt Einhalt gebieten!" Da sprach der Herr Jesus: "Hast du auch den andern gefragt? Wenn nicht, dann führe ihn zu Mir!" Die Lichtscharen wichen nach zwei Seiten auseinander, so dass sich eine Gasse bildete, durch welche der Lichtengel hindurch schritt. Er kam wieder mit einem Mann zurück, der mit einer Försterjoppe bekleidet war und sein schönes Haupt stolz trug, ohne es vor dem Herrn der Unendlichkeit zu beugen. Der Herr Jesus sprach zu dem Lichtwesen: 'Wiederhole vor diesem, um was du Mich vordem batest!" Als der Engel seine Worte wiederholt hatte, wandte sich der Herr Jesus um und fragte den Fremden: "Und was hast du zu sagen?" Da antwortete dieser (mir schien es der Lebensfeind Gottes zu sein): "Was ich dazu sage? Ha, haben sie nicht alle ihren Lohn dahin? Die mir dienen, führten niemals Klage wider mich. Die Klage gilt Dir allein!"- Da sprach der Herr Jesus und Seine Stimme klang traurig: "Nun vernahmt ihr alle seine Antwort, und Ich frage denn euch alle: habe Ich nicht alles getan, was zu eines jeden Heile dient?"- Und nun trat ein Wesen vor, in dem ich einen heimgegangenen lieben Bruder erkannte. Dieser sprach: "Vater, Du liebevollster und bester Vater. Du hast unbegreiflich mehr getan, als je ein Engel oder Mensch von Dir erwarten durfte. Ich sage es im Kreise dieser hohen Engel: Durch Deine Liebe und Gnade bin ich Dein Kind geworden. Von Deinem Geiste erfüllt, sage ich auch dies: Vater, mit Deiner Hilfe und Erbarmung werden es Deine werdenden Kinder dahin bringen, dass sie sich in demütiger Selbsthingabe Deinem göttlichen Willen ergeben, auf dass Dein heiliges Werk, das Du auf Golgatha vollbrachtest, in der Wiederbringung alles Verlorenen seine herrliche Vollendung findet." Verschwunden war alles, wieder war es finster um mich her, als ich in eine Seitenstraße einbog, die zu meinem Hause führte. Mögen wir doch alle in der heiligen Christnacht als reinste Gabe dem sich nach dem Kinde sehnenden Vater unsere Herzen darbringen. |
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Das Jesuskind erscheint Matth. 18,6 ; Joh, 20,29; 2. Kor. 4,18
Eine wahre Begebenheit Ein Wunder, das sich in den fünfziger Jahren hinter dem Eisernen Vorhang ereignet hat. Die Geschichte wird hier auszugsweise wiedergegeben, um in unserer glaubenslosen Zeit zu zeigen, welche Macht das Kindergebet hat. In einem Dorf mit ca. 1500 Seelen, wo ich vor der sowjetischen Besetzung Religionslehrer war, kam eine Lehrerin an die Gemeindeschule, die eine kämpferische Atheistin war. Ihr Ziel bestand darin, Gott aus allen Belangen des Lebens auszuschließen. Sie benutzte jede Gelegenheit, um unsere Religion verächtlich und lächerlich zu machen oder über sie zu spotten. Ihr Schulprogramm war, mit allen Mitteln kleine Gottlose heranzubilden. Kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember, erfand Fräulein Gertrud ein neues, grausames Spiel. Ihr Opfer war Angela, ein begabtes und sehr frommes Kind. Die Lehrerin fragte das Mädchen mit süßer Stimme: "Hör, mein Kind, wenn die Eltern dich rufen, was machst du?" ,,Ich gehorche", erwiderte Angela schüchtern. "Gewiss! Du hörst sie rufen, und du gehst rasch zu ihnen wie ein braves, folgsames Kind. Und was geschieht, wenn die Eltern den Kaminfeger rufen?" "Er kommt", antwortet Angela. Ihr armes Herz schlug zum Brechen. Das Mädchen ahnte eine Falle, die sie noch nicht erkannte. Fräulein Gertrud setzte die Befragung fort, ihre Augen glänzten wie die einer Katze, die mit einer Maus spielte, sagte mir ein kleiner Zeuge des Vorfalles. Sie hatte eine böse, böse Miene! "Gut mein Kind, der Kaminfeger kommt, weil er existiert." Einen Augenblick herrschte Schweigen. "Du gehst hin, weil du da bist, weil du existierst. Aber nehmen wir an, dass deine Eltern den Großvater rufen, der gestorben ist. Wird er kommen?" "Nein, ich glaube nicht." "Bravo! Und wenn sie Rübezahl rufen? Oder Rotkäppchen? Oder den gestiefelten Kater? Du hast Märchen gern, nicht wahr? Was geschieht dann?" ,,Niemand wird kommen, denn das sind Erfindungen!" Angela hob ihren hellen Blick, senkte ihn aber gleich wieder. ,,Ihre Augen taten mir weh!" sagte sie mir kindlich. Die Befragung ging weiter. "Sehr gut, sehr gut," triumphierte die Lehrerin, "wirklich, dein Denken macht Fortschritte. Ihr seht also Kinder, dass die Lebenden, die, welche existieren, auf den Ruf kommen. Jene aber kommen nicht, die nicht leben, oder aufgehört haben zu leben, ist das klar?" ,,Ja," antwortete die ganze Klasse. ,,Gut! Jetzt machen wir ein kleines Experiment." Sie wendetet sich an Angela. ,,Geh vor die Türe, mein Kind!" Das Mädchen verließ zögernd die Bank. Die Türe schloss sich schwer hinter der zarten Gestalt. ,,Und jetzt, Kinder, ruft sie herbei!" "Angela, Angela", schreien die Kinderstimmen aus Leibeskräften. Die Lehrerin steigerte und kostete die erzielte Wirkung. Die Kinder waren geneigt, an ein Spiel zu glauben. "Haben wir nun alle verstanden?" fragte sie. "Wenn ihr einen Menschen ruft, der existiert, so kommt er. Wenn ihr jemand ruft, der nicht vorhanden ist, kommt er nicht, weil er nicht kommen kann. Nehmen wir an, ihr ruft das Jesuskind herbei. Glaubt jemand von euch noch an das Jesuskind?" Die Kinder schweigen einen Augenblick. Dann antworteten einige schüchtern, "ja, ja--". ,,Und du, mein Kind, glaubst du, dass das Jesuskind dich hört, wenn du es rufst?" Angela fühlte sich plötzlich erleichtert. Das war die Falle, deren Sinn und Maß sie nicht erfassen konnte. Sie erwiderte mit tiefer Überzeugung: "Ja, ich glaube, dass es mich hört!" "Gut, sehr gut! Wir werden das nun untersuchen. Ihr habt gesehen, wie Angela hereingekommen ist, als man sie rief. Wenn das Jesuskind existiert, hört es euren Ruf. Ruft also alle zusammen so stark ihr könnt: Komm Jesuskind, komm! Eins, zwei, drei, alle zusammen..." Die Mädchen senkten die Köpfe. Im angstvollen Schweigen ertönte ein teuflisches Lachen. "Genau, auf das habe Ich hingezielt! Das ist der Beweis, ihr wagt nicht, es herzurufen, weil ihr zu gut wisst, dass euer Jesuskind nicht kommen wird. Es hört euch nicht, weil es ebenso wenig existiert, wie Rübezahl oder der gestiefelte Kater, weil es eine Erfindung ist, ein Märchen, das niemand ernst nimmt, nicht wahr?" Die Mädchen waren entsetzt. Keines sagte ein Wort. Das grobe, plumpe Vorgehen traf sie mitten ins Herz. Wer die Wirkung derartiger Behauptungen, die sich auf eine so genannte, der Wirklichkeit entnommenen, Beweisführung stützen, auf die Kinderseele unterschätzt, versteht nichts von der Psychologie der Kleinen. Es haben mir Mädchen gestanden, dass sie zu zweifeln begannen. Wenn es existiert, warum sieht man es nicht? Warum kommt es nicht? Angela blieb stehen, bleich wie eine Tote. Die Lehrerin freute sich über die Verwirrung der Kinder. Plötzlich geschah etwas völlig Unerwartetes. Mit einem Sprung stand Angela mitten unter den Mädchen, mit glühenden Augen schrie das Kind: ,,Wir wollen es herbeirufen! Versteht ihr mich? Alle zusammen! Komm, Jesuskind!" Im Nu erhoben sich die Mädchen. Mit gefalteten Händen und flehenden Blicken, das Herz voller unendlicher Hoffnung, begannen sie zu bitten: "Komm, Jesuskind! Komm, Jesuskind!" Die Lehrerin war überrascht. Unbewusst trat sie etwas zurück und heftete die Augen auf Angela. Ein Paar Sekunden herrschte dumpfes Schweigen wie ein Sterben.., dann erklang das helle kristallene Stimmchen von neuem. "Noch einmal, noch einmal!" "Wir schrieen, als müssten die Mauern umfallen", sagte mir eines der Mädchen. "Ich rief, aber ich erwartete nichts Ungewöhnliches", gestand mir Gisela. Da geschah es! Erlauben Sie mir, die Worte der Kinder wiederzugeben, die ich, eines nach dem anderen einzeln befragte. Ihre ungeschickten Ausdrücke scheinen mir überzeugter zu klingen, als die Darstellung von uns Erwachsenen. Gewisse Sätze haben sich unzerstörbar in mein Gedächtnis eingeprägt. Ja, der arme Religionslehrer, der ich war, hatte Zeichen bitter nötig, man ist dort drüben oft am Ende seiner Kräfte. Die Türe öffnete sich lautlos. Sie bemerkten es, denn das ganze Tageslicht flutete zur Türe hinein. Das Licht wurde stärker und stärker und verwandelte sich in eine Feuerkugel. Da bekamen sie Angst, aber alles vollzog sich so schnell, dass sie nicht Zeit fanden zu schreien. Die Kugel öffnete sich, ein Kind erschien darin, schön, wie sie noch keines gesehen hatten. Das Kind lächelte ihnen zu ohne ein Wort zu sagen. Seine Gegenwart war von unsagbarer Süße. Sie hatten keine Angst mehr, es herrschte nur noch Freude. Es dauerte einen Augenblick, eine Viertelstunde, eine Stunde...? Sonderbar, darüber gingen die Aussagen auseinander. Tatsache ist, dass das Ereignis die Dauer der Schulstunde nicht überschritt. Das Kind war weiß gekleidet und glich einer kleinen Sonne. Es sprach kein Wort, es lächelte nur. Dann verschwand es in der Lichtkugel, die langsam, langsam schmolz. Verzückt, die Herzen voll überströmender Freude, vermochten die Kinder kein Wort hervorzubringen. Plötzlich zerriss ein greller Schrei die Stille. Fahl, die Augen traten ihr aus den Höhlen, rief die Lehrerin: ,,...Es ist gekommen, es ist gekommen!" Darauf flüchtete sie und schlug die Türe hinter sich zu. - Fräulein Gertrud musste in eine Irrenanstalt eingewiesen werden. Unter Eid darf ich erklären, dass ich bei den Aussagen der Kinder nicht die geringsten Widersprüche gefunden habe. |
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Der kleine Stern von Bethlehem
Ein Weihnachtsmärchen Der kleine Stern stand am Himmel zwischen den Milliarden anderer Sterne. Er war ein kleiner weißer Punkt unendlich weit entfernt. Keiner bemerkte ihn. Eben das war sein Kummer. Er war kein Morgen- oder Abendstern. Kein großer Bär. Nicht einmal das Reiterlein auf der Deichsel des Wagens. Als er sah, wie hell der Stern über dem Stall von Bethlehem leuchtete, dachte er: "Einmal möchte ich so leuchten! Einmal über dem Stall stehen, in dem das Kind geboren ist!" Aber die Erde war weit entfernt. Doch das Kind in der Krippe hörte seinen Wunsch. Und das Kind sah den kleinen Stern mitten zwischen den vielen anderen Sternen. Und dann geschah es: Der kleine weiße Punkt löste sich langsam aus der großen Milchstraße und fiel und fiel immer tiefer. Und während er so fiel, wurde er immer größer. Jetzt war er schon so groß wie eine Hand und hatte fünf gelbe Zacken. Er sah aus wie ein richtiger Stern. Und dann fiel er ganz sanft mitten in den Stall. Auf dem Rand der Krippe hockte er und sah etwas erschrocken aus. Maria, die gerade schlief, wunderte sich, dass es so hell wurde. "Es ist Weihnachten", sagte das Kind. "Du darfst dir etwas wünschen. Ich weiß, du hast einen grosse Wunsch." Der kleine Stern aber sah nur das Gesicht des Kindes, wie es ihn anlächelte. "Ich habe keinen Wunsch", sagte der kleine Stern. Er sagte das nicht aus Bescheidenheit. Er hatte wirklich vergessen, was er sich so sehr gewünscht hatte. "Ich möchte nur eines", sagte er, "lass mich hier bei dir bleiben, in deiner Nähe, wo ich dich sehen kann. Ich möchte immer bei dir bleiben, darf ich das?" "Das darfst du", antwortete das Kind. "Aber du kannst nur bei mir bleiben, wenn du weggehst, hin zu den Menschen, die hier auf der Erde wohnen. Wenn du ihnen erzählst, dass du mich gesehen hast." "Die Menschen", sagte der kleine Stern, "werden meine Sprache nicht verstehen und mir nicht glauben. Und ... wie soll ich zu ihnen kommen? Sie sind ja in ihren Häusern. Die Türen sind zu, es ist kalt?" "Weil es kalt ist, sollst du gehen und sie wärmen. Und die Türen? Ich werde sie für dich öffnen. Ich werde da sein bei den Menschen, zu denen du kommst." Der kleine Stern schwieg. Er fühlte sich noch kleiner als vorher. Als das Kind sah, dass der Stern traurig war, lächelte es ihn an: "Wenn du gehst, werde ich dir etwas schenken. Weil du fünf schöne gelbe Spitzen hast, will ich dir fünf Geschenke mit auf den Weg geben. Wohin du kommst, da wird es hell werden. Die Menschen sollen dein Sprache verstehen. Du kannst ihr Herz anrühren. Du kannst Traurige fröhlich machen und Unversöhnliche versöhnen." "Ich will es versuchen", sagte der kleine Stern. Und als er aufstand, spürte er, dass etwas von dem Licht, das das Kind umgab, mit ihm ging. Etwas von der Wärme und Freude und seinem Frieden. Der kleine Stern stand nicht groß und leuchtend über dem Stall, er war eher unscheinbar, als er so über die Erde wanderte. Aber er trug ein Geheimnis bei sich, von dem die anderen Sterne nichts ahnten. Das Kind hatte ihn angelächelt und auf den Weg geschickt. Es hatte ihm Gaben gegeben, die er kaum fassen konnte. Und so ging er nun über die Berge und durch die Flüsse; er ging dort, wo keine Wege waren. So, wie das Kind es gesagt hatte. Überall wohnten Menschen. Er musste nicht weit gehen, bis er an eine Hütte kam, in der eine alte Frau saß, die Ellbogen auf den Tisch gestützt. Er konnte sie kaum erkennen, so dunkel war es im Haus. "Guten Abend", sagte der kleine Stern. "Es ist so dunkel bei dir. Darf ich hereinkommen?" "Es ist immer dunkel bei mir", sagte die alte Frau. "Auch, wenn ich Licht mache. Ich bin blind. Aber komm nur herein, wer du auch bist." "Danke", sagte der kleine Stern und setzte sich zu der Frau an den Tisch. Und als sie eine Weile so dagesessen hatten, erzählte der Stern von seinem weiten Weg vom Himmel und von dem, was er in Bethlehem gehört hatte. Und er erzählte so schön, dass die Frau sagte: "Es ist mir fast so, als könnte ich das Kind in der Krippe auch sehen. Dabei bin ich doch blind, und das Kind ist weit weg. Wenn du bei mir bleibst, ist es heller. Bleib bei mir, dann bin ich nicht so allein." "Du wirst nie mehr allein sein", sagte der Stern. "Das Licht von dem Kind bleibt nun immer bei dir. Aber eines ist merkwürdig mit diesem Licht: Du kannst es nur behalten, wenn du es weiterschenkst." "Ich verstehe", sagte die Frau. Als sie sich verabschiedet hatten, schloss sie ihre Hütte ab und ging über die Felder. Sie ging wie jemand der sehen konnte. Vor ihr auf dem Weg war Licht. Ein Licht, das auch Blinde sehen. Der kleine Stern freute sich. Er hatte noch mehr Geschenke zu verteilen, und die Weihnachtsnacht war noch nicht zu Ende. Sie geht auch nicht zu Ende. Der Stern wandert noch heute über die Erde. Ich kann dir abends am Sternenhimmel den Platz zeigen, wo er gestanden hat. Wo er heute ist, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass er nur zu denen kommt, die sich etwas wünschen. Die Frau hatte sich gewünscht, nur so viel sehen zu können, dass sie aufstehen und gehen kann. Und der kleine Stern, er wäre noch heute ein kleiner weißer Punkt am Himmel, wenn er nicht einen so großen Wunsch gehabt hätte. Zu Weihnachten darf sich jeder etwas wünschen, nicht nur Kinder. Das Kind in der Krippe hört alle Wünsche und fragt: Was soll ich dir schenken? In der Weihnachtsnacht geschehen Wunder, auch in diesem Jahr. Vielleicht geschieht sogar das Wunder, dass du wie der Stern deinen Wunsch vergisst, wenn du das Kind siehst und es dich anlächelt. |
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Die erste Gabe
nach einer alten französischen Legende In der Nacht, in der Christus geboren wurde, ereignete sich viel Seltsames. Das Feuer verletzte niemanden, selbst wenn er es mit bloßen Händen fasste, kein Wind wehte, der Wolf lag neben dem Lamm, es herrschte ein tiefer Friede. Hell erstrahlte der Stern über der armseligen Hütte, um den Weg zu weisen denen, die ihn suchten. Wir alle wissen darum, denn es wurde uns vielmals erzählt. Was aber nur wenigen bekannt ist, geschah um die Stunde der Mitternacht. Leise drehte sich die Tür des Stalles in den Angeln und auf der Schwelle stand ein Weib, alt und gebeugt, gewickelt in ein farbloses Tuch. Graue Haarsträhnen fielen in ihre Stirn, bleich und wie erloschen war ihr Gesicht. Aus den Falten ihres Gewandes aber strömte solche Grabeskälte, dass Maria sich erschrocken über ihr Kind neigte, um es zu schützen, denn Angst befiel sie ob der unheimlichen Erscheinung und der Totenstille, die sie umgab. Nichts war zu hören, als das Rascheln des Strohs und der ruhige Atem von Ochs und Esel. Langsam kam die Alte näher und näher, langsam hob sie den Kopf und blickte Maria an mit Augen voller Trauer und Verzweiflung, dass es der Gottesmutter ans Herz griff. Da schwand alle Furcht von ihr, denn vertraut waren ihr diese Augen, weit zurück ins Vergangene führte sie dieser Blick. Sie fühlte ein Band sich schlingen um die Frau, um sich, um das Kind - konnte nicht begreifen, wes Band es war, noch wer es geschlungen, und in ihrer Verwirrung bat sie die Fremde zu bleiben. Schlurfend schob sich die Alte zur Krippe, mühsam bog sie das Knie, dann zog sie etwas aus der Weite ihres Kleides, etwas, das sie wie ein Kleinod barg - und da sie die Hand öffnete, sah Maria, dass es ein Apfel war. Ein Apfel, welk, voller Runzeln, und nicht einmal vollständig - es fehlte ein Stück. Geneigten Hauptes reichte die Greisin die Frucht dem Kind, und der Knabe griff freudig danach. Kaum aber hatte er den Apfel berührt, stieg ein Leuchten aus seinen kleinen Händen auf und erfüllte den ganzen Raum. Himmlische Musik erklang und unter dem Jubel der Engelchöre, die lobsangen dem Sieg der Liebe über die Qual der Schuld, erhob sich das Weib, Glück strahlte aus ihren Augen und in jugendlicher Anmut schritt sie aus dem Stall als eine Gesegnete. Da erkannte Maria, dass es Eva gewesen, die Gestrauchelte, die Sünderin und doch die Urmutter der Menschheit, die Schwester aller Frauen, die nun gelöst hinüberging in die Welt der seligen Geister, heimgekehrt zu dem, der sie geschaffen. Der Apfel aber, die erste Gabe, lag rund, unversehrt und sonnengolden in den Händen des göttlichen Kindes. Manch alter Meister wusste um das Geheimnis und hat das Christkind gemalt im Schoß der Mutter, die Händchen feierlich geschlossen um einen goldenen Apfel, als ewiges Zeichen des neuen Bundes. |
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Vater unser im Himmel... Ja?
"Vater unser, der du bist im Himmel,..." - "Ja?" - "Bitte unterbrich mich nicht, - ich bete." - "Aber du hast Mich angesprochen!" - "Ich, Dich angesprochen? Bestimmt nicht! Ich bete nur: 'Vater unser im Himmel" "Da, du hast es schon wieder getan!" "Was getan?" "Mich angerufen. Du hast gesagt: 'Vater unser im Himmel.' Und hier bin Ich. Worum geht es?" "Das habe ich doch gar nicht ernst gemeint. Ich habe nur mit meinem Morgengebet begonnen. Da sage ich jedes Mal das Vaterunser auf. Und anschließend fühle ich mich immer richtig gut. Ich habe das Gefühl, als ob ich meine Pflicht getan hätte." "Also gut. Sprich weiter." "Geheiligt werde dein Name." "Einen Augenblick. Was meinst du denn damit?" "Womit?" "Geheiligt werde dein Name?" "Das bedeutet, es bedeutet... Du meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet. Wie soll ich das auch wissen? Es gehört einfach zum Gebet. Übrigens, was bedeutet es denn?" "Geehrt, heilig, über alles gelobt, wunderbar." "Das klingt aber gut. Bisher habe ich noch nie darüber nachgedacht. 'Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden'." "Meinst du das wirklich?" "Sicher, warum denn nicht?" "Und was trägst du dazu bei?" "Dazu beitragen? Nichts, glaube ich. Ich denke vielmehr, es wäre eine schöne Sache, wenn Du auch hier unten alles so gut in Deine Hand nehmen könntest, wie du es da oben bei dir tust." "Habe ich dich denn in meiner Hand?" "Naj a, ich gehe zur Kirche." "Danach habe ich dich nicht gefragt. Wie steht es um dein Temperament, deine heftige Art, deine Ungeduld? Damit hast du doch immer wieder Schwierigkeiten, nicht wahr? Und wie gehst du mit deinem Geld um - brauchst du immer noch alles nur für dich? Und welche Bücher liest du? Und was siehst du dir im Fernsehen an?" "Nun hacke doch nicht auf mir herum! Ich bin genauso gut wie die anderen Menschen in der Kirche." "Entschuldigung, Ich dachte, du hättest darum gebetet, dass Mein Wille geschehe. Wenn du das wirklich so meinst, muss Ich doch darauf eingehen und danach handeln." "Ja, natürlich. Ich weiß, ich habe da einige Probleme. Nachdem Du mich darauf hingewiesen hast, fallen mir noch ein paar mehr ein." "Mir auch." "Bisher habe ich noch nicht viel darüber nachgedacht, aber ich würde gerne so manches davon loswerden. Ehrlich gesagt, ich wäre gerne wirklich frei." "Gut. Nun kommen wir voran. Lass uns beide zusammenarbeiten. Wir werden bestimmt einige Siege gewinnen. Ich bin stolz auf dich." "Ja, Herr, aber jetzt muss ich dieses Gebet zu Ende bringen. Heute dauert es viel länger als normalerweise. - 'Unser tägliches Brot gib uns heute'." "Für das Brot brauchst du nicht zu beten. Das wird dir helfen, abzunehmen." "Also jetzt wird es ja immer schöner! Ich komme meiner religiösen Pflicht nach, und da platzt Du plötzlich herein und erinnerst mich an alle meine Schwächen!" "Das Gebet ist etwas Gefährliches. Es fordert heraus. Es stellt in Frage. Du kannst dabei ein völlig anderer Mensch werden. Um so mehr möchte ich dir mit allem Nachdruck sagen: Halte an am Gebet! Und wie geht es jetzt weiter?" Pause. "Ich trau mich nicht." "Warum traust du dich denn nicht? Wovor hast du Angst?" "Weil ich schon weiß, was Du wieder sagen wirst." "Versuch es doch erst einmal!" "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern..." "Und was ist mit deiner Nachbarin?" "Da siehst Du, ich hab' es geahnt. Ich wusste, dass du jetzt damit kommen würdest! Aber sie hat doch Lügen über mich erzählt und mit anderen Leuten über meine Familie gesprochen. Und sie hat mir auch das Geld nicht zurückgezahlt, das sie mir schuldet. Ich habe mir geschworen, es ihr heimzuzahlen." "Was soll denn dein Gebet dann bedeuten?" "Ich habe es gar nicht ernst gemeint." "Wenigstens bist du jetzt ehrlich. Aber findest du es richtig, auf einen anderen solchen Zorn zu haben?" "Nein, aber es geht mir bestimmt besser, wenn ich mich gerächt habe. Übrigens habe ich mir schon etwas "Nettes" ausgedacht. Sie wird sich wünschen, nie in unsere Nähe gezogen zu sein." "Dir wird es nicht besser gehen, sondern schlechter. Rache ist nämlich nicht süß. Überleg nur mal, wie unglücklich du jetzt schon bist. Das kann ich aber alles ändern." "Wirklich? Wie denn?" "Vergib deiner Nachbarin, dann werde Ich dir auch vergeben. Nun muss sie mit dem Hass und der Sünde zurechtkommen. Du aber wirst frei sein und in deinem Herzen Frieden haben." "Ja, Du hast recht. Du hast immer recht. Und wichtiger als meine Rachegefühle gegen diese Frau ist mir, dass mein Verhältnis zu Dir in Ordnung ist. Aber... (Pause)... (Seufzer)... Also gut. Ich vergebe ihr. Hilf ihr, den richtigen Weg zu finden, Herr. Wenn ich so darüber nachdenke, muss sie sich doch eigentlich richtig elend fühlen, wie jeder, der ständig anderen Menschen Schlimmes antut. Bitte zeige ihr auf irgendeine Weise den rechten Weg." "Na siehst du! Ist das nicht viel besser? Und wie geht es dir jetzt?" "Na ja, eigentlich gar nicht schlecht. Ich habe sogar ein sehr gutes Gefühl. Ich glaube, wenn ich heute Abend ins Bett gehe, werde ich zum ersten Mal nicht mehr so schrecklich verspannt sein wie bisher. Vielleicht schlafe ich auch besser." "Du hast dein Gebet aber noch nicht beendet." "Ach ja, richtig. 'Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen'." "Gut, das werde ich auch tun. Aber vermeide auch alles, was dich in Versuchung bringen könnte." "Was meinst du damit?" "Mach' nicht den Fernseher an, ohne zu überlegen, was du da siehst. Denke darüber nach, wie du deine Zeit einteilst, was für Freunde du hast, worüber du mit ihnen sprichst. Mach' dir Gedanken über das, was wirklich Wert hat und kostbar ist in deinem Leben. Vor allem bitte ich dich, dass du Mich nicht als Notnagel missbrauchst." "Den letzten Satz habe ich nicht verstanden." "Aber das hast du doch oft getan! Du bist irgendwo in Schwierigkeiten geraten. Dann kamst du zu Mir gelaufen und sagtest: 'Herr, bitte hilf mir hier raus. Ich will es auch nie wieder tun.' Erinnerst du dich?" "Ja, Herr, ich schäme mich. Es tut mir sehr leid." "Ich habe dich immer wieder bewahrt. Aber hast du auch deine Versprechen gehalten?" "Nein, meistens nicht. Ich habe bis jetzt immer gedacht, ich könnte tun, was ich wollte, wenn ich nur jeden Tag das ‚Vaterunser' beten würde. So etwas wie dieses Gespräch mit dir heute hätte ich nicht erwartet." "Und wie geht dein Gebet weiter?" "Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen." "Weißt du, was Herrlichkeit sein könnte? Worüber ich mich wirklich freuen würde?" "Nein, aber ich würde es gerne wissen. Ich möchte Dir Freude machen. Mehr und mehr verstehe ich, wie schön es wäre, Dir wirklich nachzufolgen." "Damit hast du deine Frage schon selbst beantwortet." "Wirklich?" "Ja, es bedeutet Herrlichkeit für Mich, wenn Menschen wie du Mich wirklich lieb haben. Und nun sehe Ich, dass diese persönliche Beziehung zwischen uns entsteht. Nachdem wir jetzt einige von deinen Sünden ausgeräumt haben und sie uns nicht mehr stören, wirst du staunen, was wir noch gemeinsam erleben werden!" "Herr, lass uns entdecken, was wir aus mir machen können, ja?" "Du wirst es erleben!" |
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Von Gesetz und Liebe
"Ein Vater hat zwei Kinder. Er hat diesen Kindern seinen Willen wie gesetzlich bekannt gegeben. Einen Acker und Weingarten zeigte er ihnen und sprach: Ihr seid kräftig geworden, und so verlange ich von euch, dass ihr für mich nun den Weingarten und den Acker fleißig bearbeitet. Aus eurem Fleiße werde ich erkennen, welcher von euch beiden mich am meisten liebt. Nun, das ist das Gesetz, laut welchem natürlich demjenigen Sohne, der den Vater am meisten liebt, des Vaters Herrlichkeit zuteil wird. Was tun aber die beiden Söhne? Der eine nimmt den Spaten und sticht den ganzen Tag fleißig die Erde um und bestellt den Acker und den Weingarten. Der andere lässt sich bei der Arbeit mehr, wie man zu sagen pflegt, gut geschehen. Warum? Er spricht: Wenn ich auf dem Acker oder in dem Weingarten bin, da muss ich stets meinen lieben Vater entbehren, zudem bin ich nicht so herrlichkeitssüchtig wie mein Bruder. Habe ich nur meinen lieben Vater, kann ich nur um Ihn sein, der meinem Herzen alles ist, da frage ich wenig um eine oder die andere Zuteilung einer Herrlichkeit. Der Vater sagt diesem zweiten Sohne auch dann und wann: Aber siehe, wie dein Bruder fleißig arbeitet und sucht sich meine Liebe zu verdienen. Der Sohn aber spricht: O lieber Vater! Wenn ich am Felde bin, da bin ich dir fern, und mein Herz lässt mich nicht ruhen, sondern spricht immer laut zu mir: Die Liebe wohnt nicht in der Hand, sondern im Herzen, daher will sie auch nicht mit der Hand, sondern mit dem Herzen verdient sein! Gib Du, Vater, meinem Bruder, der so emsig arbeitet, den Acker und den Weingarten. Ich aber bin von dir hinreichend beteilt, wenn du mir nur erlaubst, dass ich dich nach meiner Herzenslust allezeit lieben darf, wie ich dich lieben will und muss, weil du mein Vater, mein Alles bist. Was wird nun da wohl der Vater sagen, und das aus dem innersten Grunde seines Herzens? Sicher nichts anderes als: Ja, du mein geliebtester Sohn, dein Herz hat dir das meinige enthüllt; das Gesetz ist nur eine Prüfung. Aber mein Sohn, die Liebe steckt nicht im Gesetze, denn jeder, der das Gesetz allein hält, hält dasselbe aus Eigenliebe, um sich dadurch mit seiner Tatkraft Meine Liebe und Meine Herrlichkeit zu verdienen. Der aber also das Gesetz hält, der ist noch fern von Meiner Liebe, denn seine Liebe hängt nicht an Mir, sondern am Lohne. Du aber hast dich umgekehrt, hast das Gesetz zwar nicht verschmäht, weil es dein Vater gegeben hat, aber du hast dich erhoben über das Gesetz, und deine Liebe führte dich über demselben zu deinem Vater zurück. Also soll denn auch dein Bruder den Acker und den Weingarten überkommen und in meine Herrlichkeit treten; du aber, mein geliebtester Sohn, sollst haben, was du gesucht hast, nämlich den Vater Selbst und alle Seine Liebe!" [GS.02_101,13-18] |
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Don Camillo spricht mit Jesus
Camillo: Herr, ich muss Dir etwas beichten. Ich habe Schuld auf mich geladen. Ich habe in einem Anfall von Zorn dem jungen Cinetti wehgetan. Ich bitte um Vergebung. Jesus: Hast du vergessen, dass deine Hände gesalbt sind? Camillo: Nein, Herr, deshalb habe ich ihm ja auch einen Fußtritt gegeben. Jesus: Camillo, du hast dich mal wieder nicht beherrschen können. Camillo: Herr dieser Cinetti ist so rechthaberisch und gibt an wie ein geölter Pfau. Jesus: Und dein Recht, Camillo, hast du es nicht mit dem Fuß durchsetzen wollen? Camillo: Gewiss Herr. Versteh mich doch, dieser Lümmel muss endlich erfahren, dass es so nicht geht. Jesus: Camillo. Du bittest Mich um Vergebung, und dann fängst du an, deine Tat zu rechtfertigen. Camillo: Er hat mich vor allen Leuten gedemütigt und schlecht gemacht. Jesus: Versetze dich in die Lage der anderen, nicht die anderen mit Gewalt in die deine. Camillo: Er macht mich wütend und zieht die Lacher stets auf seine Seite. Jesus: Wenn du dein Gesicht verlierst, Camillo mach weiter. Verlierst du aber den Kopf, hör auf! Und vergiss nicht, dass das Zusammenleben mit dir manchmal genügen kann, sich den Himmel zu verdienen. Camillo: Herr, ich gebe zu, dass ich hin und wieder ausraste, wenn man mich nicht respektiert. Jesus: Gib den Menschen deine Liebe Camillo. Warte nicht, bis die anderen damit anfangen. Camillo: Ich bemühe mich immer wieder darum Herr. Aber darf ich daran erinnern, dass du einmal mit dem Strick reingefahren bist und die Händler rausgeworfen hast? Jesus: Du darfst Camillo. Es ist wichtig, die Ehre Gottes zu verteidigen, nicht die eigene. Camillo: Zugegeben, das verwechsele ich bisweilen. Jesus: Schön, dass du das einsiehst, Camillo. Und wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann übe dich in der Tugend der Selbstbeherrschung. Camillo: Herr, ist die Sünde die mich weckt, nicht besser als die Tugend, an der ich einschlafe? Jesus: Gewiss, Camillo. Doch ich befürchte kaum, dass du einschlafen wirst. Camillo: Dasselbe befürchte ich auch, Herr. Er wendet sich zur Seite, um wegzugehen, zögert etwas und wendet sich erneut dem Kreuz zu: Was sage ich jetzt dem Cinetti? Jesus: Entschuldige dich einfach! Öfter als du denkst, tun dir Menschen das an, wozu du sie herausgefordert hast. Camillo: Ich werde mich mehr in der Demut üben, Herr. Jesus: Bravo Camillo, Du hast dein wirkliches Problem gut erkannt. Camillo: Hilfst du mir dabei? Jesus: Sicher Camillo. Wenn du klein werden willst, verachte nicht die Größe der anderen! Camillo: Danke für den Tipp, Herr. Jesus: Nichts für ungut, Don Camillo. |
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Weit gereist
Er war ein vielgereister Mensch. Viele Sehenswürdigkeiten hatte er gesehen, fast jedes Touristenziel hatte er besucht. Darauf war er stolz und erzählte gerne davon. Auf einer seiner Reisen kam er auch in ein Kloster. "Mal sehen, was die an Schönem zu bieten haben." Ein Mönch begrüßte ihn und erkundigte sich, woher er käme. Er zählte seine Reiseziel auf und beschrieb mit großartigen Worten deren Sehenswürdigkeiten. Der Mönch blieb unbeeindruckt. "Hätten sie nicht auch einmal Lust fortzufahren und die Welt zu sehen?" fragte der Vielgereiste. "Nein, das brauche ich nicht." erwiderte der Mönch, "Ich reise nur nach innen. Dort finde ich alles Großartige dieser Welt." |
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Das kleine Lob
Es war einmal ein kleines Lob, das größer werden wollte. Die Mutter strich ihm über den Kopf und meinte: "Ich fürchte, du bleibst ein kleines Lob. Vergiss nie: Ein kleines Lob ist besser als der größte Befehl!" Auf seiner Wanderung in die weite Welt kam es zu einem Mann, der gerade sein Auto wusch: "Kannst du mich nicht gebrauchen - zum Loben?" fragte das kleine Lob. Aber der putzte weiter und sagte: "Wozu loben? Ich arbeite, damit ich Geld verdiene. Ich putze, damit mein Auto sauber wird. Alles, was ich tue, hat seinen Nutzen. Aber loben ist zu nichts nütze!" Das kleine Lob schluckte und ging weiter. Kurze Zeit später sagte es zu einem Kind: "Ich fände es schön, wenn du mich brauchen könntest!" Da meinte der Junge aufgebracht: "Pah, loben! Was denn? Etwa die Schulaufgaben, die ich jetzt machen muss? Dass mein Fahrrad einen Platten hat? Oder mein Brüderchen immerzu schreit? Nein, alles ist eher zum Ärgern!" Das kleine Lob schlich sich traurig davon. Will denn niemand mehr loben? Und das kleine Lob wandte sich an eine alte Frau. "Wen soll ich denn loben?" sagte sie unzufrieden. "Meine Kinder, die sich nicht um mich kümmern? Oder den Arzt, der schon zwei Jahre an mir herumdoktert? "Vielleicht könntest du ein kleines bisschen Gott loben und danken", sagte das kleine Lob vorsichtig. "Ach du liebe Zeit", rief die alte Frau, "heute ist doch nicht Sonntag!?" "Vielleicht dafür", das Lob blieb hartnäckig, "dass du noch lebst, dass du immer zu essen hast, die Sonne und die Blumen sehen kannst …" "Was ist das alles gegen mein Rheuma und mein Alleinsein?" unterbrach die alte Frau. So wanderte das kleine Lob weiter. Es klagte: "Alle fragen nur: Warum? Was bringt das? Ich habe es zu schwer! - Dabei gehöre ich doch zum Lebenswichtigsten überhaupt: Leben, lieben und loben - nur ein Buchstabe ist jeweils anders! Wenn das Leben lebenswert ist, dann ist es auch liebenswert und dann ist es auch lobenswert. Und soll dann nicht auch Der gelobt werden, Der das Leben geschenkt hat?" Und das kleine Lob kam zu dem Schluss: "Wer sich Zeit nimmt, Atem zu holen, wer wieder richtig sehen lernt, wer die richtigen Maßstäbe setzt, der kann danken und findet zur Freude zurück. Ja, und der muss einfach loben!" |
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Was ein Heiliger ist
Ein kleiner Junge kam mit seiner Mutter an einer großen Kirche vorbei. Er schaute an der Kirche hoch und sagte: "Mutti, schau mal, die großen Fenster sind ja ganz schön schmutzig, die sehen aber gar nicht schön aus." Daraufhin ging die Mutter mit ihm in die Kirche. Hier waren die Fenster, die von außen ganz grau und schmutzig aussahen, plötzlich strahlend bunt und leuchteten in den hellsten Farben. Da staunte der Junge, und er schaute sich die Fenster genau an. Über dem Altar war ein auffallend schönes Fenster zu sehen - mit vielen Heiligenfiguren. Und durch eine Figur strahlte gerade die Sonne hindurch, so dass sie besonders hell war. Der Junge fragte: "Mutti, wer ist das?" - Die Mutter antwortete: "Das ist ein Heiliger, der heilige Franziskus." Das hatte sich der Junge gut gemerkt. Ein paar Tage später fragte der Religionslehrer in der Schule seine Schüler: "Wer von euch kann mir sagen, was ein Heiliger ist?" Da war großes Schweigen in der Klasse. Nur der kleine Junge zeigte auf und sagte: "Ich weiß es. Ein Heiliger ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint!" |
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Freundlichkeit
Der Meister wurde von einem Schüler gefragt, wie er es schaffe, immer so freundlich im Umgang mit anderen zu sein. "Wer hat es dich gelehrt, und was muss ich beachten, wenn ich dir nacheifern will?" fragte der Schüler. "Nicht ein Lehrer hat mich unterrichtet, sondern viele Lehrer haben mir die Freundlichkeit beigebracht, und ich lerne immer noch. Denn meine Lehrer waren die Unhöflichen. Ich habe mir stets gemerkt, was mir am Benehmen anderer Menschen mir gegenüber missfallen hat - und dann habe ich mich bemüht, dieses Verhalten meinen Mitmenschen gegenüber zu vermeiden. So einfach ist das und doch so hilfreich." |
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Liebe vergisst
"Warum sprichst du ständig von meinen früher begangenen Fehlern?" sagte der Ehemann. "Ich dachte, du hättest sie vergeben und vergessen." "Ich habe sie tatsächlich vergeben und vergessen", antwortete die Ehefrau, "aber ich möchte sicher sein, dass du nicht vergisst, dass ich vergeben und vergessen habe." |
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Nur die Liebe zählt
Eine russische Legende erzählt: Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihr den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen. Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. "Sag, was kostet das Lachsbrot?" fragte er "Eine Kopeke" wurde ihm geantwortet. "Und die Sardine?" "Gleich viel." - "Und diese Pastete?" "Alles eine Kopeke." Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig hier im Himmel! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht an. "Alter" sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, "du hast wenig im Leben gelernt!" "Was soll das?" murrte der Alte. "Ist mein Geld nicht gut genug?" D a hörte er die Antwort: "Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat." |
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Man kann es nie wissen
Der Meister und sein Schüler begegneten unterwegs einem Blinden, der am Straßenrand saß und bettelte. Sagte der Meister: "Gib dem Mann ein Almosen!" Der Schüler warf eine Münze in den Hut des Bettlers. Sagte der Meister: "Du hättest deinen Hut ziehen sollen als Zeichen des Respekts." "Warum?" wollte der Schüler wissen. "Man sollte es immer tun, wenn man ein Almosen gibt." "Aber der Mann war doch blind!" "Man kann es nie wissen", erwiderte der Meister, "vielleicht war er ein Schwindler." |
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Gebrauchsanleitung für die Liebe
Der folgende Text ist ein fiktiver Dialog zwischen einem Kundenberater und einer Kundin. Kundenberater: Können Sie LIEBE installieren? Kundin: Ich glaube schon. Ich bin zwar technisch nicht so begabt, aber ich bin jetzt bereit, mit der Installation zu beginnen. Was mache ich zuerst? Berater: Als erstes öffnen Sie HERZ. Haben Sie Ihr HERZ schon gefunden? Kundin: Ja, hab ich, aber da laufen im Moment noch mehrere Programme. Kann ich trotzdem mit der Installation beginnen? Berater: Welche Programme laufen denn gerade? Kundin: Moment, ich schau mal nach. Momentan laufen gerade ALTEVERLETZUNG.exe, WENIGSELBSTACHTUNG.exe, GROLL.exe und VERSTIMMUNG.com. Berater: Kein Problem. LIEBE wird die ALTEVERLETZUNG.exe automatisch aus Ihrem jetzigen System entfernen. Es kann zwar sein, dass sie im permanenten Speicher bleibt, aber sie wird andere Programme nicht mehr stören. LIEBE wird mit der Zeit auch die WENIGSELBSTACHTUNG.exe überschreiben, und zwar mit ihrem eigenen Modul HOHESELBSTACHTUNG.exe. Allerdings müssen Sie die GROLL.exe und die VERSTIMMUNG.com komplett löschen. Diese Programme verhindern, dass LIEBE.exe richtig installiert wird. Können Sie die jetzt löschen? Kundin: Ich weiß nicht, wie das geht. Könnten Sie mir behilflich sein? Berater: Ja, gern. Gehen Sie in Ihr Startmenü und lassen Sie VERGEBUNG.exe laufen. Das machen Sie so oft, bis GROLL.exe und VERSTIMMUNG.com total gelöscht sind. Kundin: Alles klar, hab' ich gerade gemacht. LIEBE hat nun angefangen, sich automatisch selbst zu installieren. Ist das normal? Berater: Ja, ist es. Sie müssten eigentlich eine Meldung erhalten, die besagt, dass LIEBE sich um das Leben Ihres HERZens willen selbst installiert. Sehen Sie eine solche Meldung? Kundin: Ja. Ist die Installation jetzt fertig? Berater: Ja, aber denken Sie daran, dass Sie bisher nur die Basis-Version des Programms haben. Sie müssen jetzt noch anfangen, sich mit anderen Herzen zu verbinden, damit Sie die Upgrades bekommen können. Kundin: Huch... Ich habe schon eine Fehlermeldung! Was soll ich machen? Berater: Was besagt die Meldung? Kundin: Da steht "FEHLER 412 - PROGRAMM LÄUFT NICHT AUF DEN INNEREN KOMPONENTEN." Was bedeutet das? Berater: Machen Sie sich keine Sorgen, das ist ein weit verbreitetes Problem. Es bedeutet, dass LIEBE im Setup darauf eingestellt ist, auf externen HERZen zu laufen, aber auf Ihrem eigenen HERZ noch nicht gelaufen ist. Das ist eins dieser komplizierten Programmierungsprobleme, aber in normalen Worten ausgedrückt heißt das einfach: Sie müssen LIEBE auf Ihrem eigenen Gerät benutzen, bevor sie auf anderen Geräten eingesetzt werden kann. Kundin: Ah, was soll ich also tun? Berater: Können Sie ein Verzeichnis finden mit dem Titel "SELBSTAKZEPTANZ"? Kundin: Ja, das habe ich hier. Berater: Ausgezeichnet, Sie werden ja langsam ein Profi. Kundin: Danke schön. Berater: Bitte klicken Sie nun die folgenden Dokumente an und kopieren Sie sie in das "MEINHERZ"-Verzeichnis: VERGEBUNG.doc, SELBSTACHTUNG.doc, SELBSTWERT.txt und FREUNDLICHKEIT.doc. Das System wird alle Dokumente überschreiben, die in eventuellem Konflikt stehen könnten und dann damit anfangen, alle falschen Programmierungen auszubessern. Was Sie auch unbedingt von Ihrer Festplatte und aus allen Verzeichnissen löschen müssen, ist die SELBSTKRITIK.exe. Und dann müssen Sie unbedingt Ihren Papierkorb leeren, um sicherzugehen, dass diese Exe auf jeden Fall weg ist und nicht wieder irgendwo auftaucht. Kundin: Fertig. HEY! Mein HERZ fängt jetzt an, sich mit echt netten Dokumenten zu füllen. Im Moment läuft LÄCHELN.MPG auf meinem Monitor, und das System zeigt an, dass sich gerade WÄRME.com, FRIEDEN.exe und ZUFRIEDENHEIT.com selber über mein gesamtes HERZ kopieren. Berater: Ok, in diesem Fall ist LIEBE installiert und läuft auch. Von hier aus müssten Sie nun eigentlich allein zurechtkommen. Eine Sache noch, bevor ich auflege... Kundin: Ja? Berater: LIEBE ist Freeware. Bitte sorgen Sie dafür, dass Sie LIEBE und ihre verschiedenen Module an jeden weitergeben, dem Sie begegnen. Diese Leute werden das Programm dann wieder anderen weitergeben, und Sie werden mit der Zeit einige sehr schöne Module von den anderen zurückerhalten. Kundin: Das werde ich tun. Danke für Ihre Hilfe. Berater: Bitte, sehr gern geschehen. |